Bönener Gastronomie starten nach Corona-Pause nur langsam wieder

+
Burim Nezeri (rechts) freut sich, in seiner Pizzeria Due-Elle an der Bahnhofstraße endlich wieder Gäste bedienen zu können.

Bönen – „Die sieben fetten Jahre sind vorbei. Jetzt gibt es ein mageres Jahr“, spielt Ute Nüsken, Inhaberin des Gasthauses Dörnemann, auf eine Bibelgeschichte an. Und weil auch ihr Familienbetrieb in den vergangenen Jahren sparsam lebte, kann die aktuelle Situation zumindest ein paar Wochen überstanden werden. Doch bis Jahresende? Soweit mag Ute Nüsken nicht denken.

Rund 20 Gäste konnte sie am Samstagabend bewirten. „Ich will mich nicht beschweren. Ich bin froh, dass wir wieder etwas tun können.“ An die neue Situation müssten sich aber alle erst gewöhnen. Keine Familienfeiern, keine Gruppen, die bewirtet werden wollen. „Das fehlt. Damit machen wir unser Geschäft“, sagt Nüsken. Doch sie hofft, zumindest im kleinen Maßstab weitermachen zu können. „Wenn wieder alles zu wäre, das wäre eine Katastrophe“, sagt sie. 

Auch die Traditionsgaststätte in Nordbögge hat ihre Öffnungszeiten den Bedingungen angepasst. Neben dem Montag ist jetzt auch der Donnerstag Ruhetag. „Es gibt so viel zu desinfizieren und zu dokumentieren. Da starten wir lieber langsamer, bis sich alles eingespielt hat“, erklärt sie. Und um es sich einfacher zu machen, wurden aufgrund der Abstandsregeln die nicht benötigten Tische und Stühle in das derzeit ebenfalls nicht genutzte Gesellschaftszimmer geräumt. Die Angestellten befinden sich noch in Kurzarbeit, für die Aushilfen gibt es nichts zu tun. „Die kommen ja meist zu großen Feiern“, sagt die Chefin. 

Rund 40 Gäste könnte sie derzeit bewirten, mit 20 ist das Lokal gerade mal halb voll. „Wir sind aber in der glücklichen Lage, dass das hier unser Eigentum ist. Und es ist ja auch erst die erste Woche rum. Die Leute werden reden, den Nachbarn erzählen, wie es war. Und dann wird es auch wieder zunehmen“, ist Nüsken überzeugt.

In der Pizzeria Due-Elle an der Bahnhofstraße macht das Inhaber-Ehepaar alles selbst. „Das sind aber auch erst unsere zweiten Gäste“, deutet Burim Nezeri auf Barbara und Wolfgang Haarmann, die am Fenstertisch gleich neben der Tür Platz genommen haben. Ein ungutes Gefühl zu kommen hatten die beiden nicht. „Man muss ja auch einfach mal wieder raus“, sagt Barbara Haarmann. 

Reservierungen sind überschaubar

Die Pizzeria läuft derzeit vor allem über den Außerhausbetrieb. „Bei den drei bis vier Tischen, die wir jetzt haben, könnten wir es eigentlich sein lassen“, sagt Nezeri mit Blick auf den Restaurantbetrieb. Chöre und Gruppen, die sonst kamen, bleiben nun weg, Familienfeiern wurden abgesagt. Anzahlungen zurückverlangt. „Das ist hart“, sagt Nezeri, aber der Inhaber der Pizzeria will sich tapfer schlagen und kämpfen, bis es vorbei ist. „Wenn wir einfach schließen, vergessen die Leute, dass es uns gibt.“ Daher wird vor allem das Internet genutzt, um zu werben und zu tun, was eben gerade geht. Den Angestellten musste jedoch bereits gekündigt werden. 

Das Fischlokal an der Rhynerner Straße hat ebenfalls umdisponiert. Statt des Mittagstisches gibt es weiterhin den Backfischwagen vor der Tür, das Restaurant öffnet unter der Woche erst um 17 Uhr. „Dienstag, Mittwoch, Donnerstag hätten wir uns aber sparen können“, sagt Christiane Damm, die das Restaurant mit ihrem Mann Volker betreibt. Auch der Blick auf die Reservierungen für Sonntag zeigt, dass die eher überschaubar sind. „Meist zwei Personen. Die Vierer-, Sechser- und Achtertische fehlen“, sagt die Chefin. Doch die sonntäglichen Stammkunden sind meist älter – und die haben Angst. „Uns rufen viele Gäste verunsichert an und fragen, wie sie sich verhalten sollen und was sie beachten müssen. Doch die Älteren gehen einfach auf Abstand.“ 

Dass viele Tische am Samstagabend besetzt sind, stimmt zwar, doch der Schein trügt. Es gibt knapp 40 Plätze weniger als vorher, pro Raum gibt es nur noch zwei bis drei Tische. Dennoch sind die Damms zufrieden, dass sie wieder öffnen dürfen, auch wenn sie zwischenzeitlich viel aus dem Kühlhaus entsorgen mussten. „Das hat richtig weh getan, aber bei Fisch geht es leider nicht anders“, sagt Volker Damm. Am Samstag konnten die Damms jedoch gleich neue Kunden gewinnen: „Wir kommen wieder“, versprach Wiebke Kruppok aus Kamen, die zum ersten Mal wieder aus gewesen war und den Abend richtig genossen hat.

Lesen Sie dazu auch: Zu Tisch bitte – aber mit Abstand: Bönener Gastronomen gut vorbereitet, doch nicht jedes Restaurant offen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare