Corona-Projekt kostete viel Schweiß

Bönener Ehepaar holt sich Mallorca in den eigenen Garten

Diana und Michael Hartmann vor Palme im Garten
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Mit der ersten Palme fing alles an: Diana und Michael Hartmann haben aus ihrem Garten inzwischen eine mediterrane Oase gemacht.

Seit Ausbruch der Pandemie konnten Diana und Michael Hartmann nicht mehr auf ihre Lieblingsinsel Mallorca fliegen. Was tun, wenn die Sehnsucht immer größer wird? Die beiden Bönener entschieden sich, einfach die spanische Insel in ihren Garten zu holen.

Bönen – Erschöpft, aber zufrieden einen Gipfel erklimmen. Mal wieder Wellen rauschen hören und warmen Sand unter den Füßen spüren: Je länger die Pandemie mit den ganzen Einschränkungen dauert, desto größer wird bei vielen die Sehnsucht. Bei Diana und Michael Hartmann ist es schon eher Heimweh, das sie plagt. Schließlich verbringen sie normalerweise viel Zeit auf „ihrer“ Insel. Zum Glück hat das Paar ein Mittel gegen allzu starkes Fernweh gefunden: ihren Garten. Seit rund einem Jahr leben die Bönener ihre Liebe für die Balearenschönheit Mallorca auf dem eigenen Grundstück aus.

Mediterranes Flair

Gleich mehrere „Corona-Projekte“ hat Michael Hartmann sich im vergangenen Jahr vorgenommen. So entstand an der Gartenstraße etwa die „Ibiza-Ecke“ als kleiner Ausflug zur Nachbarinsel mit Hippie-Flair, bunten Holzbrettern, farbigen Pflastersteinen und einer weinberankten Pergola.

Die Sitzecke mit Steinmauer strahlt viel mediterranes Flair aus.

Davor umrahmt jetzt die „Ruinenmauer“, wie der Bönener sie nach der Bauanleitung aus dem Internet nennt, eine neue Grillecke. Dafür hat Hartmann Ziegelsteine zusammengetragen und vermauert, alte Holzfenster eingesetzt. Für die Materialbeschaffung ist hingegen Diana Hartmann zuständig. Sie recherchiert im Internet, sucht auf Flohmärkten, in Baumärkten und Geschäften und fragt Freunde und Bekannte. Auf dem Boden der Grillecke liegen etwa riesige Sandsteinplatten. Die haben die Hartmanns von einem Bauernhof abgeholt. Sie zeigen ordentliche Gebrauchtspuren, und das ist gewollt. „Wir bauen mediterran“, sagt Michael Hartmann und lacht. „Das heißt, es muss nicht alles im Lot sein.“

Durch Kurzarbeit viel Zeit zum Bauen

Trotzdem sieht das Ergebnis nach viel Arbeit und unzähligen, schweißfördernden Stunden aus. In der Tat verbringt der 60-Jährige jede freie Minute im Garten, wie er erzählt. Und davon gab es im vergangenen Jahr einige. „Coronabedingt hatten wir Kurzarbeit im Betrieb und durften deshalb auch keine Überstunden machen“, erzählt der Teamleiter eines Logistikunternehmens. In der zusätzlichen Freizeit konnte er sich kreativ austoben und gleichzeitig Stück für Stück Mallorca nach Bönen bringen.

Die Wandlung vom deutschen Doppelhausgarten zur mediterranen Oase hat dabei schon vor rund fünf Jahren angefangen. Zum 55. Geburtstag schenkten Freunde dem erklärten Mallorca-Fan eine Palme. Die sollte aber nicht einfach so in die Ruhrpott-Erde, sondern eine entsprechende Kulisse bekommen. Michael Hartmann machte sich erst Gedanken, dann Pläne und setzte die Ideen schließlich mithilfe der Gattin in die Tat um.

Beim ersten Projekt ging er etwas unbedarft ans Werk, wie er mit einem Schmunzeln berichtet. Für die Bruchsteinmauer hat er zunächst ein grundsolides Fundament hergestellt. „Das ist knapp ein Meter tief und frostsicher.“ Klar, dass das ein bisschen übertrieben ist, „aber man weiß ja nie.“ Zumindest hat das Bauwerk, das eine heimelige Sitzecke mit Kräuterbeet begrenzt, bis heute jeder Witterung getrotzt.

