Schulstart der Viertklässler: Viele Gespräche und großer Abstand

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Antje Anbring-Keiter von der Hellwegschule hofft auf einen sanften Einstieg für ihre Schüler.

Bönen – Nach den Großen sollen nun auch die Größten der Kleinen wieder in die Schule zurückkehren. Die Grundschulen in Bönen haben sich auf den Start für die Viertklässler vorbereitet.

Doch lange war unklar, wann dieser erfolgen würde. Statt dem zunächst anvisierten 4. Mai, also dem kommenden Montag, wird es nun der Donnerstag, 7. Mai, werden. Das NRW-Schulministerium begründet diesen Aufschub damit, dass den kommunalen Trägern und den Kollegien vor Ort eine ausreichende Vorbereitungszeit gegeben werden soll.

Vorbereitung schon weit fortgeschritten

Die befinden sich allerdings längst in den Startblöcken, Planung und Umsetzung für die Rückkehr der Viertklässler sind weit vorangeschritten, teilweise schon fertig. Dementsprechend stiftete die Landesbehörde eher Verwirrung, als sie am Donnerstag mitteilte, dass die weiteren Klassen bereits am 11. Mai in einem tageweisen Rollsystem der Jahrgänge folgen sollen, und dies noch am gleichen Tag wieder unter Vorbehalt stellte, weil zunächst die Beratungen zwischen den Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am 6. Mai abgewartet werden sollen.

Grundschulen zwischen den Stühlen

Die Grundschulen stehen also derzeit ein bisschen zwischen den Stühlen. „Wir müssen schauen, was entschieden wird. Vorausplanen kann man nicht“, sagt Annegret Berg von der Goetheschule, die zusammen mit ihrer Konrektorin Anne Schott am 1. Mai Briefe an die Eltern der Viertklässler schrieb, damit die wissen, wie es am Donnerstag losgeht. Antje Anbring-Keiter zeigte sich überrascht von dem Vorpreschen des Ministeriums, was die weiteren Klassen angeht. „Wir müssen alles neu denken“, sagt die Schulleiterin der Hellwegschule: „Wie das klappen soll, da kommt man ins Grübeln.“

Die Verantwortlichen würden sich einen größeren Zeitabstand zwischen den verschiedenen Öffnungsstufen wünschen. Dann könnten sie schauen, wie das erarbeitete Konzept mit den Viertklässlern funktioniert. Darauf waren die Pläne – zum Beispiel zur Abstandswahrung und dem Einsatz der Lehrkräfte – nämlich bislang ausgelegt.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

Denn schon mit den vierten Klassen betreten die Schulen in vielerlei Hinsicht Neuland. An der Goetheschule sind draußen Absperrbänder aufgestellt, die einen geordneten Weg zur Toilette weisen. Dort sollen sich die Kinder, wenn sie das Gelände betreten, aufstellen, Abstandsmarken sind im dezenten Grau aufgeklebt. Morgens soll es mit dem Händewaschen losgehen. Jedes zweite Waschbecken ist abgesperrt. Danach führt der Weg an einem Desinfektionsmittelspender vorbei im Einbahnstraßensystem zu den Klassenräumen. Der Haupteingang ist nur noch Ausgang.

Schulleiterin Berg verteilt auch ein Lob an die Verwaltung, „Wir haben von der Gemeinde gute Unterstützung bekommen.“ Schon bei der Schlussschließung wurde alles gründlich desinfiziert.“ Zusätzlich wird nun eine Reinigungskraft während des Unterrichts Türklinken und Treppengeländer putzen. Früher geschah das erst nach Schulschluss.

Auf Abstand: Annegret Berg (links) und Anne Schott in einem der vorbereiteten Klassenräume der Goetheschule.

Kleinere Gruppen um den Abstand zu wahren

Die 66 Jungen und Mädchen der vierten Klassen an der Goetheschule wurden auf sechs Gruppen verteilt, da in den Räumen aufgrund der Abstandsbestimmungen nur Platz für maximal zwölf Schüler ist. Der Schulbeginn erfolgt zeitlich versetzt, um Stoßzeiten bei der Ankunft und dem Nachhause-Gehen zu vermeiden.

Auch die Hellwegschule, die ab Montag die Planungen zu Hygiene und Abstand umsetzen wird, setzt auf unterschiedliche Anfangszeiten. Im Bönener Süden bieten die Pausenhöfe vor und hinter dem Gebäude zusätzlich die Möglichkeit, die Gruppen auf Distanz zu halten. Auf acht Gruppen verteilen sich die 78 Viertklässler. Die Einteilung erfolgte unter anderem nach Kriterien inwieweit sich die Schüler bei einer weiteren Lockerung begegnen könnten.

