Bönen ist neuer Partner der Kulturloge Ruhr

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Fleur Vogel, Dirk Carbow und Brigitte Blömke (von links) stellen die Kulturloge Ruhr vor.

BÖNEN - Kultur ist teuer. Eintrittskarten für das Theater, die Oper oder ein Konzert kosten häufig 30, 40 Euro oder mehr. Wenn auch die Preise aufgrund der hohen Kosten für den Veranstalter gerechtfertigt sind, so passen sie doch oft nicht in das Budget vieler Menschen.

An diesem Punkt setzt seit 2010 die Kulturloge Ruhr an. Sie vermittelt kostenlose Eintrittskarten an Interessierte in finanziell schwachen Situationen. Die Gemeinde Bönen unterstützt jetzt als Kultur- und Sozialpartner dieses Anliegen.

„Die Kulturloge Ruhr möchte Menschen in prekären finanziellen Situationen die Teilhabe an der Gesellschaft und dem Kulturleben ermöglichen“, erklärt die zweite Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins aus Essen, Brigitte Blömke. Sie stellte das Projekt gestern gemeinsam mit Gemeindekämmerer Dirk Carbow und Fleur Vogel vom Bönener Kulturbüro im Rathaus vor.

Das Prinzip funktioniert recht einfach: Anspruch, Kulturgast zu werden, – so nennt der Verein seine Klienten – haben alle, die Grundsicherung nach dem SGB XII oder Wohngeld beziehen oder sich um Asyl bewerben. Sie können sich jetzt an die Wohngeldstelle der Gemeinde wenden und sich ihren Anspruch bestätigen lassen. Das Angebot richtet sich an Senioren mit Grundsicherung, Familien mit geringem Einkommen, Kunden der Agentur für Arbeit oder der Tafel und Sozialhilfeempfänger. Bei der Anmeldung kann angegeben werden, woran Interesse besteht, etwa an Oper, Rockmusik, Tanz, Museen oder auch Kino oder Kinderprogramm. Ihr Antrag wird dann an die Zentrale nach Essen weitergeleitet und in eine Datenbank eingegeben.

Derzeit hat der Verein rund 100 ehrenamtliche Helfer in inzwischen zehn Filialen, die die Kulturgäste jeweils anrufen und ihnen zwei Karten für Veranstaltungen anbieten. So können die Teilnehmer immer eine Begleitung ihrer Wahl mitnehmen. Bei Familien werden gegebenenfalls alle Mitglieder berücksichtigt.

Die Kulturloge Ruhr:  Gegründet hat sich der gemeinnützige Verein im Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit geringem Einkommen den Zugang zu kulturellen Veranstaltungen im gesamten Ruhrgebiet zu ermöglichen. In den vergangenen fünf Jahren wurden so mehr als 32 000 Eintrittskarten für rund 3700 Veranstaltungen kostenlos verteilt. Sie werden von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt. Die Tickets werden nach persönlichem Interesse der etwa 3500 registrierten Kulturgäste vergeben. Die Bandbreite der Angebote ist dabei enorm. Sie reicht von Schauspiel über Rockkonzerte und Comedy bis hin zu Kino und Sportveranstaltungen. Der Kreis Unna gehört ebenso zu den Partnern wie Dortmund, Gelsenkirchen und nun auch der Gemeinde Bönen. - pin

Die Karten sind komplett kostenlos und werden der Kulturloge Ruhr von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt. Die Besucher werden auf eine Gästeliste gesetzt und müssen sich lediglich eine halbe Stunde vor Beginn der Aufführung oder des Programms an der Abendkasse melden. „Inzwischen haben wir sehr viele private Partner, zum Beispiel Programmkinos, Kleinkunstbühnen oder Theater“, erzählt Brigitte Blömke. Insgesamt hat ihr Verein zurzeit knapp 2010 Kulturpartner im gesamten Ruhrgebiet.

In Bönen wird zunächst die Gemeinde Karten für ihre eigenen Veranstaltungen, zum Beispiel für die Klein.kunst.stücke, zur Verfügung stellen. Willkommen sind aber natürlich auch alle anderen Veranstalter im Ort. Sie können sich an das Kulturbüro wenden. „Wir erhoffen uns natürlich, dass dadurch auch Menschen aus anderen Orten zu uns nach Bönen kommen“, sagt Fleur Vogel. Profitieren würden alle davon: Die Gäste, die kostenlos Kultur genießen, die Veranstalter, die volle Säle haben und nicht zuletzt die Künstler, die mehr Applaus bekommen. Voraussetzung dafür sei allerdings eine gewisse Mobilität, so Brigitte Blömke. Angebote gibt es im gesamten Bereich des Regionalverbandes Ruhr, von Dinslaken bis Bönen.

Momentan hat der Verein vor allem Probleme, potenzielle Kulturgäste zu erreichen. Deshalb sind die Ehrenamtlichen in den zehn Dependancen damit beschäftigt, Berechtigte anzusprechen und einzuladen. Die Idee weitertragen

In Bönen wird es eine solche Zweigstelle vorerst nicht geben, deshalb würde die Kulturbeauftragte sich freuen, in der Kommune Multiplikatoren zu finden, die die Idee an mögliche Interessenten weitertragen. Das können caritative Einrichtungen sein wie Kirchengemeinden, Kindergärten, Schulen oder wohltätige Verbände. „Organisationen wie der Tafel, der Caritas oder der Awo vertrauen wir“, erklärt Brigitte Blömke. „Wenn sie die Bedürftigkeit bestätigen, dann werden die Betreffenden in die Kartei aufgenommen.“ Die Anmeldungen liegen in allen öffentlichen Einrichtungen und bei wohltätigen Organisationen aus. -pin

Informationen erteilt Fleur Vogel vom Kulturbüro der Gemeinde unter der Rufnummer 93 32 53. Die Kulturloge Ruhr ist erreichbar unter der Telefonnummer 02 01/17 19 55 90 oder im Internet auf der Seite www.kulturloge.ruhr.

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