Liegen unter Palmen

Das kann man von einigen Palmen, Olivenbäumen und anderen exotischen Pflanzen leider nicht sagen. Die stehen normalerweise liebevoll in Töpfen arrangiert auf dem Grundstück verteilt. Nun warten die Opfer des heftigen Wintereinbruches im Februar auf ihre Fahrt zum Wertstoffhof. „Die müssen wir noch ersetzen, aber das machen wir erst nach den Eisheiligen“, kündigt Diana Hartmann an. Dann soll es wieder bunt in ihrem zweiten „Wohnzimmer“ werden. Die Beiden streifen nämlich zu gerne durch Gartencenter und lassen sich inspirieren. Hier ein paar neue Pflanzen, da ein bisschen Deko oder ein gemütliches Sitzmöbel: Davon gibt es auf den 600 Quadratmetern reichlich. Kurze, aus Kies, Holz und Steinen angelegte Wege führen zu den verschiedenen Sitzecken und Liegebereichen. Die laden zum Entspannen und Wohlfühlen ein – ganz wie im Urlaub.

Für die Enkel gibt es dazu noch einen „Strand“ mit Sand und Boot zum Spielen im Garten der Hartmanns. Der ist zwar schmal, aber ziemlich lang und bietet im „Notfall“ vielen Gästen Platz. „Wir haben hier schon mit 200 Leuten gefeiert“, informiert Michael Hartman. Er hofft, in diesem Jahr seinen runden Geburtstag im Hochsommer mit ähnlicher Gästezahl nachholen zu können. Dann soll es natürlich das Beste von der Insel geben – kulinarisch und musikalisch.

Das Bönener Paar macht jetzt einfach Urlaub im eigenen Garten.

Sonne, Meer und Strand, dazu eine vielfältige Landschaft, offene, fröhliche Menschen und leckeres Essen: Verliebt in Mallorca hat Michael Hartmann sich schon in den 1980er Jahren als junger Mann. Danach gab es jedoch für ihn erst mal andere Urlaubs- und Lebensziele. 2004 flog er schließlich mit seiner frischangetrauten Ehefrau Diana erneut nach Mallorca. „Wir waren 14 Tage dort, haben uns ein Auto gemietet und sehr viel angesehen“, erinnert sich die 47-Jährige. Sie ließ sich dabei schnell verzaubern.

Schützenverein war schuld am Inselfieber

So richtig los ging es mit dem Inselfieber aber erst vier Jahre später. „Ausschlaggebend war der Schützenverein“, so Michael Hartmann. Seine Vorstandskollegen bei den Bürgerschützen Bönen, Wester- und Osterbönen wussten um seine Leidenschaft für Musik, insbesondere für Schlager und Co., und natürlich um sein Lieblingsreiseziel. „Also sollte ich mich um einen Sänger oder eine Band fürs Schützenfest kümmern.“ Auf der Bühne im Zelt sollten aber nicht irgendwelche Kapellen stehen, sondern möglichst richtige „Zugpferde“, die ein großes Publikum anlocken und für Stimmung sorgen: „Ballermann-Stars“.

„Bis dahin haben wir den Ballermann außen vor gelassen“, schildert Diana Hartmann. „Lass uns doch mal zum Opening dorthin gehen“, schlug nun aber ihr Mann vor. Die Zwei nahmen sich ein Hotel direkt an der Playa de Palma und stürzten sich ins Getümmel. Und das war viel besser, als sie es sich vorgestellt hatten.

Offen, unkompliziert und sympathisch wie die Beiden sind, dauerte es nicht lange, bis sie Anschluss fanden. „Wir haben so viele tolle Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen“, schwärmt die Bönenerin. „Wenn wir jetzt hinfliegen, dann nicht nur wegen der Insel, sondern vor allem wegen der Menschen“, stellt auch ihr Mann fest.

Mit etlichen Urlaubsbekanntschaften trifft sich das Paar inzwischen auch in Deutschland oder in der Schweiz, wo ein befreundetes Paar lebt. Der Plan der Schützen ging gleichfalls auf: Die Hartmanns kennen inzwischen etliche „Ballermann-Stars“ wie Olli Ole, die Mallorca-Cowboys oder den Killermichel persönlich und holten sie zu den Festen des Vereins in die Gemeinde.

