Nicht nur Corona ist gefährlich

Bönener Apotheker rät zur Kontrolle des Imfpschutzes

Der Apotheker Stefan Oyen hat seine Bestände an Grippeimpfstoffen wieder aufgefüllt.
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Der Apotheker Stefan Oyen hat seine Bestände an Grippeimpfstoffen wieder aufgefüllt.

Bönen - Noch ist es nur ein Licht am Ende des Tunnels. Und doch sind alle Augen darauf gerichtet: Wann wird der Corona-Impfstoff zugelassen, wann beginnen die Impfungen? Natürlich ist das Corona-Virus zurzeit das drängendste Übel, das es zu bekämpfen gilt. Nichtsdestotrotz gibt es andere Krankheiten, die für die Betroffenen gefährlich oder gar tödlich werden können. Gegen etliche ist ein Impfschutz verfügbar – und der sollte jetzt in Anspruch genommen werden, rät der Bönener Apotheker Stefan Oyen.

Experten haben die Pandemie erwartet. Spätestens, als 2009 ein neuer Influenza-Virustyp entdeckt wurde, war es für die Fachleute lediglich eine Frage der Zeit. Doch schon dieses neue H1N1-Virus, heute als Schweinegrippevirus bekannt, verursachte damals Angst. Es breitete sich in Windeseile rund um den Globus aus, Millionen Menschen infizierten sich. Ende April 2009 warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer drohenden Pandemie.

Die schlimmen Befürchtungen bestätigten sich nicht. Zwar starben Tausende an der Schweinegrippe, meist aber war der Krankheitsverlauf mild oder moderat. Die Welt war aber zunächst in großer Sorge. Ein Impfstoff musste her – schnell und in großen Mengen. Das hatte zur Folge, dass sich viele Pharmaunternehmen auf die Entwicklung und Produktion dieses Impfstoffes konzentrierten.

„Darauf lag der ganze Fokus, andere Impfstoffe wurden zurückgestellt“, weiß Stefan Oyen. Der Apotheker erinnert sich an dramatische Effekte. „Es gab in dem Jahr keinen Pneumokokken-Impfstoff mehr.“ Für geschätzt rund 20 000 Frauen und Männer in Deutschland verlief danach eine Pneumokokken-Infektion, die bakterielle Lungenentzündung, tödlich.

Nach 2009 wurden die Impfstoffe knapp

Um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt, empfiehlt Oyen einen Blick in den Impfausweis, beziehungsweise diesen dem Hausarzt vorzulegen. Nun ist es nämlich der Corona-Impfstoff, den alle Welt dringend verlangt.  „Wir wissen heute nicht, was in eineinhalb Jahren ist“, kann er eine ähnliche Situation mit knappen Impfstoffen wie nach 2009 nicht ausschließen. Besser sei es daher, sich rechtzeitig zu schützen.

Panik sei allerdings nicht angebracht. „Der mRNA-Impfstoff gegen Corona lässt sich relativ einfach und in großen Mengen herstellen“, erklärt der Pharmazeut. Er denkt zudem, dass dieser so weiterentwickelt werde, dass das Serum künftig keine derart extreme Kühlung mehr benötigt. Das ist momentan der Fall. Lässt sich der Impfstoff demnächst bei höheren Temperaturen lagern und transportieren, würde das die Verteilung deutlich vereinfachen. Und schließlich stünden weitere Corona-Impfstoffe in den Startlöchern. Oyen rechnet damit, dass im kommenden Jahr weitere zugelassen und verabreicht werden.

Unbedingt erneuern sollten die Menschen aber bereits jetzt die alljährlich erforderliche Grippeimpfung. Die Gefahr, die von einer Influenza ausgeht, sei nicht zu unterschätzen, so der Fachmann.

Rund 25 000 Menschen starben an der Influenza

Tatsächlich starben mehr als 25 000 Menschen von Herbst 2017 bis Frühling 2018 in Deutschland an der Influenza – so viele wie bis Freitag am Corona-Virus. Es war die schlimmste Grippewelle innerhalb von 30 Jahren in der Bundesrepublik. Wie viele der Betroffenen überlebt hätten, wenn sie sich rechtzeitig gegen die Influenza hätten imunisieren lassen, lässt sich nicht sagen. Sicher ist aber: Der kleine Pieks rettet Jahr für Jahr unzählige Leben.

Und das ist in Corona-Zeiten nicht anders. Zwar halten die geltenden Schutzmaßnahmen wie Masken tragen, Abstand halten, Hände waschen und desinfizieren gleichfalls „normale“ Grippeviren zurück, einen 100-prozentigen Schutz bieten sie aber in beiden Fällen nicht. Deshalb empfehlen die Bönener Ärzte ebenso wie der Apotheker allen, die es bislang nicht getan haben, die Schutzimpfung nachzuholen. „Dazu ist vielleicht zwischen den Feiertagen Zeit“, sagt Stefan Oyen. Einige Hausärzte im Ort hätten ihre Praxen in dieser Zeit geöffnet – und der Winter ist noch lang.

In Oyens Kühlschränken in den drei Apotheken in der Gemeinde liegt jedenfalls wieder genug Impfstoff, um zahlreiche Menschen zu versorgen. „Und die Ärzte haben genügend Dosen da, um ein paar Hundert Bönener zu impfen“, so Stefan Oyen.

Lager mit Grippeimpfstoffen wieder aufgefüllt

Zwischenzeitlich sah das anders aus. Im Oktober berichten die meisten Mediziner in der Gemeinde, dass deutlich mehr Patienten als in den Vorjahren zum Impfen gegen die Influenza zu ihnen in die Praxen kämen. Sie waren offenbar den Empfehlungen verschiedener Institutionen und Sachverständiger gefolgt. Die hatten immer wieder betont, wie wichtig die Grippeimpfung gerade während der Corona-Pandemie ist. „Zum Schutz der Menschen und zur Entlastung der Gesundheitssysteme ist der größte Effekt zu erreichen, wenn die Impfquoten vor allem in den Risikogruppen erheblich gesteigert werden“, gab etwa die Ständige Impfkommission (Stiko) an.

Dies führte jedoch dazu, dass die Grippeimpfstoffe im Herbst knapp wurden, einige Impfwillige mussten vertröstet werden. In der Bären-Apotheke an der Bahnhofstraße war zum Beispiel Mitte Oktober kein Serum mehr zu bekommen. Das hat sich mittlerweile wieder geändert, wie eine Mitarbeiterin dort bestätigt. Inzwischen kann auch die Bären-Apotheke Privatpatienten, die sich den Impfstoff selbst besorgen müssen, wieder beliefern.

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