Vorräte bestellt, als Covid 19 noch kein Thema war

In Bönen teils ausverkauft: Corona treibt Nachfrage nach Grippe-Impfe hoch

Gegen Corona ist (noch) kein Kraut gewachsen, gegen Grippe aber schon - aber das ist beinahe ausverkauft:  

Bönen - Die Corona-Pandemie hat auch abseits von Mund-Nasenschutz, einem gesteigerten Hygienebewusstsein und abgesagten Veranstaltungen deutlich spürbare Auswirkungen. Die Grippeimpfung ist gefragt wie nie. Ärzte und Apotheker können ein Lied davon singen: Eine so hohe Nachfrage nach der Impfe kannten sie bisher nicht. Standen im vergangenen Jahr sicher noch einige Diskussionen über den Sinn oder Unsinn der von Fachleuten immer wieder empfohlenen Impfung an, ist das aktuell anders.

"Kein Vergleich zu den anderen Jahren"

„Wir verzeichnen eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Grippeimpfungen in diesem Jahr“, berichtet eine Mitarbeiterin der Praxis von Dr. Jörg Wimpelberg. Doch es sind nicht nur diejenigen, die von sich aus nach der Impfung fragen, um sich vor der Grippe – und einer möglichen Doppelinfektion mit Grippe und SARS-CoV2 zu schützen – die sich schlussendlich tatsächlich pieksen lassen. Auch die Impfbereitschaft an sich sei in dieser Saison viel höher als in der Vergangenheit. „Da ist wirklich ein riesiger Unterschied zu spüren – es ist gar kein Vergleich zu den anderen Jahren“, so die Mitarbeiterin. 

Risikogruppen stehen im Vordergrund

Ähnliches berichtet eine Mitarbeiterin aus der Bönener Praxis von Dr. Regina Kopmane. „Die Nachfrage ist auch bei uns höherer als in den vergangenen Jahren. Die Patienten kommen von sich aus auf uns zu und möchten sich impfen lassen“, sagt sie. Das Team habe aber vorgesorgt und mehr Impfstoff bestellt als in den Jahren zuvor. Im Fokus stehen natürlich vor allem die Patienten, die chronisch krank sind oder einer anderen Risikogruppe angehören.

Lager teils leer - Nachschub ungewiss

Doch es sind nicht nur die Arztpraxen, die die gestiegene Nachfrage zu spüren bekommen. Denn während Kassenpatienten sich um nichts weiter kümmern müssen, als ihren Arzt um die Impfung zu bitten, steht für Privatpatienten erst einmal ein Gang in die Apotheke an. Dort müssen sie die entsprechende Impfdosis kaufen, mit der sie dann in die Hausarztpraxis gehen, um sich dort gegen die Grippe impfen zu lassen. Wer aktuell in eine Apotheke kommt, um den Impfstoff zu holen, hat oft Pech. Vielerorts sind die bestellten Dosen bereits ausverkauft. So zum Beispiel auch in der Bären-Apotheke. „Wir haben keinen Grippeimpfstoff mehr vorrätig“, sagt eine Mitarbeiterin. Was die Ärzte bestellt hätten, sei ausgeliefert worden, die eigenen Vorräte verkauft. „Wir stehen auf der Warteliste beim Großhändler – aber was und wie viel Nachschub kommt, steht in den Sternen.“

Bestellung im Vorjahr von Corona überholt 

Mehr Glück könnten Privatpatienten in der Apotheke am Brunnen, der Apotheke am Bahnhof und der Marien-Apotheke haben, die allesamt von Klaus Oyen geführt werden. „Wir haben noch Grippeimpfstoff da“, sagt Anke Döpker von der Apotheke am Brunnen. Der Apothekenverbund habe Glück gehabt, noch rechtzeitig eine Nachbestellung aufgegeben zu haben. „Vielleicht bekommen wir auch noch einmal etwas rein, aber das weiß man einfach nicht“, so Döpker. Die deutlich höhere Nachfrage war in den vergangenen Wochen bereits abzusehen gewesen. Wirklich darauf reagieren können die Apotheker – ebenso wie die Ärzte – allerdings nicht. „Die Bestelllungen für die diesjährigen Impfstoffe sind alle schon im vergangenen Jahr aufgegeben worden“, erklärt Döpker. Dass die Corona-Pandemie das Land zur neuen Grippesaison fest im Griff haben würde, war da noch nicht abzusehen und eine schnelle Nachproduktion ist nicht möglich.

Es bleibt dabei: Hände waschen, korrekt niesen 

Wie viele offizielle Stellen erinnert auch das Kreisgesundheitsamt jedes Jahr daran, dass die Impfung der beste Schutz gegen eine Grippe-Erkrankung ist. Nicht nur, um sich selbst zu schützen. „Mit jedem Geimpften sinkt das Risiko einer erneuten Erkrankungswelle“, so der Amtsarzt Dr. Roland Staudt. Auch bei der Grippe sei es möglich, infektiös zu sein, ohne selbst Symptome zu haben. Was die Fachleute raten, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, dürfte vielen nur zu bekannt vorkommen, haben sie es doch die vergangenen Monate im Zuge der Corona-Pandemie immer wieder gehört: Die Hände regelmäßig mit Seife waschen, desinfizieren, und nicht in die Hand, sondern in die Ellenbeuge husten oder niesen. Wer sich krank fühlt, sollte sich auf jeden Fall den Rat eines Arztes einholen und die Symptome abklären lassen.

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