Zum Wochenende nach Malle

Ausschließlich Party steht bei den Beiden trotzdem nicht auf dem Programm. Mit dem Auto fahren sie gerne über die Insel, erkunden neue Ecken oder besuchen Lieblingsorte. Oft werden sie schon von anderen Urlaubern als Reiseführer „gebucht“, damit sie ihnen die schönsten Ecken der Insel zeigen. „Die Playa de Palma ist dafür ein idealer Ausgangspunkt“, sagt Diana Hartmann. Sie schätzt die Nähe zur Hauptstadt und zum Flughafen, insbesondere wenn sie sich mal wieder spontan freitags nach der Arbeit in den Flieger setzen und sonntags oder gar erst montags zurückkehren. „Wenn andere für’s Wochenende nach München fahren, fliegen wir eben nach Mallorca“, erklärt Michael Hartmann.

„Nur noch Malle“ heißt es bei den Hartmanns jedoch nicht. „Wir waren auch schon anderswo, in Dubai, in Ägypten, in Italien. Aber irgendwie zieht es uns immer wieder nach Spanien, vor allem nach Mallorca.“ Der Spitzenwert in einem Jahr lag mal bei elf Mallorca-Trips, Wochenendausflüge und echte Urlaubswochen. Kurz vor der Pandemie im Februar 2020 schaffte der Bönener es noch, mit 21 Kollegen seine Trauminsel zu besuchen. „Einige davon sind zum allerersten Mal geflogen, ein paar waren sogar vorher noch nie am Meer“, denkt er gerne an diese Reise zurück.

„Wir müssen nicht unbedingt im Hochsommer fliegen, wenn es dort rappelvoll ist“, sagt Michael Hartmann. „Dann ist es ja auch bei uns im Garten schön.“ Ansonsten liebt das Paar jede Jahreszeit auf der Baleareninsel. Ein paar Mal haben die Zwei dort sogar den Jahreswechsel gefeiert – am liebsten in ihrer Stammwirtschaft, dem Deutschen Eck.

Spanische Küche in der Casa Hartmann

Ein Solches gibt es selbstverständlich nun auch an der Gartenstraße: Die Gartenhütte wird gerade dazu umgebaut, und die typischen Spirituosen aus der Kult-Kneipe haben die Hartmanns stets im Vorrat. Haselnuss- und Karamelllikör genießen sie am liebsten mit Freunden in der „Casa Hartmann“, der überdachten Terrasse mit den gemütlichen Korbmöbeln. Das, was auf der Speisekarte an der Calle Miguel Pelliza steht, bringt inzwischen auch Diana Hartmann locker auf den Teller. „Wir machen häufiger Tapas-Abende oder kochen mallorquinisch“, erzählt sie. Ihre private Bibliothek umfasst mittlerweile nicht nur etliche Reiseführer über die Insel, sondern des Weiteren diverse Kochbücher. Sie wünscht sich jetzt noch eine Außenküche, in der sie die spanischen Lieblingsrezepte zubereiten kann. Mal sehen, ob Ehemann Michael ihr diesen Wunsch demnächst erfüllt. Seine Lieblingsspeise ist übrigens Paella.

Der 60-Jährige hat aber bereits etwas anderes im Sinn: An einem Bauzaun hinter dem „Strand“ möchte er eine wetterfeste Fototapete befestigen, die die Playa de Palma zeigt. Vermutlich werden die Hartmanns auf diesen Lieblingsausblick nämlich noch eine Weile verzichten müssen. Selbst für sie ist ein Urlaub auf Mallorca unter aktuellen Bedingungen nicht verlockend. „Natürlich fehlt uns die Insel, und wir werden langsam unruhig“, räumt Michael Hartmann ein. „Die Situation dort ist aber im Moment nicht gerade glücklich“, weiß Diana Hartmann, dass die Ferieninsel weit von einer Normalität entfernt ist. So wurden zum Beispiel alle großen Veranstaltungen für dieses Jahr auf der Insel abgesagt.

Es ist jedoch nicht nur die Pandemie, die dem Paar augenblicklich eine Reise versagt. Michael Hartmann ist Ende vergangenen Jahres erkrankt und hatte zudem einen schweren Unfall. Ans Fliegen ist für ihn überhaupt noch nicht zu denken. „Deshalb machen wir es uns jetzt im Garten schön“, betont er mit ansteckendem Optimismus. Wenn sie schon nicht nach Mallorca kommen, dann kommt Mallorca eben nach Bönen.

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