Corona-Testpraxen müssen sich täglich mit neuen Verordnungen und Formularen rumschlagen

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Bei der Arbeit: Dr. Christoph Middeldorf, nimmt in Schutzmontur einen Abstrich für den Coronatest vor.

Bönen – Die Coronazahlen im Kreis Unna steigen wieder an. Lehrer und Erzieher, aber auch Reiserückkehrer aus Risikogebieten können sich kostenlos testen lassen. Welche Praxen in Bönen einen Test durchführen, finden Patienten im Internet unter www.coronatestpraxis.de. Dort sind für Bönen bislang aber nur die Praxen von Dr. Thomas Krüger und Dr. Christoph Middeldorf gelistet, obwohl auch andere den Test durchführen.

Der zusätzliche Andrang an Patienten, die einen Test anfragen sei spürbar, sagen beide Bönener Mediziner. An manchen Tagen führen wir drei bis vier Tests durch, an anderen warten acht bis neun Patienten auf einen Abstrich“, berichtet der Allgemeinmediziner Dr. Christoph Middeldorf. „Wir führen die Tests nach der regulären Sprechstunde durch, damit die Testpersonen nicht mit den anderen Patienten zusammen kommen.“

„Lehrer und Erzieher erscheinen regelmäßig alle zwei Wochen zum Test, sodass wir die Termine einplanen können. Hinzu kommen diejenigen, die jetzt aus dem Urlaub heimkehren und sich testen lassen können. Obligatorisch sei der Test dagegen für alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Alternativ müssten sie 14 Tage in Quarantäne verbringen.

„Leider kommt die Verordnung unserer Landesregierung etwas spät“, findet Dr. Christoph Middeldorf. „Schließlich war im Mai schon absehbar, dass bei Lockerung der Reisebedingungen viele Menschen in Urlaub gehen würden. Da hätte man sich bereits Gedanken machen müssen.“ Viele seien bereits aus dem Urlaub zurückgekehrt, bevor ein kostenloser Test angeboten beziehungsweise angeordnet wurde.

Zudem sieht Middeldorf ein weiteres Problem: „Wer beispielsweise aus dem Risikogebiet Ägypten zurückkehrt und am Tag vor seiner Abreise infiziert wurde, und am nächsten Tag einen Test machen lässt, kann trotzdem ein negatives Ergebnis erhalten aufgrund der Inkubationszeit.“ Am sichersten wäre aus Sicht des Mediziners tatsächlich eine anschließende zweiwöchige Quarantäne, die aber nicht umsetzbar sei. Wie viele Reiserückkehrer tatsächlich zum Test gehen, kann nicht nachverfolgt werden.

Möglichst schnell zum Test melden

Wichtig sei, dass sich Betroffene möglichst schnell zum Test melden, bevor sie am Arbeitsplatz oder in der Schule weitere Menschen infizieren und die Infektionszahlen weiter ansteigen. Als Nachweis, dass er einen Anspruch auf einen kostenlosen Test hat, gelten Reiseunterlagen wie Flug- oder Bahntickets, Hotel oder Reisebuchungen. „Wer das nicht nachweisen kann, muss ein Formular ausfüllen, in dem er bestätigt, dass er eine Reise unternommen hat“, so Middeldorf.

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Thomas Krüger fürchtet, dass viele Menschen corona-müde geworden sind und damit leichtsinnig.

Sein Kollege, der Bönener Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Thomas Krüger, arbeitet ausschließlich mit dem Selbsterklärungsformular, in dem Patienten Angaben zur ihrer Reise machen. „Wir können das nicht alles nachprüfen“, sagt er ganz deutlich. „Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Wir gehen ohnehin durch die Vielzahl der Tests in der Praxis schon an unsere Grenzen.“ 

Der Kampf mit den Formularen kostet viel Zeit

Besonders für seine Helferinnen sei das Testverfahren neben dem normalen Praxisbetrieb sehr belastend. Denn neben dem Abstrich nehme der Kampf mit den Formularen sehr viel Zeit in Anspruch. 

Lehrer müssten anders abgerechnet werden als Reiserückkehrer oder Patienten mit Symptomen. Das sei vor allem ein großer bürokratischer Aufwand, der da geleistet werden müsse. „Wir machen das aus Idealismus, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen“, sagt Krüger, der seine Praxis durchgehend seit Januar geöffnet hält.

Vor allem aber gebe es jeden Tag neue Vorgaben und Änderungen, sodass jeden Tag das Mitarbeiterteam erst mal auf den neuesten Stand gebracht werden müsse. Das koste sehr viel Energie.

„Dabei hatten wir anfangs die Pandemie ganz gut im Griff, weil alle sehr diszipliniert waren. Jetzt steigen die Zahlen bei uns rasant an“, beobachtet Krüger mit Sorge. „Wir verschenken möglicherweise gerade, was wir uns in den vergangenen Monaten erarbeitet haben.“

"Viele Menschen sind coronamüde"

Die Ursache sind seiner Ansicht nach nicht nur die Urlauber, die mit einer Corona-Infektion zurückkehren, sondern auch die Menschen vor Ort. „Viele Menschen sind nach Monaten einfach coronamüde“, stellt der Bönener HNO-Arzt fest. „Wenn ich samstags über den Bönener Wochenmarkt gehe, bin ich entsetzt, wie viele Menschen ohne Maske unterwegs sind oder die Maske halb unter dem Kinn tragen.“

Corona sei noch lange nicht vorbei, mahnt Krüger. Damit wolle er keine Panik machen, die Pandemie aber auch nicht verharmlosen. „Es liegt an der Disziplin jedes einzelnen, wie wir das alles überstehen. Wir müssen durchhalten, bis wir einen Impfstoff haben. Mit etwas Glück ist das im Frühjahr 2021 so weit.“

Hier kann man sich testen lassen

Auf der Webseite www.coronatestpraxis.de, eine Kooperation von Ärzteverbund Südwestfalen, Kassenärztlicher Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und den Gesundheitsämtern, finden Patienten die nächstgelegene Arztpraxis, in der sie sich auf eine Covid-19-Infektionen testen lassen können. 

Alle Praxen, die eine solche Testung vornehmen, verfügen über die nötigen Schutzmaßnahmen und es ist sichergestellt, dass diese Patienten getrennt von nicht infizierten Patienten getestet werden.

Wer sich testen lassen möchte, sollte zunächst telefonisch Kontakt zu seinem Hausarzt aufnehmen, das weitere Vorgehen besprechen und gegebenenfalls einen Termin ausmachen. Wer keinen Hausarzt hat, findet eine Praxis in der Liste seines Wohnortes.

Praxen in Bönen, die den Coronatest durchführen: 

Praxis Thomas Krüger (Telefon 02383/913330)

Praxis Christoph Middeldorf (Telefon 02383/3912) 

Praxis Regina Kopmane (Telefon 02383/3023)

Praxis Eugen Sander (Telefon 02383/2088) 

Praxis Karsten Weikamp (Telefon 02383/5144) 

Praxis Jürgen Wimpelberg (Telefon 02383/7138)

Im ersten Schritt soll telefonisch Kontakt mit der Praxis aufgenommen werden, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten. Keinesfalls sollten Patienten unangemeldet in der Praxis auftauchen, darauf weisen die Praxen ausdrücklich hin.

Weiterführende Informationen zu Corona und Corona-Tests gibt es auf der Webseite der KVWL unter https://www.kvwl.de/patient/corona/index.htm.

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