Das Ende eines ungewöhnlichen Grundschuljahrs

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Zum Abschied bedankte sich die 4c der Hellwegschule mit Blumen von ihren Lehrerinnen Andrea Pothmann (vorne) und Silke Schatte.

Bönen – Ein ungewöhnliches Schuljahr geht zu Ende, in dem die Kinder und Jugendliche zumindest im zweiten Halbjahr wohl mehr fürs Leben als für ihre Schullaufbahn gelernt haben. Die Stichworte lauten Lockdown und Rollunterricht, Abstand und Maskenpflicht. Für zwei Wochen kamen zumindest in der Grundschule sogar alle Schüler jeden Tag wieder zur Schule. Eine kleine Bilanz

„Es war wunderbar, alle Kinder noch einmal hier zu haben“, freute sich Antje Anbring-Keiter, Leiterin der Hellwegschule über die durchaus in der Diskussion stehende Entscheidung des NRW-Schulministeriums. Nach der Schließung vor den Osterferien waren Anfang Mai zunächst die Viertklässler zurückgekehrt, kurz darauf die anderen Klassen. Vorerst wegen der Abstandsregelungen noch in kleine Gruppen aufgeteilt und in einem System mit Rolltagen, damit jeder trotz der Einschränkungen in den Genuss von etwas Schulzeit kam.

Auf den damals ausgearbeiteten Plänen bauten die beiden Bönener Grundschulen auf. „Das war ein ganz großer organisatorischer Aufwand“, sagt Anne Schott, die Konrektorin der Goetheschule. Es habe aber alles funktioniert und bei der Hygiene seien die Kinder schon kleine Profis. Für sie gehörten die Vorsichtsmaßnahmen längst zum Alltag.

Keine Durchmischung der Klassen

Die Goetheschule setzte auf einen versetzten Unterrichts- und Pausenbeginn im Viertelstundenrhythmus. Dazu wurden zwei Eingänge benutzt – die ersten und zweiten Klassen gingen durch das Forum, die dritten und vierten Klassen durch den Seiteneingang. „Damit sich die Klassen nicht begegnen“, erklärte Schott. Um eine Durchmischung der Kinder zu verhindern, erhielt jede Gruppe in der einzigen Pause verschiedene Zone zugewiesen.

Die Hellwegschule handhabte es etwas anders. Sie verfügt allerdings auch über zwei Höfe, womit zumindest eine kleine Trennung möglich war. Versetzt waren die Pausenzeiten ebenfalls. „Wir haben eindringlich klar gemacht, sich bitte nicht zu mischen“, betont Schulleiterin Antje Anbring-Keiter. Auf einen unterschiedlichen Schulbeginn wurde wegen der vielen auf den Bus angewiesenen Kinder verzichtet. Vor dem Gang in die Klassen versammelten sich die Schüler deshalb auf festen Plätzen vor dem Gebäude – immer mit Abstand zu den anderen.

Der Blick hinter die Fassade lohnt

Vier beziehungsweise fünf Unterrichtsstunden wurden gegeben. „Es mutete fast wie Normalbetrieb an“, sagt Anbring-Keiter – bis zum „Blick hinter die Fassade“. Einzelarbeit und Frontalunterricht waren angesagt, ein Mund-Nasenschutz gehörte zur Tornisterausstattung. Ein mit aufgeklebten Pfeilen kenntlich gemachtes Einbahnstraßensystem wies den Weg durchs Gebäude. Die Offene Ganztagsschule an der Hellwegschule arbeitete wegen Platzmangels eingeschränkt. AGs, Förder- oder Türkischunterricht fielen aus, weil dabei Schüler aus verschiedenen Klassen zusammenkommen.

Die Goetheschule fokussierte sich auf die Kernfächer Mathematik, Deutsch, Sachkunde und Englisch. Eine breitere Palette ist an beiden Schulen erwünscht, doch schnell tauchen Schwierigkeiten auf wie im Fach Musik. „Singen ist ja nicht möglich“, so Anbring-Keiter, die froh war, für die 15 Klassen auf ihr komplettes Kollegium zurückgreifen zu können. An der Goetheschule mit 14 Klassen gehörten Lehrern zur Risikogruppe. „Das war sehr knapp“, sagt Schott zur Personallage. Man habe schauen müssen, wie die Klassen konstant besetzt werden können. Für eine Klasse wurde eine Vertretung organisiert.

Wie ist der Wissensstand nach den vielen Wochen Homeschooling

Die zwei Wochen „normalen Unterricht“ haben die Lehrer genutzt, die vergangenen Wochen weiter aufzuarbeiten: wie zum Beispiel das Homeschooling umgesetzt werden konnte, welchen Wissenstand die Schüler mitbringen und wo noch Fragen zum Lerninhalt bestehen. Die Voraussetzungen nach dem Restart waren natürlich unterschiedlich, sagt Schott, fügt aber hinzu: „Wie es in normalen Zeiten auch ist.“

Auch Anbring-Keiter hat Unterschiede bemerkt. Sie hat zudem festgestellt, dass die Kinder die Strukturen nicht mehr gewohnt sind. Der Schulalltag sei bei der Rückkehr für viele anstrengend gewesen.

Viele kleine Ideen für den Abschluss der Viertklässler

Jetzt gab es aber erst mal Zeugnisse. Beide Grundschulen haben für die Viertklässler, für die ein Lebensabschnitt zu Ende geht, unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen einen kleinen Abschied zusammengestellt, damit der Abschluss dieses Lebensabschnitts ein bisschen besonders wird. An der Goetheschule bildeten die Lehrer ein Spalier, die anderen Schüler, die das sonst machen, hatten Bilder gemalt. Auch an der Hellwegschule gab es viele kleine Ideen, wie zum Beispiel ein Lied an die Eltern, die zumindest auf den Pausenhof kommen durften.

„Jetzt freuen sich die Kinder auf die Ferien“, sagt Schott – also wie immer. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer kündigte an, dass der Schulbetrieb danach im Regelbetrieb weitergehen soll. „Die Pläne der Behörde und deren mögliche Umsetzung vor Ort schauen wir uns dann in den Ferien an“, meinte sie. Antje Anbring-Keiter hofft, dass Schule wieder dahinkomme, den ganzen Fächerbereich anbieten zu können.

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