Am Bönener Bahnhof fehlen Behindertenparkplätze

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Am Bahnhof dürfen Pkw maximal zwei Stunden lang abgestellt werden. Behindertenparkplätze sind dort nicht ausgewiesen.

Bönen - Hans Bienert ist immer gerne nach Hamm gefahren. Seine Frau hat in der Stadt gearbeitet, und auch sonst hatte er dort immer wieder zu tun. Früher ging das einigermaßen gut mit der Bahn – trotz seiner Behinderung. Doch mittlerweile ist das Bahnfahren ein Problem für ihn. Nicht nur, dass der Bönener Bahnhof nicht barrierefrei und das Gleis in Fahrtrichtung Unna ausschließlich über zwei lange Treppen zu erreichen ist, sondern mittlerweile gibt es rund um die Station keine Behindertenparkplätze mehr.

Der Lenningser leidet an der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer unheilbaren Erkrankung des motorischen Nervensystems und ist inzwischen auf einen Rollstuhl angewiesen. Wer einen Rollstuhl in einem Auto verstauen oder sich vom Sitz in den Rollstuhl hieven muss, der benötigt rund um das Fahrzeug etwas mehr Platz als ein üblicher Parkplatz bietet. Und auch, als Hans Bienert noch wenige Schritte gehen konnte, war er dankbar für jeden Meter, den er nicht laufen musste. 

Bis zum Neubau des Rathauses und der Lidl-Filiale waren unmittelbar neben der Einfahrt zum Rathaus zwei Behindertenparkplätze gegenüber des Bahnhofs ausgewiesen. In der Bauphase wurden diese zunächst mit einem Zaun blockiert. „Ich habe mich einfach daneben gestellt. Das passte ja noch“, erzählt Hans Bienert.

Als die Baustelle jedoch immer näher heranrückte, traute er sich nicht mehr, seinen Pkw dort abzustellen. „Ich habe mich dann bei der Gemeindeverwaltung durchgefragt und bin schließlich im Bauamt gelandet. Dort hat man mir gesagt, dass die Taxi-Stellplätze weg kämen, aber nicht, dass es auch keine Behindertenparkplätze mehr geben wird“, erzählt der 77-Jährige. Als der Neubau im vergangenen Jahr abgeschlossen war, ließ die Verwaltung an gleicher Stelle vier Taxi-Stellplätze ausschildern. Die Behindertenparkplätze fielen weg. Und daran hat sich bislang nichts geändert. 

Verwaltung verweist auf den Rathausparkplatz

Direkt vor dem Bahnhof, wo sie sinnvollerweise zu finden sein müssten, wurden aber keine eingerichtet. Stattdessen weist ein Schild daraufhin, dass auf diesen Plätzen zwei Stunden lang geparkt werden darf. Und nebenan, auf dem unbefestigten Parkplatz am Bahnhof, stehen ebenfalls keine Behindertenparkplätze zur Verfügung. 

Die Gemeindeverwaltung verweist auf Nachfrage auf den Lidl- beziehungsweise Rathausparkplatz. Für Menschen, für die jeder Schritt eine Qual ist, ist das jedoch keine befriedigende Lösung. Zumal die Straße in diesem Bereich sehr breit ist, und gehbehinderte Menschen naturgemäß länger brauchen, um sie zu überqueren.

 „Ich komme mehr und mehr zu dem Eindruck, dass Bönen keine Rücksicht auf behinderte Menschen nimmt. Überall wird behindertengerecht gebaut, nur in Bönen nicht“, ärgert sich der Lenningser. „Da wir den Gesamtbereich Bahnhofsumfeld derzeit überplanen, haben wir bisher im öffentlichen Bereich keine temporäre Zwischenlösung für Bahnkunden geschaffen, suchen allerdings eine sinnvolle, kurzfristig umsetzbare Lösung im Bereich der bereits bestehenden Stellplätze“, sagt hingegen Fachbereichsleiter Robert Eisler von der Bönener Verwaltung.

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