„Mit einer Grippe kaum vergleichbar“

Familie kämpft gegen Corona - und schildert eindrücklich den Krankheitsverlauf

Daniel und Cindy Kuncz aus Bönen sind beide an Corona erkrankt
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Daniel und Cindy Kuncz haben ihre Corona-Infektion fast überstanden. Unter einigen Folgen der Krankheit leiden sie aber noch.

Noch vor ein paar Wochen hatten Cindy und Daniel Kuncz das Coronavirus auf die leichte Schulter genommen. Jetzt sieht die 31-jährige Mutter aus Bönen die Pandemie aber mit anderen Augen.

Bönen – „Das ist wie ein Schnupfen, den hat man halt mal“, dachte Cindy Kuncz. Dass sich so viele Menschen vor einer Ansteckung fürchteten, fand sie übertrieben. Aber jetzt denkt die Mutter aus Bönen anders. Sie und ihr Mann sind an Covid-19 erkrankt, zwei ihrer drei Kinder mit dem Coronavirus infiziert. Eindrucksvoll schildern sie ihren Krankheitsverlauf. (News zum Coronavirus im Kreis Unna)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Als ob eine Dampfwalze über die Brust gefahren wäre oder Backsteine drauf liegen: So beschreibt Daniel Kuncz aus Bönen den enormen Druck, den er während der akuten Phase der Krankheit verspürt hat. Dazu kamen weitere Symptome wie starke Gliederschmerzen, Fieber und Kurzatmigkeit. Zwischendurch konnte er nicht schmecken, nicht riechen. Mal war ihm bitterkalt, dann fühlte er sich glühend heiß.

Familie aus Bönen kämpft gegen Corona-Infektionen: Mit einer Grippe kaum vergleichbar

Seine Frau litt unter den gleichen Krankheitszeichen. „Allerdings nicht immer gleichzeitig. Während ich mit zehn Decken auf dem Sofa gelegen und trotzdem total gefroren habe, hätte mein Mann am liebsten die Fenster aufgerissen, weil ihm so heiß war. Im nächsten Moment war es andersherum“, schildert Cindy Kuncz aus Bönen nach der Corona-Infektion.

Für sie ist der heftige, schmerzhafte Husten, unter dem sie weiterhin leidet, das Schlimmste. Alle Medikamente, die sie ausprobiert hat, wirken nicht dagegen. Beiden fühlen sich nach wie vor extrem schlapp, die einfachsten Tätigkeiten erschöpfen sie. „Wenn ich die Treppe hochgegangen bin, muss ich mich erstmal hinsetzen“, erzählt die 31-Jährige. Mal eben etwas aufräumen: eine Herkulesaufgabe für das Paar – und ohne Pausen überhaupt nicht machbar. „Das ist schon ein deutlicher Unterschied zu einer ‘normalen’ Grippe“, weiß die Bönenerin jetzt.

Familie aus Bönen erkrankt an Corona: Der „milde“ Verlauf setzt den Betroffenen schon ordentlich zu

Im Augenblick kann sie sich kaum vorstellen, wieder richtig fit und leistungsfähig – „ganz die Alte“ – zu sein. Welche Spuren das Coronavirus in ihrem Körper hinterlassen wird, wie lange sie unter den Folgen der Krankheit leiden wird, ist ungewiss. Dabei war die dreifache Mutter bislang kerngesund, Vorerkrankungen hat sie keine. Der Krankheitsverlauf bei ihr und ihrem Mann gilt medizinisch als „mild“. „Aber uns ging es schon echt schlecht. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, wie gefährlich die Krankheit erst für ältere Menschen oder Vorerkrankte werden kann“, sagt sie.

Mit Corona angesteckt hatte sich zuerst Daniel Kuncz, Anfang November bei einem Freund. Mit dem hat er sich zum Fußballgucken getroffen. Einige Tage später rief dieser ihn dann an, berichtete von seinem positiven Testergebnis. Kuncz war eine seiner Kontaktpersonen. „Vielleicht haben wir Glück“, hoffte das Paar zunächst. Doch Daniel Kuncz spürte an diesem Tag bereits die ersten Anzeichen der Krankheit.

Am nächsten Tag ging es dem 45-Jährigen aus Bönen dann richtig schlecht. Er konnte nur noch flach liegen, fror entsetzlich, hatte Gliederschmerzen und fühlte sich fiebrig. Seine Frau ging vorsichtshalber auf Abstand, behielt die Kinder zu Hause. „Die Schulleitung wollte, dass wir die Kinder trotzdem schicken. Schließlich hätten sie ja Schulpflicht“, berichtet die Mutter. Das war ihr zu heikel. Stattdessen brachte sie ihren Mann zum Hausarzt, der den Abstrich vornahm. Das positive Ergebnis bekam Daniel Kuncz rund 24 Stunden später über die Corona-Warn-App, später zusätzlich telefonisch vom Labor aus Dortmund.

Familie aus Bönen kämpft gegen Corona: Kinder werden erst eine Woche später getestet

Inzwischen fühlte sich aber Cindy Kuncz ebenfalls krank. „Es war eins zu eins wie bei meinem Mann: Erst habe ich total gefroren, dann war mir fürchterlich heiß.“ Gerne hätte sie sich sofort testen lassen, doch mittlerweile war Wochenende. „Montagmorgen habe ich dann sofort beim Hausarzt angerufen. Dort haben sie mir aber gesagt, dass ich mich nicht testen lassen müsste und einfach zu Hause bleiben soll.“ Da die Bönenerin beim Gesundheitsamt jedoch als Kontaktperson ersten Grades bei ihrem erkrankten Mann galt, ordnete die Behörde gleichwohl einen Test an.

Von der jüngsten Tochter wurde in Unna an dem Dienstag gleichfalls ein Abstrich genommen. Die beiden älteren Kinder wollten die Mitarbeiter jedoch nicht testen. Erst eine Woche später kam für sie die Aufforderung zum Abstrich. „Es wurde uns gesagt, dass sich eine Bestimmung geändert hätte und die Kinder nun doch getestet werden müssen“, schildert Cindy Kuncz. Das war gut so, denn sowohl ihr Sohn als auch ihre Tochter hatten am Ende ein positives Testergebnis.

Symptome zeigen die Neun- und der Siebenjährige bis jetzt zum Glück nicht. Ihnen setzt mehr die Quarantäne und die damit verbundene Langeweile zu. Die Freunde fehlen. „Sie müssen natürlich Hausaufgaben machen, und wir spielen ganz viele Gesellschaftsspiele. Eine Freundin hat uns zehn Spiele vor die Tür gelegt. Den ganzen Tag lang geht das aber nicht“, so die Mutter aus Bönen.

Familie aus Bönen kämpft gegen Corona-Infektionen: Isolation fällt allen schwer

Zumindest können die Kinder in den Garten der Familie gehen, wenn ihnen die vier Wände zu eng werden. „Da haben sie wenigstens ein Trampolin. Bei dem Wetter macht das aber nicht immer Spaß“, stellt Cindy Kuntz fest. Ihr und ihrem Mann fällt selbst hin und wieder die Decke auf den Kopf, seit es ihnen körperlich wieder besser geht. Gerade abends sei die Versuchung groß, mit dem Hund eine Runde um den Block zu gehen, endlich mal wieder frisch Luft zu schnappen und etwas anderes zu sehen. „Aber das können wir nicht machen“, bleibt die Bönenerin tapfer. Sie möchte für andere keinesfalls ein Risiko sein.

„Da wir alle an verschiedenen Tagen getestet wurden, haben wir unterschiedliche Quarantänezeiten. Das macht es schwierig“, beschreibt die 31-Jährige ihre aktuelle Situation. Insgesamt muss die Familie fast vier Wochen im Haus bleiben. Erst am 30. November dürfen alle wieder raus. Bis dahin gilt die Quarantäne für die jüngste Tochter der Familie. Dabei wurde die Kleine negativ getestet. „Das verstehe ich gar nicht. Zu ihr haben wir ja logischerweise den engsten Kontakt. Die Großen verstehen schon, dass sie Abstand halten müssen. Sie waren viel in ihren Zimmer, als es uns schlecht ging. Aber zu meiner dreijährigen Tochter kann ich nicht sagen: Geh weg, Mama ist krank!“

Die Mutter aus Bönen kann sich das Testergebnis nur so erklären, dass die Dreijährige möglicherweise bereits eine Corona-Infektion durchgemacht hat. „Sie war vor einiger Zeit krank, erkältet. Aber da haben wir uns nichts weiter bei gedacht. Das kommt bei Kindern nun mal vor. Vom Zeitraum her könnte es aber passen“, überlegt Cindy Kuncz.

Familie aus Bönen kämpft gegen Corona-Infektionen: Nachbarn und Familie helfen

Sie sei jetzt deutlich vorsichtiger geworden, was den Umgang mit Corona betrifft. Und das beobachtet sie ebenso in ihrem Familien- und Bekanntenkreis. „So lange du hustest, kommen wir nicht“, hat sie etwa von engen Freunden gehört. Das kann sie gut verstehen. Eine Ansteckung wünscht sie niemanden.

Allein fühlen sich die Kuncz trotz der Isolation nicht. „Wir haben ganz tolle Nachbarn, die zweimal pro Tag mit dem Hund gehen oder uns etwas zu Essen vor die Tür stellen“, ist Cindy Kuncz dankbar für die Hilfe. Ihr Schwiegervater kaufe für sie ein, bringe selbstgebackenen Kuchen vorbei.

Ganze Familie wochenlang wegen Corona in Quarantäne: Kita verlangt Nachtest

Wer dagegen bisher nicht geklingelt hat, ist das Bönener Ordnungsamt. Zwar hat die Familie von der Gemeinde die Quarantäne-Anordnung zugestellt bekommen, ob sich die Fünf daran halten, wurde aber bislang nicht überprüft – nicht einmal telefonisch. Dafür habe sich das Gesundheitsamt des Kreises toll um alles gekümmert, wie Cindy Kuncz sagt. Alle Formulare und Hinweise kamen per Mail, bei Fragen gab es Ansprechpartner.

Aus Unna soll es in ein paar Tagen auch die Aufhebung der Quarantäne geben. Erst wenn ihr Mann 48 Stunden symptomfrei ist, darf er wieder arbeiten. Erneut getestet wird der 45-Jährige nicht. „Wenn der Arbeitgeber einen Test verlangt, muss er den bezahlen“, so Cindy Kuncz. Die Kita ihrer Tochter wünscht sich eigentlich einen Nachtest. Doch den müssten die Eltern bezahlen – rund 150 Euro, die deutliche Lücken im Familien-Budget hinterlassen würden, denn die Corona-Pandemie hat die Kunczes zusätzlich auf andere Weise getroffen: Daniel Kuncz hatte monatelang Kurzarbeit, Cindy Kuncz konnte nicht arbeiten, da aufgrund des Lockdowns Kitas und Schulen wochenlang geschlossen waren. „Jetzt können wir nur hoffen, dass im kommenden Jahr alles wieder besser wird.“ Das Wichtigste sei natürlich die Gesundheit.

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