Das Holz wird knapp

Auswirkung der Weltpolitik bedroht Bönener Hausbauer und Handwerker

Bönener Handwerker beklagen Materialmangel
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Wer aktuell Holz für den Hausbau benötigt, braucht Geduld: Beim Material gibt es Lieferschwierigkeiten und es müssen hohe Preise gezahlt werden.

Was die USA und China verursachen, ärgert Handwerker wie Zimmermeister Rainer Schwippe in Bönen: „Ich bin über 30 Jahre im Beruf, aber so etwas habe ich wirklich noch nicht erlebt“, sagt der 56-jährige Inhaber von Holzbau Schwippe. Was er meint, sind die exorbitanten Preise und die Probleme überhaupt Material zu bekommen.

Bönen - Das wachstumshungrige China hat schon seit langem eine enorme Nachfrage nach Holz und Holzprodukten. Dazu kommt der von Ex-Präsident Donald Trump verantwortete Handelskrieg mit Kanada, wodurch auch die Nachfrage aus Amerika unentwegt stieg.

„Selbst die Staatsforste verkaufen ihr Holz aufgrund der hohen Preise ins Ausland“, klagt Schwippe. Bald komme es so weit, dass zahlreiche Unternehmen, vom Sägewerk bis zum Handwerksbetrieb, trotz voller Auftragsbücher Kurzarbeit anmelden müssen.

„Normalerweise ist eine profane OSB-Platte ein Produkt, das ich jederzeit bekomme“, sagt der erfahrene Meister. Inzwischen habe er da Lieferzeiten von bis zu zwölf Wochen. Ähnlich sehe es bei Hartfaserplatten aus, die er im Baubereich als Putzträger benötige. Leimholz sei schon gar nicht mehr zu bekommen und beim Konstruktionsvollholz sehe es ähnlich aus. „Ich beziehe mein Material bei drei großen Lieferanten“, so Schwippe. Dort könne er zwar seine Bestellungen aufgeben, doch wann das Material geliefert werde, das könne einem niemand sagen.

Preise haben sich teils verdoppelt

Neben der grundsätzlichen Lieferbarkeit machen den Handwerkern und Planern aber auch die Preise das Leben schwer: „Beim Konstruktionsvollholz haben sich die Preise innerhalb von vier Wochen verdoppelt“, so Schwippe. Bei den Leimbindern liege die Preiserhöhung im selben Zeitraum bei rund 50 Prozent. So könne heute niemand sagen, wie man ein halbwegs realistisches Angebot berechnen solle.

„Selbst wenn Kanada wieder genug Holz in die USA liefern wollte, wüsste man noch nicht, ob das auch gelänge“, sagt der Experte. Die Klimaerwärmung und der Borkenkäferbefall machen auch dem waldreichen Staat in Nordamerika sehr zu schaffen. Wenn die Kammern und Verbände an die Regierungen appellierten nichts in Ausland zu liefern, so bekämen sie stets dasselbe zu hören: „Das ist der freie Markt“, heiße es dann.

Der Bönener Zimmermeister Rainer Schwippe wartet oft wochenlang auf das bestellte Holz.

Dazu kämen durch die hohe Nachfrage auch Verteuerungen und Lieferengpässe bei anderen Materialien. Das bestätigt auch Elisabeth Hoffmeier vom Dachdeckerbetrieb Hoffmeier: „Nicht nur der Preis für die Dachlatten hat sich in einem halben Jahr verdreifacht“, so Hoffmeier. Auch bei Produkten wie Dachfenstern oder Dämmstoffen herrsche dieser Trend. „Unsere Lieferanten weisen uns stets darauf hin, sagen aber, sie wüssten nicht, wann sich sowohl die Preise, wie die Lieferzeiten wieder entspannten“, so Hoffmeier.

André Lettau ist Betriebseiter bei der Tischlerei Gräfe und kann derzeit noch nicht klagen: „Wir verarbeiten natürlich auch viele Kunststoff-Fenster, Aluminium-Türen, Vordächer und andere Dinge, die nicht primär aus Massivholz sind“, so Lettau. Selbst Fußböden und Deckenpaneele seien ja oft kunststoffbeschichtet und diese Produkte seien lagermäßig da. Bei Standardprodukten, etwa aus Fichte, Tanne, oder bei den Leimbindern würden die Lieferzeiten immer länger: „Nach einem Aufmaß hatte ich kürzlich beim Lieferanten wegen Leimbindern angerufen“, so Lettau. Da sei die Bestellung aufgenommen worden und man habe ihm mitgeteilt, wegen der Lieferung solle er sich in vier Wochen noch einmal melden.

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