Erfolgreiche Bewerbung im Bundes-Programm

Bönen, Zwönitz, Demmin, Münnerstadt: Dieses Quartett bringt es zu akademischen Würden

Ein Quartett der Kleinen vor großen Aufgaben: Wie die Zentren lebendig, die Orte attraktiv halten? Die Kleinstadt-Akademie berät.
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Ein Quartett der Kleinen vor großen Aufgaben: Wie die Zentren lebendig, die Orte attraktiv halten? Die Kleinstadt-Akademie berät.

Die Gemeinde wird Akademie-Standort. Nicht mit einem Hochschulbau samt Professoren- und Studentenschaft, sondern als Experimentierfeld fürs Selbststudium:

Bönen – Zwönitz. Nie gehört? Demmin, Münnerstadt? Nun, den Menschen dort dürfte es ähnlich ergehen, wenn von Bönen die Rede ist. Noch. Was die Vier verbindet, ist die neuerdings gemeinsame Herausforderung, als Kleinstadt mit zeitgemäßen Lebens- und Wirtschaftsbedingungen gegen den Sog der Zentren und des Online-Handels zu bestehen. „Kleinstadt-Akademie“ heißt dieses Projekt, mit dem das Quartett vielleicht sogar dafür sorgen kann, dass die ganze Republik diese Namen eines Tages kennt.

Wissenschaftlicher Part beim Institut für Urbanistik

Wie die Sachsen (Zwönitz), Mecklenburger (Demmin) und Franken (Münnerstadt) haben die hiesigen Westfalen sich beim Bund erfolgreich als Studien- und Versuchsstandort beworben. Der Minister für Inneres, Bauen und Heimat hat das Projekt „Innenstadt (be)leben“ aufgelegt, 400 000 Euro aus dem Programm fließen bis Anfang 2023 in das Vorhaben, mit dem Bönen und seine drei Mitstreiter unter Begleitung durch das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) mit- und voneinander lernen sollen.

Fußgängerzone ein „Forschungsprojekt“

Das hat Fachbereichsleiter Robert Eisler jüngst dem Planungsausschuss mitgeteilt. Bönens City-Managerin Sabine Radig, von Amts wegen eine Schlüsselfigur in dem nun zu gestaltenden Prozess, hat in einer Mitteilung erste Schritte umrissen. Um den absehbaren Wandel der schon erodierenden Fußgängerzone beispielsweise in willkommene Bahnen zu lenken, will die Kümmerin von der WFG im neuen Jahr alle wichtigen Akteure an einem Tisch versammeln.

Bürger, Händler, BIG und Politik gefordert

Bürger, Händler, die BIG als Interessenvertretung auch für Handwerk und Gewerben sowie Politik und Verwaltung sollen erörtern, was die Gemeindemitte in den nächsten Jahren eigentlich bieten soll und wie das erreicht oder gesichert werden kann. Und da lohnt immer ein Blick, was andere in vergleichbarer Lage getan haben, tun oder tun werden – und welche Erfahrung das beschert. Etwa in Zwönitz, Demmin oder Münnerstadt, das sei hier wiederholt, damit die Namen allmählich zum Begriff werden.

Erfahrungen mit der „Smart City“

Als „Perle das Erzgebirges“ kennt das Umland Zwönitz. Darüber hinaus macht der Flecken mit 12 000 Einwohner in acht Ortsteilen auf 64 Quadratkilometern (Bönen: 18 000; 38 km2 ) als „Smart City“ von sich reden: Mit dem Versuch, durch digitale Angebote und Infrastruktur – etwa ein Co-Working-Center als Alternative für Auspendler oder Gründer – den ländlichen Wohn- und Wirtschaftsstandort attraktiv und Infrastruktur verlässlich zu machen. So kommt dem Ort eine zentrale Rolle in der Akademie zu. Wie können online Menschen dazu gebracht werden, offline in die Stadt zu kommen, wie kann stationärer örtlicher Handel online sein Geschäft sichern?

Was hat den Zukunft in der Gemeindemitte?

Um derlei Fragen wird es gehen, wie auch um das unweigerliche Eingeständnis, dass Leerstände wohl nur zu beseitigen sind, wenn man auch andere Nutzungen in Betracht zieht. Wohnen beispielsweise, wie es der Städte- und Gemeindebund in seinen Empfehlungen für die City von morgen längst propagiert.

NRW-Zuschuss für Stärkung der Mitte

Zudem greift hier ein weiteres Förderprogramm, um das sich Bönen gleichfalls erfolgreich beworben hat. Aus der Corona-Hilfe des NRW-Bauministeriums, offiziell: „1. Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte“, fließen 27 000 Euro nach Bönen. Thema hier: Die Lockdown-Folgen, speziell durch Schließung der Läden und Lokale, ergo das Ausbluten der Mitte. Um dies zu verhindern, kann die Gemeinde mit dem Geld leere Geschäfte befristet mieten, um diese günstiger Händlern zu überlassen, die anders nicht zurecht kämen. Sie könnte, muss man angesichts der bescheidenen Summer wohl sagen, Immobilien auch kaufen, um Neues anzustoßen. Oder Fachleute einkaufen, die dafür ein Konzept auflegen und helfen, Eigentümer dafür zu gewinnen.

Umfassende Betrachtung vor dem Umbau

Für den Planer in Rathaus greift hier eins ums andere. Wenn sich Bönen mit 1,6 Millionen Euro Städtebauförderung im Rücken nächstes Jahr daran macht, die zeitgemäße Gestaltung der Fußgängerzone anzugehen, „hört das ja nicht an der Schaufensterscheibe auf“, so Eisler. Dazu gehörten auch Szenarien, was in den Gebäuden entlang der Bahnhofstraße in Zukunft für Leben und Attraktivität des Umfeldes sorgt.

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