Spätestens ab kommender Woche geht es los:

Bönener Apotheken bereiten Maskenausgabe an Risikogruppe vor

Apotheker Stefan Oyen hat am Wochenende 10 000 FFP2-Masken geordert. Die können in Kürze an die Kunden ausgegeben werden.
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Der Bönener Apotheker Stefan Oyen hat am Wochenende 10 000 FFP2-Masken geordert. Die können in Kürze an die Kunden ausgegeben werden.

Bönen - Die ersten Schlangen haben sich gebildet, die Telefone waren zum Teil überlastet: Auch in den Bönener Apotheken wurde in den vergangenen Tagen immer wieder danach gefragt, wann denn die von der Bundesregierung angekündigten FFP2-Masken an die Risikogruppen verteilt werden. Stefan Oyen bittet seine Kunden um etwas Geduld. Die Ausgabe muss organisiert und strukturiert werden. „Aber wir haben genug Masken für alle Berechtigten“, versichert der Apotheker

Bönen – Neun Bönener sind bereits an Covid-19 gestorben. Von den Todesopfern war nur eines unter 50 Jahre alt. Es sind also die älteren Menschen sowie Vorerkrankte, die akut in Gefahr sind. Solange sie noch nicht durch eine Impfung geschützt sind, können sie sich nur durch Abstand, Beachten der Hygieneregeln und Masken gegen eine Ansteckung wehren. Als besonders sicher gelten dabei die filternden FFP2-Masken. Deshalb will der Bund die „vulnerabler Gruppen“, Über-60-Jährige und besonders Gefährdete, nun damit ausstatten. Noch vor Weihnachten sollen die ersten drei Exemplare pro Berechtigtem ausgegeben werden. Die Verteilung erfolgt über die Apotheken – und die stehen damit wieder einmal vor einer besonderen Herausforderung.

Wie seine Kunden hat Stefan Oyen aus den Medien von der neuen „Corona-Schutzmaskenverordnung“ erfahren und davon, dass die Hausapotheken die Verteilung der Masken übernehmen sollen. Das war am Donnerstag. Möglichst in den nächsten Tagen soll er dabei seine Kunden bereits mit den FFP2-Masken versorgen. „Das ist natürlich sehr, sehr kurzfristig. So etwas muss schließlich vorbereitet werden“, stellt er fest. Dennoch hat Oyen Verständnis für die Politik, die derzeit ständig vor dringenden Entscheidungen steht und angesichts ungebremst steigender Infektionszahlen eilig handeln muss.

Mitarbeiter in den Apotheken sind die richtigen Ansprechpartner

In diesem Fall die Apotheken mit ins Boot zu holen, hält er für richtig. Die geschulten Mitarbeiter, die vor Ort Fragen beantworten können, seien die richtigen Ansprechpartner für die Empfänger der Masken. „Das ist auf jeden Fall besser, als wenn sich die Leute die Masken irgendwo im Internet bestellen“, findet der Fachmann. Viele der Kunden kennen er und seine Mitarbeiter seit Jahren – sie wissen, welchen individuellen Bedarf sie haben.

„Dass die Verordnung so kurzfristig kam, ist zwar schade, aber wir schaffen das“, ist der Apotheker überzeugt. Mit „wir“ meint er sich und seine Mitarbeiter, aber auch die Kollegen in der Bären-Apotheke in Bönen. „Ich habe bereits mit Bettina Siegert gesprochen, auch die Kollegin hat genügend Masken vor Ort“, hat er erfahren.

Stefan Oyen hat sich am Wochenende sofort dahintergeklemmt, recherchiert, telefoniert und schließlich die ersten 10 000 Masken geordert. Spätestens ab kommender Woche sollen die Masken dann in seinen drei Apotheken, der Marien-Apotheke sowie den Apotheken am Bahnhof und am Brunnen, ausgeben werden. Für die Belegschaft bedeutet das einen ordentlichen Mehraufwand – jetzt in der Vorweihnachtszeit, mitten in der Erkältungs- und Grippesaison. „Hinzu kommt der Lockdown. Einige meiner Mitarbeiter haben Kinder in der Kita oder in der Schule. Sie müssen jetzt die Betreuung sicherstellen“, schildert der Arbeitgeber. Er hofft, dass ihm dennoch weiterhin genügend Helfer zur Verfügung stehen, um die Aufgabe zu stemmen.

