Hochregal eingestürzt

ABC-Alarm in Klebstoff-Lager: Fünfstelliger Schaden

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ABC-Einsatz in Bönen bei TST

In Bönen war die Feuerwehr in der Nacht zum Donnerstag stundenlang im Gewerbegebiet im Einsatz. In einem Verteilzentrum für Klebstoffe waren Chemikalien ausgetreten. Laut Angaben der Firma TST könnte es sich um einen Handlingfehler eines Mitarbeiters gehandelt haben. Den Schaden schätzte das Logistikunternehmen im unteren fünfstelligen Bereich.

Update, 17.22 Uhr: 5000 Liter verschiedener Chemikalien seien bei dem Unfall bei der Logistik-Firma TST aus den defekten Containern ausgelaufen. Das schätzte Thomas Schaefer aus dem Havariemanagement des beauftragten Entsorgungsunternehmens Lobbe. Bis Freitag seien er und seine Kollegen noch mit den aufwendigen Aufräumarbeiten beschäftigt.

Unterdessen teilte der betroffenen Logistiker mit, dass er mit einer Schadenssumme im unteren fünfstelligen Bereich rechne. Der laufenden Betrieb sei allerdings nicht betroffen, weil die verschiedenen Hallenkomplexe hermetisch voneinander abgekoppelt werden könnten.  

Update 13.25 Uhr: Die Firma TST hat eine erste mögliche Ursache zu den mit Chemikalien gefüllten Container-Unfall in einer Pressemitteilung mitgeteilt. Demnach könnte es sich "um einen Handlingfehler eines Lagermitarbeiters handeln". Eine weitere Untersuchung soll Klarheit geben. Man mache sich zurzeit ein genaues Bild von dem Ereignisverlauf, heißt es. Definitiv, so betont die Firma, sei allerdings keine Hochregal zusammengebrochen, wie es in dem aktuellen WA-Bericht aus der Nacht geheißen hatte. Laut Timo Rinkewitz von der Bönener Feuerwehr wäre wohl ein IBC-Container von seinem Regalplatz gerutscht und habe andere Container mit sich gezogen. Dabei wurden die Container mit den Chemikalien dann beschädigt. "Zu keinem Zeitpunkt bestand Gefahr für Umwelt, Bevölkerung und Mitarbeiter", heißt es in der Pressemitteilung von TST. Die Firma bedankt sich ausdrücklich für die gute Arbeit der Feuerwehren.

Update. 12.45 Uhr: Bis 4 Uhr waren die Einsatzkräfte der Feuerwehr auf dem Firmengelände von TST im Einsatz. Der Pressesprecher der Bönener Feuerwehr, Timo Rinkewitz, berichtete, das alles gut ausgegangen sei. Auch habe es während des gesamten Großeinsatzes keine Verletzten gegeben. 150 Feuerwehrleute aus dem ganzen Kreis waren im Einsatz. Der Sachschaden und die Unfallursache sind noch unklar.  

Die unter Wasser stehenden Parkfläche, von denen im ersten Text die Rede ist, sind unabhängig von den Sicherheitseinrichtungen auf dem Gelände der Firma, wo Abflüsse in einem solchen Fall automatisch abgeriegelt werden, um ein Eindringen der Giftstoffe in die Kanalisation zu verhindern. Das Wasser auf dem Parkplatz bei den starken Regenfällen in der Nacht zu Donnerstag stamme von Problemen mit der Kanalisation. Die Bönener Feuerwehr pumpte zwischenzeitlich eine große Menge Wasser ab, nachdem die Gefahrenlage im Gebäude im Griff war, so Rinkewitz.   

Hier lesen sie unsere vorangegangene Berichterstattung: 

Bönen - Bis in die frühen Morgenstunden zog sich der Großeinsatz für die Feuerwehr im Bönener Gewerbegebiet. 

Um 21.42 Uhr hatten die Sirenen die Feuerwehr Bönen an die Siemensstraße gerufen. Bei der Firma TST (Trans Service Team), einem Verteilzentrum von Klebstoffprodukten des Henkel-Konzerns, war ein Hochregallager zusammengebrochen. Darauf gelagerte IBC-Container stürzten herunter. Mehrere dieser Behälter, gefüllt mit ätzenden bis brennbaren Substanzen, wurden dabei beschädigt. Die Inhaltsstoffe flossen aus.

Mehrere Gefahrensituationen zu bewältigen

"Wir hatten es also mit mehreren Gefahrstoffen zu tun", erklärte Brandmeister Timo Rinkewitz, Pressesprecher der Feuerwehr Bönen. Eine Situation, bei der sowohl die Hilfe der umliegenden Feuerwehren als auch von Spezialkräften gefragt war. Gegen 22 Uhr wurde daher der ABC-Zug Kreis Unna alarmiert, der von Kräften der Feuerwehren Bergkamen, Werne und Selm gebildet wird. 

