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Apotheker in Bönen bereiten sich auf Corona-Impfungen vor

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Von: Sabine Pinger

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In den Apotheken soll jetzt auch gegen das Corona-Virus geimpft werden
Theoretisch könnten die Impfungen in den Apotheken beginnen. Vorab müssen die Pharmazeuten in Bönen aber noch verschiedene Fragen klären. © Jörg Carstensen

Die Hürden sind beseitigt. Zumindest die rechtlichen, denn seit Dienstag dürfen auch die Apotheker zur Spritze greifen und alle ab zwölf Jahren gegen das Coronavirus impfen. Dafür müssen sie einige Bedingungen erfüllen.

Bönen - „Reichen unsere Räume in der Apotheke dafür aus oder müssen wir extra Räumlichkeiten haben, etwa für die Beobachtungszeit nach dem Impfen? Welche Versicherung ist notwendig, und wie werden die Impfungen abgerechnet? Wir haben etwa kein Versicherungskartenlesegerät“, fragt sich Bettina Siegert. Sie kann sich durchaus vorstellen, in ihrer Bären-Apotheke in Bönen gegen das Virus zu impfen – wenn das erforderlich und gewünscht ist.

„Es wurden ja jetzt sehr viele Impfstellen aufgebaut und es gibt niederschwellige Angebote vor Ort. Wir werden uns aber einbringen, wenn wir damit die niedergelassenen Ärzte entlasten können und diese das auch als Entlastung sehen“, sagt die Apothekerin. Zurzeit wartet sie jedoch auf genauere Angaben zum Wie und Wann. „Wir haben am Dienstag die ersten Informationen dazu bekommen, welche Fortbildungen erfolgen müssen. Aber die Handlungsempfehlungen sind ansonsten noch nicht so weitgehend, dass ich sagen kann, wir machen das jetzt.“

Sie will zunächst prüfen, welche Schulungen sie und gegebenenfalls ihre Mitarbeiter besuchen können und sollen. „Und dann müssen wir schauen, ob es in dieser Welle überhaupt sinnvoll ist oder ob wir uns vorausschauend vorbereiten, falls beispielsweise eine vierte Impfung nötig wird“, gibt Bettina Siegert an.

Die Hausärzte unterstützen

„Wenn es sinnvoll ist und wir gefragt werden, werden wir uns einbringen“, verspricht gleichfalls ihr Kollege Stefan Oyen, Inhaber der Apotheken am Brunnen und am Bahnhof sowie der Marien-Apotheke in Bönen. Zwar wisse zurzeit niemand, wie sich der Bedarf entwickelt, ein wichtiges Thema sei das Impfen für die Apotheken indes auf jeden Fall. „Die Arztpraxen leisten intensive und gute Arbeit. Und im Regelfall sollte das Impfen auch beim Hausarzt bleiben. Wenn es aber sinnvoll ist, dass wir ergänzend und entlastend, beispielsweise in Randzeiten wie mittwochnachmittags oder samstags, mithelfen, dann werden wir das machen.“

Zwei bis drei Apotheker aus seinem Unternehmen will er zu den erforderlichen Schulungen schicken, sobald dies möglich ist. Geimpft werden soll dann aber nur in einer seiner drei Apotheken in der Gemeinde. Immerhin ist dafür eine gewisse Infrastruktur wie eine Anmeldung und vielleicht ein Wartebereich erforderlich.

Voraussetzungen

Bevor die Apotheker eigenen Impfstoff bestellen können, müssen sie einige Nachweise erbringen. Grundvoraussetzung ist, dass sie entweder die neuen, vorgeschriebenen Covid-19-Impfschulungen oder die Fortbildung für die Teilnahme am Modellprojekt zur Grippeimpfung absolviert haben. Des Weiteren benötigen sie eine Bescheinigung der zuständigen Landesapothekerkammer, die bestätigt, dass die jeweilige Apotheke eine Selbstauskunft eingereicht hat. Darin verpflichten diese sich, nur Personen impfen zu lassen, die dazu berechtigt sind. Zudem müssen sie geeignete Räume mit entsprechender Ausstattung und eine Betriebshaftpflichtversicherung vorweisen, die mögliche Schäden der Impfungen abdeckt. Für die Impfungen erhalten die Pharmazeuten die gleiche Vergütung wie die Ärzte – also 28 Euro je Impfung.

„Es ist sicher gut, wenn wir startbereit sind“, so Oyen. Sollte zum Beispiel aufgrund des Infektionsgeschehens eine weitere Auffrischungsimpfung für möglichst viele Menschen innerhalb einer kurzen Zeit erforderlich werden, könnten die Apotheker gute Dienst leisten. „Unsere Kernaufgabe war bisher das Impfstoffhandling. Das werden wir natürlich weitermachen“, erklärt der 49-Jährige. Er und sein Team haben in dem vergangenen Jahr etliche Impfaktionen, mobile Teams und ebenso Arztpraxen dabei unterstützt. Selbst die Spritze zu setzen, müssen er und seine Kollegen jedoch erst mal lernen. Dafür wird es in den kommenden Tagen und Wochen Schulungen und Fortbildungen für die Pharmazeuten geben.

Direkt loslegen können hingegen die Kollegen, die bereits beim Modellprojekt zur Grippeschutzimpfung dabei sind, das 2020 gestartet wurde. Sie haben das Immunisieren bereits gelernt. Allerdings gehört der Kreis Unna bislang nicht zum Modellgebiet, sodass es hier keine entsprechend ausgebildeten Apotheker gibt. Die Bereitschaft, dies zu ändern, ist in Bönen offenbar groß.

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