"Schule wird anders"

Nicht nur auf dem Gelände wird sich wegen der Vorsichtsmaßnahmen einiges ändern. „Schule wird anders sein“, erwartet Berg. Am auffälligsten wird dabei die Rückkehr zum Frontalunterricht. Gruppenarbeit ist aus offenkundigen Gründen nicht möglich. Jeweils drei Schulstunden an den ersten zwei Tagen sind an der Goetheschule für den Beginn geplant. Mathe, Deutsch, Englisch und Sachunterricht genießen fachliche Priorität.

Doch noch wichtiger ist den Kollegien, dass sich die Kinder in der neuen Situation wohlfühlen. Keines der Jungen und Mädchen ist es gewohnt, alleine in einer Bank zu sitzen. „Das Setting ist nicht förderlich“, rücken für Anbring-Keiter die Lernfortschritte zunächst in den Hintergrund. Dazu kommt, dass durch die vielen Wochen Homeschooling der Wissenstand der Schüler sehr unterschiedlich sein könnte.

Antje Anbring-Keiter von der Hellwegschule hofft auf einen sanften Einstieg für ihre Schüler.

Viele Gespräche

Die Lehrer sollen deshalb auf die Sorgen der Schüler eingehen, an den ersten Tagen werden vermutlich mehr Gespräche geführt, als das Unterricht abgehalten wird. Um für ein bisschen heimelige Atmosphäre zu sorgen, darf jeder Goetheschüler ein Spielzeug mitnehmen, dass dann vor Ort bleibt. Schuleigene Spielsachen dürfen nicht herausgegeben werden, erklärt Schott.

Was den Schulstart betrifft, geht die Hellwegschule sogar noch einen Schritt weiter. „Wir wollen den Kindern einen sanften Einstieg bereiten“, betont Anbring-Keiter. Der Donnerstag soll Einzelgesprächen der Klassenlehrer mit den Kindern vorbehalten sein. Dort sollen in rund 20 Minuten zum einen die neuen Regeln noch einmal erklärt werden und die Wege in die Räume gezeigt werden, aber auch individuell auf den Schüler eingegangen werden. „Wir haben entschieden, dass das erforderlich ist. Einige Kinder kommen auch mit ihren Ängsten“, vermutet Anbring-Keiter, dass die ‘Corona-Schule’ von den jungen Schülern einiges abverlangen wird. Der Unterricht startet erst am Freitag mit vier Stunden.

Weitere Öffnung wird eine Herausforderung

Sollten in der Woche darauf dann bereits alle rund 330 Schüler (301 an der Goetheschule) für jeweils einen Tag kommen, wird die Wiedereingliederung zu einer Herausforderung. „Wir müssten das Raumkonzept überdenken. Das ist eher eine Kleinigkeit, aber schon da hängt viel dran“, sagt Anbring-Keiter. Auf Laufwege oder das richtige Mobiliar für die verschiedenen Altersstufen sei zu achten. Darüber hinaus stehen nicht alle Lehrer für die anwesenden Schüler zur Verfügung, da weiterhin auch Notgruppen zu betreuen sind oder das Homeschooling weiterläuft. Außerdem könne man mit einem Erstklässler nicht genauso umgehen wie mit einem Viertklässler.

„Das ist alles sehr zeitintensiv“, sagt Berg, die zu bedenken gibt, dass im Grunde jeder Jahrgang ein eigenes Konzept benötige. „Wir müssen viel Fantasie und Kreativität entwickeln, aber wir geben alles“, versichert die Hellwegschul-Rektorin. Sie kann zum Start auf alle Lehrkräfte zurückgreifen. „Das ist ein Glück.“ Berg und Schott müssen auf sechs Personen aus ihrem Kollegium verzichten, da diese zur Risikogruppe gehören.

Große Vorfreude

Über allem steht aber die Freude auf das Wiedersehen. „Wir waren in ständigen Kontakt mit den Eltern, und da haben auch einige Kinder geschrieben, dass sie sich freuen, wiederzukommen“, sagt Berg. Das beruht auf Gegenseitigkeit: „Wir möchten loslegen.“ Anbring-Keiter betont die enge Beziehung zwischen Klassenlehrern und Kinder, gerade bei den Viertklässler, denen die letzten Monate vor dem Wechsel genommen. „Wir wollen ihnen den Schulabschluss so schön wie möglich machen.“

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