Finanzierung gesichert

Endlich! Bönener Bahnhof wird barrierefrei

+
Bürgermeister Stephan Rotering und Fachbereichsleiter Robert Eisler freuen sich, dass nun endlich Geld für den Umbau des Bahnhofes zur Verfügung steht.

Bönen – Die Sektkorken knallten zwar nicht im Rathaus, einen Anlass dafür gab es am Donnerstag aber durchaus. Nach Jahrzehnten kommt endlich Bewegung in das große Anliegen, den Bahnübergang in der Gemeindemitte zu beseitigen und den Bahnhof barrierefrei zu gestalten.

Der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) hat in seiner Verbandsversammlung beschlossen, dass die Gemeinde rund 5,4 Millionen Euro aus der Modernisierungsoffensive (MOF 3) erhält.

Vor drei Jahren hat der NWL mit der Deutschen Bahn (DB Station und Service) einen Vertrag über die Finanzierung der Modernisierung von 14 Stationen im Raum Westfalen-Lippe geschlossen. Für dieses Programm stellt der NWL 37, die Deutsche Bahn 25 Millionen Euro zur Verfügung. 

Bönen hatte zunächst vergeblich gehofft, in dieses Programm mit aufgenommen zu werden. Auf der Liste der zu fördernden Kommunen lag die Stadt Lünen vor der Gemeinde. „Und dann war das Geld verteilt und der NWL musste einen Strich ziehen“, erklärt Bürgermeister Stephan Rotering. 

Doch Lünen bekommt nun Mittel aus der RRX-Förderung des Landes, um den Bahnhof dort für den Rhein-Ruhr-Express auszubauen, und so rückt Bönen in das NWL-Programm nach. „Ich freue mich riesig, dass wir bei dem jahrzehntelangen wichtigsten Thema in Bönen nun den Durchbruch geschafft haben“, sagt Stephan Rotering.

Verwaltung musste Hausaufgaben erledigen

Um überhaupt eine Chance zu haben, mussten die Verwaltungsmitarbeiter gründlich Hausaufgaben machen. Ein integriertes Handlungskonzept musste erstellt, eigene Planungen vorgenommen und zahlreiche Gespräche geführt werden, zuletzt sogar mit Henrik Wüst (CDU), dem NRW-Verkehrsminister.

Der Bahnübergang wird vorerst bleiben, aber der Bahnhof selbst soll umgebaut und komplett barrierefrei gestaltet werden. Fußgänger und Radfahrer müssen dann nicht mehr vor der Schranke warten, sondern können die Unterführung nutzen.

 Auch Ina Scharrenbach (CDU), Landesministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung, holten die Verantwortlichen im Bönener Rathaus in die Gemeinde und auf den Bahnhof, damit sie sich ein Bild von der Situation vor Ort macht. Sie riet ihnen dazu, einen Antrag auf Städtefördermittel zu stellen, um die „kleine Lösung“, den erweiterten Fuß- und Fahrradtunnel auf den Weg zu bringen. 

Die Gemeinde hat mit dieser Idee ihre jahrelange Strategie geändert. Statt „Großprojekt Bahnhofsumfeld“ mit Beseitigung der Schranke, setzt sie auf mehrere Teilprojekte, um eben Fördermittel abschöpfen zu können. 

Damit der Bahnhof barrierefrei wird, soll der Bahnsteig auf 76 Zentimeter erhöht werden. Damit ist ein höhengleicher Einstieg in die Züge möglich. Zudem soll im westlichen Bereich ein Aufzug installiert werden, der Rollstuhlfahrer, Rollatoren- oder Gehhilfenutzern und Eltern mit Kinderwagen problemlos zu Gleis 2 befördert. Zurzeit haben behinderte Fahrgäste nämlich kaum eine Möglichkeit, ohne Hilfe den Zug in Richtung Unna zu erreichen. 

An der östlichen Seite des Bahnhofes soll eine Rampe Barrierefreiheit schaffen, alternativ wird auch dort ein Fahrstuhl eingebaut. Welche Lösung die sinnvollere ist, sollen die weiteren Planungen ergeben, erklärt Fachbereichsleiter Robert Eisler. Weiter soll die Bahnsteigausstattung auf den aktuellen Stand gebracht, die Beleuchtung, die Lautsprecheranlage und die Schilder erneuert werden. Die Gesamtkosten für dieses Paket werden mit 5,8 Millionen angesetzt. 

Das Warten vor der Schranke hat ein Ende

Aus MOF 3 wird es zunächst nur 5,4 Millionen Euro geben. Diese Summe war für die Maßnahmen in Lünen angesetzt. „Wir hoffen, dass noch weitere Mittel frei werden“, so Bürgermeister Rotering. Und zwar nicht nur aus der Modernisierungsoffensive – die Gemeinde hat schließlich Größeres vor: Die vorhandene Gleisunterführung soll ausgebaut, verbreitert und in Richtung Fußgängerzone verlängert werden. Damit wäre das Warten vor der Bahnschranke zumindest für Fußgänger und Radfahrer ein für alle Mal vorbei. 

Um diesen städtebaulichen Teil des Planes umsetzen zu können, ist natürlich ebenfalls viel Geld vonnöten, etwa 4,8 Millionen Euro. Und die sollen, so hofft die Verwaltungsspitze, zu einem Großteil – 75 Prozent – aus Städtebaufördermitteln des Landes in Richtung Bönen fließen. Einen entsprechenden Antrag hat sie bereits gestellt. Und die Chancen, dass dieser bewilligt wird, stehen jetzt, nach dem der NWL die Gemeinde in die Modernisierungsoffensive aufgenommen hat, sehr gut.

Baustart unklar

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, stellt Stephan Rotering fest. Grundvoraussetzung, um überhaupt für die Unterstützung vom Land infrage zu kommen, sei ein genehmigter Haushalt und das Integrierte Handelskonzept. Beides hat einiges an Arbeit erfordert, und die wird nun nicht weniger: Als Nächstes müssen NWL und Deutsche Bahn entsprechende Verträge schließen und die Gemeinde die Planungen vorantreiben. 

Wann der Bahnhofsumbau in Angriff genommen wird, ist allerdings noch offen. „Die Deutsche Bahn braucht allein einen Vorlauf von zwei Jahren, um festzulegen, wann der Bahnhof für den Umbau gesperrt werden kann“, weiß Fachbereichsleiter Robert Eisler. Selbst wenn es noch ein paar Jahre dauert, sei das Projekt Bahnhof und Bahnhofsumfeld von elementarer Bedeutung für die städtebauliche und mobilitätsgeprägte Weiterentwicklung der Gemeinde. „Und Barrierefreiheit ist hierfür eine Grundvoraussetzung“, so Eisler.

Lesen Sie auch: 

Polizei zieht in Volksbank-Neubau in Bönen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare