Coronavirus in Bönen

Wiedereröffnung der Friseure: Wie ein neuer Mensch

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Ute Sroka ist froh, wieder Schere und Rasierer in der Hand zu haben.

Bönen – Das Telefon klingelt, und es klingelt an diesem Tag häufig. Doch rangehen dürfen Brigitte Kuckhoff und ihre Mitarbeiter vom „Haarstudio Kuckhoff“ an der Kreuzung Bahnhofstraße, Lenningser Straße nicht. Zumindest dann nicht, wenn sie gerade gerade einem Kunden die Haare waschen, schneiden oder färben. „Wir rufen dann später zurück“, erklärt Kuckhoff.

Das ist nur eine der vielen Vorgaben, an die sich die Friseure halten müssen, seit sie am gestrigen Montag ihre Geschäfte nach dem Corona-Lockdown wieder öffnen durften.

Alles ein wenig umständlich

Umständlich seien einige Dinge, die die Salons im Zuge der Vorsichtsmaßnahmen beachten müssen, damit sich das Virus nicht ausbreitet. Doch bei allen – Kunden wie Friseuren – überwiegt die Freude, dass die Läden wieder geöffnet haben. Als „gut“, mit einem langen U, beschreibt Ute Sroka ihr Gefühl, als sie den Schlüssel der Tür zu „Utes Friseurteam“ an der Bahnhofstraße am Morgen nach sechs Wochen Corona-Zwangspause umdreht. Die Zeit hat sie zum Renovieren genutzt. „Erst roch es noch ein bisschen nach Farbe, aber jetzt ist der Friseurgeruch wieder da“, sagt Sroka. Sie und ihre Mitarbeiterin haben am Vormittag schon fleißig mit Haarspray und Farbe gearbeitet.

„Die Kunden freuen sich“, sagt Brigitte Kuckhoff. Seit gestern haben die Friseure wieder geöffnet

Zusätzlich Öffnungszeiten

Ihren Laden hat die Inhaberin nicht nur extra am Montag aufgesperrt, sondern auch bereits um 8 Uhr und damit eine halbe Stunde eher. So könne sie mehr Kunden bedienen. Auch das Haarstudio öffnet am heiligen Montag: „Wir hatten ja reichlich Pause“, sagt Mitarbeiter Bedir Acar. Er war wie seine Kollegen in Kurzarbeit. „Wir haben den Lohn aber aufgestockt“, sagt Kuckhoff, die in Hemmerde einen weiteren Laden betreibt und vier Mitarbeiter zählt. Sroka kam um Kurzarbeit herum. Die 9000 Euro Soforthilfe von der Regierung haben den Friseuren geholfen. „Unsere Vermieter waren cool und haben uns eine Miete erlassen“, ist sie über die Geste der Solidarität dankbar.

Viele Termine, viele Vorschriften

Die Sehnsucht nach einem Friseurbesuch ist groß. Sowohl bei „Utes Friseurteam“ als auch im „Haarstudio Kuckhoff“ sind die Termine in den kommenden Wochen vergeben – und dennoch klingelt immer wieder das Telefon.

Lukas Kunze hat deshalb nicht lange gezögert, als ihm der Termin am Montagvormittag im Haarstudio angeboten wurde. Auf drei Millimeter sollen die deutlich gewachsenen Haare an den Seiten wieder gestutzt werden. Vorher wäscht ihm Acar aber den Kopf. Was für Kunze ungewohnt, aber angenehm ist, ist ab jetzt für jeden Kunden Pflicht.

Wieder eine dieser Vorschriften. Außerdem darf jeder Friseur nur einen Kunden gleichzeitig behandeln, alles im Gesicht ist tabu. Der Sicherheitsabstand muss eingehalten werden. Nach jedem Kunden müssen Scheren und Kämme desinfiziert werden. Zudem müssen Einwegumhänge und -Handtücher genutzt werden. „Für die Umwelt ist das nicht schön“, sagt Kuckhoff, aber so soll eine potenzielle Ansteckung verhindert werden. Auf Zwischenwände zwischen den Stühlen wartet sie noch. „Wir müssen leider einen Corona-Aufschlag nehmen“, sagt Sroka über die zusätzlichen Kosten.

Friseure am Tag 1 nach der Öffnung

Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung
Friseure am Tag 1 nach der Öffnung

Friseure spüren mehr Wertschätzung

„Die Kunden zeigen jedoch Verständnis“, sagt Acar über seine vielen Gespräche, seit das Haarstudio mit der Terminvergabe gestartet ist. „Und ich glaube, die Leute wissen unseren Einsatz jetzt mehr Wert zu schätzen“, möchte er der Pause etwas Positives abgewinnen. „Gott sei Dank, dass sie wieder da sind“, hat Sroka nicht nur einmal gehört. „Die Kunden haben uns auch gefehlt, und die sozialen Kontakte“, sagt sie. Die Kommunikation kommt trotz der Masken gut in Gang. Die Stimmung in den Läden ist gut.

Einen Wartebereich gibt es ebenso wenig wie einen Kaffee oder eine Zeitschrift beim Warten unter der Trockenhaube. Dort sitzt bei „Utes Friseurteam“ gerade Christa Schwartejäger und ist glücklich. „Wie neu“, fühlt sich die Kurzfrisurträgerin, deren Haare bereits auf dem Boden liegen. „Man mag sich selber nicht mehr leiden“, sagt Anngret Klammt im Stuhl nebenan und freut sich, als Sroka die Schere und den Rasieret in die Hand nimmt. „Wunderbar“, findet Klammt den ersten Frisurbesuch nach so langer Pause.

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