Kritik an Kurs der Partei

Bönener CDU-Vorsitzender tritt aus der Partei aus 

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CDU-Fraktionsvorsitzender Detlef Pilz (vorne) und Christian Lauer (dahinter) gehen nun wahrscheinlich getrennte Wege.

Bönen – Sein Name findet sich schon nicht mehr auf der Homepage der CDU Bönen, sein Kopf ist aber noch auf dem Gruppenbild oben auf der Seite zu finden: Christian Lauer (vormals Lein) hat hingeschmissen

Der ehemalige Vorsitzende der Bönener CDU hat nicht nur sein Amt niedergelegt, sondern ist auch aus der Partei ausgetreten.

Als Gründe nennt der 51-Jährige Frust über die Bundes- und Landespolitik seiner ehemaligen Partei, aber auch persönliche Gründe, die ihm die Weiterarbeit im Gemeindeverband unmöglich gemacht hätten.

Verbleib in der Ratsfraktion unklar

Die Geschäfte der Bönener CDU führt derzeit sein Stellvertreter Helge Meiritz. „Der Austritt von Christian Lauer ist für uns alle völlig überraschend gekommen“, sagt er. Wie es in der Bönener CDU nun weitergeht, sei offen. Am 19. Februar werde in der Jahreshauptversammlung des Gemeindeverbandes ein neuer Vorstand gewählt.

Ob Lauer noch weiter in der CDU-Fraktion im Rat mitarbeiten wird, ist noch nicht klar. „Grundsätzlich ist es nach der Gemeindeordnung möglich, dass Christian Lauer weiter in der CDU-Fraktion mitarbeitet“, sagt der Fraktionsvorsitzende im Rat, Detlef Pilz. „Ob es dazu kommen wird und ob die Voraussetzungen dafür gegeben sind, werden wir in den kommenden Tagen besprechen.“

In der aktuellen CDU nicht mehr zu Hause

Das bestätigt auch Christian Lauer. „Detlef Pilz gehört zu den Kollegen, die ich sehr schätze. Mit ihm werde ich ein Gespräch führen, wie es weitergeht.“ Er betont, dass ihm daran liegt, möglichst bald Klarheit zu schaffen, damit auch die personelle Besetzung im Gemeinderat bis zur nächsten Sitzung am 7. Februar geklärt ist.

„Sollte bei dem Gespräch herauskommen, dass eine weitere Zusammenarbeit in der CDU-Ratsfraktion nicht möglich ist, werde ich auf keinen Fall als Einzelmitglied wie Turan Karacayir im Rat arbeiten“, kündigt er an, weil es einfacher sei, mit einer Organisation im Rücken zu arbeiten. Es gebe durchaus Perspektiven, deutet er an, denn weiter aktiv sein will er auf alle Fälle in der Lokalpolitik und im Rat. 

„Aber Politik muss auch Spaß machen. Unterm Strich muss eine gewisse Befriedigung rauskommen bei dem was man macht. Zur Zeit prüfe er, wie weit es Schnittmengen für eine mögliche Zusammenarbeit mit anderen politischen Gruppierungen im Rat gibt. „Eine Zusammenarbeit mit der Linken kann ich definitiv ausschließen.“

Keine Zusammenarbeit mit der AfD

Um allen Spekulationen vorzubeugen, schließt er allerdings auch ganz klar eine Mitarbeit bei der AfD aus. „Ich bezeichne mich schon als konservativ. Die AfD hat zwar einige Punkte unseres konservativen Markenkerns in ihrem Programm übernommen, aber in dem jetzigen Zustand und mit ihrem Personal ist die AfD weder zu wählen, noch aktiv oder passiv zu unterstützen. Das ist keine Alternative für mich.“

Das Abrücken seiner Partei von konservativen Werten hin zur Mitte, habe letztlich dazu geführt, dass er sich in der CDU politisch nicht mehr zu Hause fühlte. „Wenn der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in einem Spiegel-Interview sagt, das Konservative gehört nicht zum Markenkern der CDU, und der Europaabgeordnete Dennis Radtke auf seiner Homepage in denselben Stiel stößt, dann bin ich in der falschen Partei.“

"Graue Eminenzen" im Gemeindeverband

Lauer vermisst eine klare Positionierung der CDU in der Parteienlandschaft. „Wir hätten Struktur in die Parteienlandschaft bringen können, um auch von den Extremen links und rechts abrücken können. Die SPD hätte links mehr Luft zum Atmen und wir hätten uns auf unsere konservativen Werte besonnen.“

Die CDU zur Bönen-Partei zu erklären sei zum Beispiel seine Idee gewesen, „um uns abzugrenzen von der Bundes- und Landespolitik.“ Für seinen Austritt gebe es aber vor allem persönliche Gründe.

 „Ich lege sehr viel Wert auf offene, direkte Ansprache und Loyalität. Es gibt einen gewissen Verhaltenskodex, wie man miteinander umgeht.  Bei Personalentscheidungen zum Beispiel erwarte ich ein gewisses Maß an Offenheit, und nicht, dass das alles hintenrum geht. Es gibt da ein paar graue Eminenzen im Gemeindeverband, denen bin ich in meinen Aussagen zu unbequem geworden. Es mag sein, dass ich als Vorsitzender auch zu unbequem gewesen bin.“

Spätestens in der ersten Ratssitzung des Jahres wird sich zeigen, wo Christian Lauer künftig seinen Platz im politischen Bönen finden wird.

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