Lieber heute als morgen:

Bönener Ärzte stehen bereit, ihre Patienten gegen Corona zu impfen

Dr. Burkhard Simonis hat im Januar bereits die Bewohner und Mitarbeiter im Awo-Seniorenzentrum geimpft.
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Dr. Burkhard Simonis hat im Januar bereits die Bewohner und Mitarbeiter im Awo-Seniorenzentrum geimpft.

Bönen – Das Impfen gegen das Corona-Virus geht in Deutschland nur schleppend voran. Zu aufwendig und bürokratisch sei der Ablauf in den Impfzentren, heißt es von Kritikern. Abhilfe schaffen und Tempo in die Sache bringen, sollen spätestens ab Mitte April „Profis“: Für Hausärzte ist das Impfen reine Routine, sie machen es unzählige Male im Jahr. Auch Bönener Mediziner sind bereit, sofort zur Spritze zu greifen und die Menschen vor einer Corona-Infektion zu schützen.

„Je schneller und je mehr, desto besser“, sagt zum Beispiel Dr. Burkhard Simonis. „Die Schutzimpfung ist die einzige Möglichkeit, uns aus dieser Misere heraus zu bringen.“ Deshalb hätten er und seine drei Kollegen in der Praxis an der Bachstraße sich bereits im Januar bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für die Impfung angemeldet. Jetzt warten sie dringend auf den Start. „Ich wäre Tag und Nacht bereit dazu“, so der Allgemeinmediziner. Für ihn wäre es kein Problem, Patienten außerhalb der regulären Sprechzeiten mit dem Vakzin zu versorgen. „Wir würden auch samstags und sonntags impfen“, gibt er an.

Allerdings wünscht er sich für die Immunisierung in den Arztpraxen weniger Bürokratie. „Es wäre schön, wenn sich da noch etwas abbauen ließe. Zurzeit ist das Impfen sehr aufwendig“, weiß Burkhard Simonis. Er war schon mit dem mobilen Team unterwegs und hat die Bewohner und Mitarbeiter im hiesigen Awo-Seniorenzentrum geimpft. Am Freitag will er nun die Bönener Lehrer und Erzieher schützen.

Simonis glaubt übrigens nicht, dass sich die strikten Vorgaben bezüglich der Impfreihenfolge in den Praxen durchhalten lässt. „Natürlich sollten Schwerkranke bevorzugt werden, aber es wird schwer sein, abzuwägen, wer an der Reihe ist und wer nicht“, stellt der Mediziner fest. Am Ende käme es darauf an, möglichst viele Menschen vor einer Ansteckung und gar einer schweren Erkrankung zu bewahren.

Erfahrene Fachärzte stehen ebenfalls zur Verfügung

Ob Dr. Andrea Menzel beim Impfen mit dabei sein darf, ist dennoch offen. „Das ist eine spannende Frage. Bislang spricht das Gesundheitsministerium immer nur von Haus- und Betriebsärzten, die mit impfen sollen. Von uns Fachärzten ist bislang nicht die Rede “, berichtet die Frauenärztin. Dabei wird sie jetzt schon immer wieder von Patientinnen angesprochen, die sich die Injektion lieber von der vertrauten Ärztin geben lassen würden als von fremden Medizinern in einem zentralen Impfzentrum.

Auch der Hausärzteverband würde es ausdrücklich begrüßen, wenn Kinderärzte und Gynäkologen mit dabei wären, weiß Menzel. Die haben schließlich reichlich Erfahrung mit dem Impfen. Die Ärztin schützt in ihrer Bönener Praxis etwa nicht nur Mädchen und Jungen vor Humanen Papillomviren (HPV) zur Krebsvorsorge, sondern führt dort alle gängigen Impfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) durch. Dazu gehören beispielsweise der Schutz vor Diphtherie, Keuchhusten oder Tetanus. Und mit den Vakzinen gegen das Corona-Virus kennt sich die Gynäkologin nach einigen Einsätzen im Impfzentrum ebenfalls mittlerweile gut aus. „Ich denke, wir können das“, ist sie überzeugt.

Gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Matthias Bohle, einem Facharzt für Innere Medizin in Hamm, hat Andrea Menzel daher eine Idee ausgetüftelt, wie sich die Impfstoffe gegen das Corona-Virus zügig an den Mann und die Frau bringen ließen. „Wir planen mit einigen Kollegen eine richtige ‘Impf-Session’. An einem Samstag könnten wir 1000 Menschen impfen“, sagt sie. Voraussetzungen dafür wären, dass genügend Impfstoff zur Verfügung steht und das Ordnungs- sowie das Gesundheitsamt dem Vorhaben zustimmen. Einen geeigneten Ort dafür haben die Initiatoren jedenfalls schon ausgemacht.

Impftermine auch außerhalb der Sprechzeiten

Ob sich dieser Plan in die Tat umsetzen lässt, sei abzuwarten. „Ich werde es sicher früh genug erfahren, ob ich impfen darf oder nicht“, stellt Andrea Menzel fest. Spätestens bei ihrem nächsten Dienst im Impfzentrum in der kommenden Woche hofft sie, Näheres zu erfahren. Sollte der Impfstoff aber weiterhin nur in kleinen Margen vor Ort eintreffen, wäre sie gleichfalls bereit, das Vakzin in ihrer Praxis an ihre Patientinnen zu verabreichen. „Dafür könnte ich auch eine Stunde in der Mittagszeit oder nach Feierabend dranhängen, beziehungsweise samstags in die Praxis kommen“, bietet die Ärztin an.

Obwohl ihre Kollegein, Dr. Regina Kopmane, als Hausärztin auf jeden Fall mit in das Impfen eingebunden werden soll, hat auch sie noch keine genauen Informationen. „Wir wissen noch nicht, wie das ablaufen soll und wie viel Impfstoff wir bekommen“, macht sie deutlich. Davon hingen in ihrer Praxis die weiteren Planungen ab, etwa, ob während der regulären Sprechstunde geimpft wird oder vielleicht zusätzliche Termine angeboten werden müssen.

Grundsätzlich sei es jedoch unbedingt notwendig, zu impfen. Dafür steht die Ärztin sofort bereit. Wenn es nach ihr ginge, dürfte sie dann selbst entscheiden, welcher Patient wann seine Spritze bekommt – unabhängig von der festgelegten Priorisierungsliste der Stiko und der Bundesregierung. „Es wäre perfekt, wenn jeder Hausarzt das selber planen könnte. Schließlich kennen wir unsere Patienten und wissen, beim wem das Risiko besonders hoch ist“, erklärt Regina Kopmane.

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