Bönener Apotheker befürchten Arzneimittelengpässe frühstens im Herbst

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Die beiden Apotheker Elisabeth Genuit und Klaus Oyen sehen momentan keinen Anlass zur Panik.

Bönen – Lebensmittel und Hygieneartikel sind wichtig, deshalb „hamstern“ derzeit so viele Bönener Nudeln, Toilettenpapier, Mehl und Desinfektionsmittel. Doch auch um die ausreichende Versorgung mit Medikamenten fürchten einige – besonders Menschen, die auf bestimmte Arzneimittel angewiesen sind. Für Panik gibt es jedoch keine Veranlassung, sagt der Bönener Apotheker Klaus Oyen.

Engpässe gibt es dabei in den Apotheken in der Gemeinde durchaus: Desinfektionsmittel sind kaum noch zu haben. „Wir bekommen zwar immer wieder in kleinen Mengen Nachschub, doch der ist eigentlich gleich wieder weg“, weiß Oyen. Damit möglichst viele Kunden damit versorgt werden können, bekommen sie in der Marien-Apotheke, der Apotheke am Brunnen und am Bahnhof solche Mittel nur noch in „haushaltsüblichen Mengen“. Zwar dürfen die Apotheken inzwischen selbst Desinfektionsspray herstellen, doch fehlt es ihnen derzeit schlicht an den dafür notwendigen Zutaten. „Wir bekommen keinen Alkohol und keine Flaschen mehr“, erklärt der Pharmazeut. 

Fast noch mehr Sorgen als um fehlendes Desinfektionsmittel machen sich aber Menschen, die auf bestimmte Medikamente angewiesen sind, wie zum Beispiel chronisch Kranke. Immerhin wird ein Großteil der pharmazeutischen Werkstoffen, die in Deutschland vertrieben werden, in China produziert. Und dort legte das Coronavirus in den vergangenen Wochen vielerorts die Medikamentenproduktion lahm. 

Kurzfristig gibt es keine Probleme

„Kurzfristig werden wir dadurch keine Probleme in der Versorgung haben“, so Klaus Oyen. Viele Tabletten würden hier in Deutschland hergestellt und die Produzenten hätten durchaus Vorräte an den wichtigen Wirkstoffen angelegt. „Mittel- und langfristig ist das aber schon ein Problem“, befürchtet der Fachmann, dass es etwa ab Herbst mit verschiedenen Arzneimittel eng werden könnte. „Wir versuchen jetzt im Vorfeld zu eruieren, wo es knapp werden könnte, und stocken unsere Vorräte etwas auf“, berichtet er. „Hamstern“ dürften aber auch die Apotheken auf gar keinen Fall. 

„Gerade bei Herz- und Kreislaufmitteln gibt es gute Alternativen, die man dann austauschen kann“, beruhigt Oyen. Allerdings gebe es auch essenzielle Medikamente, für die es keinen adäquaten Ersatz gebe. Klaus Oyen rät Menschen, die bestimmte Tabletten oder Arzneimittel benötigen, sich rechtzeitig bei ihrem Arzt um eine neue Verordnung zu kümmern, wenn ihre Medikamente zu neige gehen. „Sie sollten sich 14 Tage vorher etwas aufschreiben lassen, dann haben wir genügend Zeit, mit dem Arzt zu klären, wie es weitergehen soll und welche Alternativen es gibt. Die Apotheke kann vieles regeln, aber braucht dazu etwas Zeit“, rät Oyen davon ab, sich bei wichtigen Medikamenten erst auf den letzten Drücker eine Verordnung zu besorgen.

 „Es hilft aber keinem etwas, wenn sich jemand fünf Packungen zu Hause hinlegt, und andere bekommen das Medikament dann gar nicht“, fügt seine Kollegin Elisabeth Genuit aus der Apotheke am Bahnhof hinzu. „Wir können da nur an die Vernunft appellieren.“

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