Damit getan, den Kunden wortlos die drei Masken in die Hand zu drücken, sei es nämlich nicht. „Es werden sicher Fragen kommen“, ist der Apotheker überzeugt. Zudem müssen die Kunden natürlich informiert werden, zum Beispiel darüber, wie die Masken richtig aufgesetzt werden, wie häufig oder wie lange sie verwendet werden können und wo es wirklich sinnvoll ist, sie zu tragen. „Bei einem Spaziergang durch die Fußgängerzone reichen die Alltagsmasken.

Im Bus und im Supermarkt lieber die FFP“-Masken tragen

Wer jedoch in einen Bus steigt, sollte lieber die FFP2-Maske aufsetzen“, rät Stefan Oyen etwa. Überall dort, wo mehrere Menschen in Räumen zusammenkommen, sei der besondere Schutz auf jeden Fall angebracht. Die mehrschichtigen FFP2-Masken würden das Atmen zwar etwas erschweren, böten durch die speziellen Partikelfilter aber größere Sicherheit gegen das Virus.

Wer zur Risikogruppe gehört, sollte sich möglichst an die Apotheke wenden, die er sonst auch aufsucht. Somit lässt sich der Bedarf besser abschätzen, und es kommt zu keinem „Massenauflauf“ in einzelnen Läden. Vorlegen müssen die Kunden ihren Personalausweis, für den Empfang eine Unterschrift leisten.

Wichtig ist Oyen, dass die Menschen nicht panisch in die Apotheken stürmen, weil sie befürchten, dass die Masken zu schnell vergriffen sind. Allein aus Infektionsschutzgründen sei davon unbedingt abzuraten. „Und es wäre auch nicht schön, wenn die Leute draußen in der Kälte vor der Apotheke stehen und warten müssen. Wir können ja im Augenblick nur eine begrenzte Zahl von Kunden gleichzeitig in die Apotheken lassen.“ Kein Bönener muss sich Sorgen machen, dass er bei der Verteilung leer ausgeht – selbst wenn er es in der kommenden Woche nicht schafft, seine „Ration“ abzuholen.

Auch zwischen den Feiertagen erreichbar

„Die Situation ist anders als im Frühjahr, als wir von einer Schnapsbrennerei Alkohol besorgen mussten, um daraus Desinfektionsmittel herzustellen“, erzählt Oyen. Inzwischen seien die Lager mit Schutzausrüstungen wieder gefüllt. Die Menschen hätten zudem ausreichend Zeit, sich auszustatten. „Wir sind immer da – auch zwischen den Feiertagen“, betont der Apotheker. Wer ohnehin etwas in der Apotheke besorgen muss, der könne die drei FFP2-Masken direkt mitnehmen. Ab dem kommenden Jahr versenden dann die Krankenkassen Coupons, die gegen die Masken eingetauscht werden können.

Insgesamt haben die Frauen und Männer, die zur Risikogruppe gehören, Anspruch auf jeweils 15 Masken: drei gibt es jetzt im Dezember, zwischen Neujahr und dem 28. Februar einmalig sechs und schließlich vom 16. Februar bis spätestens 15. April weitere sechs Exemplare. Während die ersten drei Masken kostenlos ausgegeben werden, müssen die Menschen im kommenden Jahr pro eingelöstem Coupon 2 Euro Eigenanteil bezahlen. Der Bund finanziert den Rest. 2,5 Milliarden Euro will er für diese Maßnahme ausgeben.

Einen Anspruch auf die FFP2-Masken haben alle Menschen, die in der Bundesrepublik leben und

- das 60. Lebensjahr vollendet haben

- unter einer chronischen, obstruktiven Lungenerkrankung oder Asthma bronchiale, einer chronischen Herz- oder Niereninsuffizienz, einer zerebrovaskulären Erkrankung (Störung der Blutversorgung des Gehirns, insbesondere Schlaganfall), Diabetes mellitus Typ 2, einer aktiven, fortschreitenden oder metastasierten Krebserkrankung leiden

- sich in einer Therapie befinden, die die Immunabwehr beeinträchtigt oder eine solche Therapie vor sich haben

- eine Organ- oder Stammzellentransplantation bekommen haben

- sich in einer Risikoschwangerschaft befinden.

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