Doch nicht nur der ausgelaufenen chemischen Produkte musste sich die Feuerwehr annehmen. Weil diese zum Teil brennbar waren, wurde an mehreren Stellen rund um das Gebäude vorsorglich ein Löschangriff vorbereitet.

ABC-Alarm bei TST in Bönen

Vorbeugend Löschangriff von drei Seiten vorbereitet

"Das ist eine rein vorbeugende Maßnahme, damit wir, wenn es zu brennen beginnen sollte, sofort von drei Seiten aus angreifen können", erklärte Rinkewitz das Vorgehen der Feuerwehr. Und weil brennende Chemikalien nicht unbedingt auf herkömmlichem Wege mit Wasser oder Schaum gelöscht werden können, waren aus dem gesamten Kreis Unna Sonderlöschfahrzeuge angefordert worden, die mit solchen Stoffen umgehen können.

Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreis im Einsatz

Die unzähligen Feuerwehrautos auf dem Firmengelände stammten daher auch aus Kamen, Fröndenberg, Schwerte und Unna. Zudem rückten der Fernmeldedienst des Kreises Unna, sämtliche Führungskräfte und das DRK-Bönen sowie die Katastrophenschutz-Komponente des DRK an. Nicht zu vergessen Rettungsdienst und Notärzte.

ABC-Einsatz in Bönen bei TST

Die Feuerwehr der Stadt Hamm übernahm den Grundschutz in Bönen und wäre ausgerückt, hätte es einen weiteren Feuerwehreinsatz auf Bönener Gemeindegebiet in der Nacht gegeben.  

Besonders anstrengende Arbeit für den ABC-Zug

ABC-Einsatz in Bönen bei TST

Am personalintensivsten war jedoch die Arbeit des ABC-Zugs, da sich die Feuerwehrleute in kompletter Schutzausrüstung und unter Atemschutz zu dem eingestürzten Gerüst und den dort verschütteten Flüssigkeiten vorarbeiten mussten. Eine Arbeit, die aufgrund der körperlichen Anstrengung nicht lange ausgeübt werden konnte. Die Kameraden mussten immer wieder abgelöst werden. Und wieder draußen, mussten sie samt Schutzkleidung durch die Hilfe weiterer Kräfte, ebenfalls in Schutzanzügen steckend, dekontaminiert werden. 

Schlimmeres konnte verhindert werden

Durch Abstreuen der ausgelaufenen Flüssigkeiten konnten die Spezialkräfte der Feuerwehr eine Ausbreitung der Gefahrenstelle jedoch verhindern, auch wenn die Substanzen zum Teil ineinander gelaufen waren und so eine unkalkulierbare latente Gefahr bestand. Eine unkontrollierbare chemische Reaktion blieb aber glücklicherweise aus. 

ABC-Einsatz in Bönen bei TST

Von Beginn an war der Feuerwehr klar gewesen, um welche Stoffe es sich handelte. "Bei der Firma weiß man auf den Liter genau, welche Chemikalien auf dem Gelände sind - und der Lagerleiter konnte sofort benennen, welche Container sich in dem eingestürzten Regal befunden hatten", lobte Rinkewitz die gute Zusammenarbeit mit TST.

Sicherheit hatte oberste Priorität

Dennoch hatte die Feuerwehr zu Beginn mit der Beantwortung der Fragen zu kämpfen, wie die Gefahrenstoffe generell reagieren, womit sie und ob sie eventuell untereinander reagieren und wie mit den Substanzen umzugehen hat. Sicherheitshalber wurde die Kanalisation des gesamten Firmengeländes abgeschiebert, damit keine Flüssigkeiten in den öffentlichen Kanal gelangen konnten. 

Das hatte jedoch auch zur Folge, dass nach den heftigen Regengüssen in der Nacht große Teile der Parkflächen unter Wasser standen und die Feuerwehrfahrzeuge teilweise umgeparkt werden mussten.

Entsorgungsunternehmen rückt noch in der Nacht an 

Gegen 1 Uhr in der Nacht traf dann der Entsorgungsspezialist Lobbe aus dem Märkischen Kreis in Bönen ein, und gemeinsam beratschlagten Feuerwehr und Fachfirma, wie die Stoffe aufgenommen werden konnten und entsorgt werden sollten. "Dazu werden nun noch weitere ABC-Trupps in das Gebäude gehen, um die einzelnen Stoffe zu identifizieren", erklärte Rinkewitz gegen 1.30 Uhr. 

ABC-Einsatz in Bönen bei TST

Das band die Einsatzkräfte noch etliche Zeit - "und allein der Rückbau wird uns Stunden beschäftigen", war Rinkewitz da schon klar, dass zahlreiche Rettungskräfte in dieser Nacht wohl keinen Schlaf mehr finden würden.      

Keine Verletzten, Ursache noch unklar

Warum das Hochregallager einstürzte, wurde in der Nacht nicht bekannt. Sicher war nur, dass kein Mitarbeiter der Firma dabei zu Schaden gekommen war - und auch die Feuerwehrleute überstanden die ersten Stunden des Einsatz nach ersten Mitteilungen unverletzt.

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