Bönener Gemüsebauer setzt auf Gewächshäuser

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In seinem Hofladen an der Schulstraße verkauft Thorsten Grobe neben den eigenen Erzeugnissen auch Gemüse von Großhändlern und anderen Landwirten der Region.

Bönen – Im letzten Teil unserer kleinen Hofladen-Serie stellen wir den Laden von Gemüsebauer Thorsten Grobe. Bei ihm gibt es frisches Gemüse aus Gewächshäusern. 

Paprika und Tomaten sind typische Südfrüchte. Also eigentlich hitzeresistent, sollte man meinen. Das dem keineswegs so ist, zeigt Thorsten Grobe. „Diese hier hat Sonnenbrand“, deutet der Nordbögger Gemüsebauer auf die rotbraune Verfärbung einer normal grünen Schote. „Gut haben die Auberginen die Hitze vertragen“, zeigt er auf die Pflanzreihe neben den unterschiedlichen Paprika. Die Eierfrucht findet den Weg aus dem Gewächshaus in den Hofladen an der Schulstraße 72.

Dort vermarktet die Familie Grobe ihre Produkte direkt. „Wenn ich bei diesen Temperaturen den frischen Salat mit zum Markt nehmen würde, könnte ich den bis Mittag nicht verkauften und anschließend wegschmeißen“, erklärt Thorsten Grobe den Verzicht auf die Beschickung. 

„Ich bin aber auch nicht der Typ dafür, auf einem Wochenmarkt zu stehen. Hier kann ich die Zeit ohne Kundenkontakt besser nutzen.“ Im Laden stünden die Sachen geschützt. Außerdem muss Nachschub nicht herangefahren werden: „Wenn ich mal einen Kopf nachholen muss, geh ich einfach rüber ins Treibhaus.“ Er schneidet den eigenen Salat momentan täglich bis spätestens 8.30 Uhr. „Danach ist es zu heiß“, sagt Grobe. 

Gemüseanbau seit den 40er Jahren

„Wir verkaufen all unsere Erzeugnisse im Laden.“ Bei der Direktvermarktung hilft die Internetseite. Was wann reif ist, gibt der gelernte Gemüsebauer über das World Wide Web bekannt. Ansonsten setzt er auf regionale Produkte. Aus dem eigenen Treibhaus und zum Teil dem Großhandel Manss in Hamm. „Die haben wirklich gutes Gemüse“, weiß der Fachmann aus jahrelanger Erfahrung. Grobe erweitert das eigene Angebot, erkennbar an den grünen Preisschildern, im Sinne der Kunden. 

Das Einkaufsverhalten gibt vor, dass die Händler im Laden ein komplettes Menü zusammenstellen können. Der Zukauf erfolgt aber nicht nur beim Großhändler, sondern auch bei Erzeugern direkt. Kartoffeln stammen zum Beispiel aus Werl. „Wir verkaufen hier aber auch die Klaräpfel aus Nachbars Garten“, erzählt Grobe. Apropos Kaufverhalten: Angefangen hat Opa Otto in der 40er Jahren mit Kohl und dicken Bohnen, gewachsen im Freiland. Kohl ist nun nicht mehr gefragt, das Land wurde verpachtet. 

Die eigene Gemüsezucht in den Gewächshäusern bringt viel Arbeit mit sich. Das verdeutlicht auch diese Paprika mit Sonnenbrand.

Thorsten Grobes Vater Franz startete mit „normalen Tomaten“ in einem ersten Gewächshaus. Der Sohn betreut heute vier davon. Nahezu alleine, denn die Produktion ernährt nur einen Mann. Ehefrau Britta arbeitet als Angestellte. Der Gemüseanbau im Frühjahr und Sommer ist sehr arbeitsintensiv. Das Weißeln der Scheiben im Gewächshaus als Sonnenschutz muss mehrmals geschehen, das Bewässern sowieso. Augenblicklich geschieht das mit „teurem Leitungswasser“. Der eigene Brunnen ist nahezu trocken.

Ohne chemische Keule 

„Aber ich kalkulier ja nicht nach Großmarktpreisen“, sagt Grobe. Die Spezialität des Gemüsebauern sind heute unterschiedliche Tomaten, Gurken und Feldsalat. Die kauft Grobe als Jungpflanzen. Kohlrabi und Salat werden gesät. Der Nordbögger Gemüsebauer achtet auf den Geschmack und die Erzeugung ohne chemische Keule. „Bei mir stehen die Tomaten tatsächlich in der Erde.“ 

Mit Leimtafeln ermittelt er den jeweiligen Schädling und besorgt den entsprechenden Fressfeind. Die Bestäubung der Tomaten übernehmen Hummeln. „Aber die sorgen sich bei der Hitze zunächst um das Klima im Bau, verbringen die Zeit damit, die Temperatur durch Flügelschlag herunter zu kühlen.“ Dann werden die Tomaten nicht bestäubt. Deswegen tragen einige Pflanzen gleichzeitig Früchte und Blüten. Grobe weiß, dass die Hummeln nacharbeiten werden. 

Auch die Paprika bekommt im Herbst eine zweite Chance. Ebenso die Gurke, die erneut austreiben wird, da ist sich der Bauer sicher. Ruhiger wird es auf Hof Grobe im Winter. Dann wächst der Feldsalat. Der Bauer beschäftigt sich derweil mit Reparaturen. Und er gönnt sich im Januar sogar eine Woche Urlaub.

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