Bönener Unternehmen setzt auf safedi-Technik

Clip am Kragen hält Schmitz-Belegschaft automatisch auf korrekten Corona-Abstand

Im Büroalltag wird der Corona-Abstand bisweilen schwierig. In Situationen wie diesen gilt: Maske tragen. Bei Schmitz und Söhne mahnt ein Clip am Revers dazu.
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Im Büroalltag wird der Corona-Abstand bisweilen schwierig. In Situationen wie diesen gilt: Maske tragen. Bei Schmitz und Söhne mahnt ein Clip am Revers dazu. (Symbolbild)

Die Köpfe zusammenstecken, um für die Firma etwas auszutüfteln? Corona-Alarm! Bei Schmitz und Söhne hält pfiffige Technik die Mitarbeiter auf Abstand.

Bönen – Die Mitarbeiter schützen und zugleich die Produktion aufrecht erhalten: Das sind die Hauptziele, die Unternehmen derzeit verfolgen und miteinander in Einklang bringen müssen. Die Firma Schmitz und Söhne, die an ihren beiden Standorten in Bönen und Wickede Medizintechnik herstellt, hat dazu eine gute Lösung gefunden.

Wenn die Mitarbeiter des Unternehmens ihren Dienst antreten, schnappen sie sich als erstes ihren persönlichen, münzgroßen, nur wenige Gramm leichten Clip vom „Hub“, der Lade- und Synchronisierungsstation. Der Clip wird an der Kleidung befestigt, am Kragen oder Revers – Hauptsache dicht am Gesicht. Dort ist die Gefahr am größten: Die Corona-Viren gelangen über Mund-, Nasen- oder Augenschleimhaut in den Körper.

Cleverer Knopf am Revers schlägt Alarm

Kommen die Angestellten dann einem oder mehreren Kollegen zu nahe, fängt der Knopf an zu piepsen und erinnert die Träger daran, rasch wieder auf Mindestabstand von 1,50 Meter zu gehen. Dass man sich beim gemeinsamen Arbeiten oder im Gespräch näher kommt, liegt in der Natur der Menschen, und die wenigsten konnten sich dies in den vergangenen Pandemie-Monaten gänzlich abtrainieren. Es passiert automatisch.

„Wenn der Abstand mal nicht möglich ist, etwa weil zwei Mitarbeiter sich gemeinsam auf einem Bildschirm etwas ansehen, dann müssen sie Masken tragen“, berichtet Geschäftsführer Matthias Schmitz. In seinem Betrieb gilt schon länger eine Maskenpflicht. Lediglich am eigenen Arbeitsplatz darf der Mund-Nasen-Schutz abgesetzt werden. Es sei denn, der Clip gibt ein Signal, weil sich ein Kollege in unmittelbarer Nähe befindet.

Anonymes System wahrt Datenschutz

Der Chip misst allerdings nicht nur den Abstand zum Gegenüber und sendet das Warnsignal, sondern speichert via Bluetooth, einer Datenübertragung per Funktechnik, die ID-Nummern aller anderen Chips, die sich in seinem direkten Umfeld befinden. Diese Daten – ausschließlich die ID-Nummern und keinerlei persönliche Informationen wie Namen oder Abteilung – werden auf eine Cloud, einen Speicherplatz im Internet, übertragen. Dort werden sie 14 Tage lang vorgehalten. Somit können Infektionsketten bei Bedarf flugs nachvollzogen werden. „Der Datenschutz wird dabei eingehalten. Das Ganze funktioniert nämlich nicht wie ein GPS und speichert weder den Ort noch die Uhrzeit der Kontakte“, erklärt Matthias Schmitz. In dem elektronischen, anonymen „Kontakttagebuch“ wird lediglich der Tag der Begegnung erfasst.

Sollte sich dann später bei einem Mitarbeiter herausstellen, dass dieser sich mit dem Corona-Virus angesteckt hat, können die Daten fix abgerufen werden. „Innerhalb von 15 Minuten wissen wir, wer engeren Kontakt hatte.“ Diese Mitarbeiter würden umgehend informiert und nach Hause, beziehungsweise zum Arzt geschickt, damit sie sich testen lassen können. Ansonsten werden die Daten automatisch nach zwei Wochen gelöscht.

Schnelle und gezielte Reaktion möglich

„Das System hat uns schon sehr geholfen. Wir konnten es einige Male gut einsetzen“, berichtet Matthias Schmitz. Statt ganze Abteilungen oder gar die komplette Belegschaft in die Quarantäne schicken zu müssen, sind es bei einer Infektion nur einzelne, wenige Mitarbeiter – diejenigen, die engen Kontakt zu dem Infizierten hatten. „Wir konnten auf diese Weise außerdem nachweisen, dass es bisher keine Übertragungen in unserem Unternehmen gegeben hat“, so Matthias Schmitz. Den Mitarbeitern bietet diese Lösung zudem mehr Sicherheit, sie brauchen dafür weder ihr eigenes Smartphone noch eine besondere App. Machen sie Feierabend und verlassen den Betrieb, stecken sie den Clip wieder in den „Hub“, wo er für den nächsten Tag aufgeladen wird.

Seminar der WFG

Mehr erfahren interessierte Unternehmensvertreter am Dienstag, 26. Januar, in einer Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Kreis Unna: Ab 10 Uhr im digitalen Erfahrungsaustausch „Kontaktnachverfolgung im Unternehmen“. Ein Mitarbeiter der Firma Schmitz und Söhne wird berichten. Anmeldung zur Zoom-Konferenz (kostenlos) per E-Mail an Veranstaltung@wfg-kreis-unna.de.

Erfinder der Abstandswarner, die bei Schmitz und Söhne eingesetzt werden, ist die Safedi Distance Control GmbH aus Österreich. Die geht aus einem Unternehmen hervor, das normalerweise Automatisierungsbaukästen produziert. In der Krise machte der Geschäftsführer der Industrie- und Technologiegruppe Heron Innovations Factory, Christian Beer, aus der Not eine Tugend: Zunächst um seinen eigenen Betrieb sicher durch die Pandemie zu bringen, entwickelte er den „Safedi“. Inzwischen gibt es ähnliche Produkte von anderen auf dem Markt.

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