Tauerfeiern ohne Begrenzung

Bönener Bestatter verärgert: Gemeinde schiebt Verantwortung ab

Sarg und Sargträger
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Eine Trauerfeier mit einer großen Zahl Trauergästen sorgt in der Gemeinde für Diskussionen.

Bönen – Zu unserer Berichterstattung über die Haltung der Gemeinde zu Trauerfeiern ohne Personenbeschränkung auf dem kommunalen Friedhof melden sich jetzt die beiden Bönener Bestatter Andreas Hille und Martin Schulte zu Wort.

„Gerade in einem Trauerfall sind Herz und Verstand nicht mehr im Einklang“, so die Erfahrung von Andreas Hille. „Während der Verstand den momentanen AHA-Regeln völlig zustimmt, überwiegen die Emotionen gerade bei einer Beerdigung. Der Wunsch, die Angehörigen zu trösten und zu umarmen, lässt häufig jede Vorsicht in den Hintergrund treten.“

Der Bestatter Andreas Hille ist überzeugt, dass Trauergruppen mit über 30 Personen kaum noch im Auge behalten werden können.

Aufgrund dieser Tatsache und den Empfehlungen des Städte- und Gemeindebundes NRW folgend, haben sich die örtlichen Bestatter mit den Pfarrern der Bönener Kirchengemeinden, aber auch mit den freien Trauerrednern abgestimmt und die Personenzahl bei Beerdigungen – „schweren Herzens“, wie beide betonen – auf insgesamt 30 Personen begrenzt.

Trauernde, Pfarrer und Mitarbeiter vor Infektion schützen

„Denn schon 30 Personen – also etwa Schulklassenstärke – im Blick zu haben in so einer hochemotionalen Ausnahmesituation ist schwierig, bei großen Versammlungen nahezu unmöglich“, sagt Andreas Hille. Uns ist wichtig, dass die Trauernden, aber auch Pfarrer, Mitarbeiter und schließlich wir selbst, gesund bleiben.“ Auch auf die Bekanntgabe der Termine werde deshalb momentan in den Traueranzeigen bewusst verzichtet.

Der Bönener Bestattungsunternehmer Martin Schulte ärgert sich, dass die Gemeinde die Verantwortung auf die Bestatter abwälzt.

„Diese Regelungen wurden bisher jeweils im Vorfeld mit den Angehörigen besprochen und von ihnen so akzeptiert“, berichtet Martin Schulte. „Selbst bei der Betreuung eines muslimischen Sterbefalles war diese Regelung, nach ausführlicher Aufklärung, kein Problem. Das rituelle Gebet fand mit 30 Trauernden vor der Halle statt, die Mindestabstände wurden gewahrt.“

Diese Absprachen hätten beide Bestattungsunternehmen der Gemeinde Bönen frühzeitig mit der Bitte mitgeteilt, dies auch ohne Allgemeinverfügung, an alle auswärtigen Bestatter weiterzugeben. „Es muss doch nicht alles per Verordnung geregelt werden“, sagen Hille und Schulte.

Vorschläge wurden bisher nicht wahrgenommen

„Aber eine klare Aussage von Seiten der Gemeinde hätte sicher für viel Verständnis und eine Reduzierung der Teilnehmerzahlen sorgen können. Leider wurden unsere Vorschläge bisher nicht wahrgenommen. Die Aussage, die momentane Rechtslage reiche aus und man könne nichts ändern, verärgert uns Bestatter in hohem Maße. Behördliche Aufgaben, wie etwa das Einhalten der Hygienevorschriften zu kontrollieren, auf die Bestatter abzuwälzen, das ist schlechter Stil! Die Gemeinde ist damit raus aus der Verantwortung.“

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