Virus wird wohl Bönen erreichen

Gibt es genug Mundschutz-Nachschub? Wichtige Fragen zum Coronavirus beantwortet

Coronavirus: Apothekerinnen und Ärzte aus Bönen beantworten wichtige Fragen.
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Coronavirus: Apothekerinnen und Ärzte aus Bönen beantworten wichtige Fragen.

Das Corona-Virus ist auf dem Vormarsch. Nach China und Italien treten jetzt erste Fälle in NRW auf. Panik ist aber nicht angebracht, sagen übereinstimmend alle Experten. Dennoch führt das näherrückende Virus auch in Bönen teilweise zu Hamsterkäufen von Mundschutz und Desinfektionsmitteln.

Bönen - Bei einem Bönener Hausarzt hat sich bisher ein Patient gemeldet mit dem Verdacht, am Corona-Virus erkrankt zu sein. Der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt. Seit Ausbruch der Krankheit in China erleben die Bönener Apotheken eine enorme Nachfrage nach Mundschutz und Desinfektionsmitteln. Was kann man tun, um sich zu schützen vor dem Corona-Virus.

 Denn dass es früher oder später auch Bönen erreichen wird, da ist sich der Bönener Hausarzt Dr. Eugen Sander ziemlich sicher. „Das kann man nicht aufhalten.“ Die Nachfrage nach Mundschutz und Desinfektionsmitteln ist enorm. 

Gibt es überhaupt noch ausreichend Nachschub? 

„Mundschutz ist bei uns komplett ausverkauft“, sagt Apothekerin Anke Döpker, die für die Apotheke am Brunnen, am Bahnhof und die Marienapotheke spricht. „Wir können auch nicht nachbestellen, denn die Hersteller kommen zur Zeit nicht mehr hinterher. Desinfektionsmittel sind noch erhältlich, aber einzelne Größen werden ebenfalls bereits knapp.“ 

Ähnliches berichtet Apothekerin Margot Tegethoff aus der Bärenapotheke. „Wir haben noch ein Paket Mundschutz vorrätig. Danach sind Lieferungen erst mal nicht mehr möglich. Wir geben Mundschutz jetzt einzeln ab. Schließlich soll ja eine Breitenwirkung entstehen.“ Sie appelliert deshalb an ihre Kollegen und an Drogerien, Hamsterkäufe zu unterbinden. 

Es mache keinen Sinn, die Artikel für Monate zu horten. Ähnlich sei es mit Desinfektionsmitteln. Ohnehin sei nicht klar, ob der einfache Mundschutz überhaupt ausreichend Schutz bietet gegen das Corona-Virus, räumt Anke Döpker ein. Dr. Eugen Sander sagt dagegen klar, dass ein einfacher Nasen-Mund-Schutz nicht ausreicht, um das Virus abzuwehren. 

Damit könnten umgekehrt Menschen, die vermuten, am Corona-Virus erkrankt zu sein, die Verbreitung eindämmen. Wichtig sei, dass die Menschen sich nicht in falscher Sicherheit wiegen, weil sie eine Maske tragen, betont Margot Tegethoff. 

Was kann man konkret tun, um sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen? 

„Hygiene ist das A und O“, sagt Anke Döpker. „Dazu gehört zum Beispiel, in die Armbeuge zu husten oder zu niesen und nicht in die Hand. Es sollten Einmaltaschentücher benutzt werden, die anschließend in Abfalleimern mit Deckel entsorgt werden.“ Ähnlich wie beim Grippevirus sollten die Hände häufig und besonders gründlich gewaschen werden. „Ein Desinfektionsmittel hilft. Allerdings wirkt nicht jedes Produkt. Geeignet sind auf Ethanol basierende Mittel mit mindestens 62 Prozent Ethanol oder auf Alkohol basierende Mittel auf Propanolbasis.“ 

Man könne seine Hände aber auch mit Seife hygienisch reinigen. „Aber bitte nicht nur einen Spritzer in die Hand und einmal kurz verreiben“, betont Döpker. „Das sollte schon richtig verteilt werden und ausgiebig – auch in den Fingerzwischenräumen – verrieben werden, sonst nützt es nichts.“ In der Apotheke würden zur Zeit, auch weil das Grippevirus umgeht, häufiger die Verkaufstheken abgewischt. Dazu brauche man allerdings nicht die knapp werdenden Körperdesinfektionsmittel verwenden, die gebe es auch zur Flächendesinfektion. Mehr Desinfektion in öffentlichen Räumen wünscht sich Margot Tegethoff. 

„Zum Beispiel wäre es hilfreich, wenn im Rathaus und anderen öffentlichen Gebäuden Türklinken und Tische häufiger gereinigt würden.“ Wer ein geschwächtes Immunsystem hat, der sollte sich derzeit von Massenveranstaltungen fernhalten und nicht gerade in vollen Zügen ins Fußballstadion fahren, ergänzt Dr. Eugen Sander. Zudem sollten ein bis zwei Meter Abstand zu anderen gehalten und auf das Händeschütteln verzichtet werden. 

Wer ist denn besonders gefährdet, sich mit dem Corona-Virus anzustecken? 

Alle Menschen deren Immunsystem geschwächt ist durch Vorerkrankungen, also beispielsweise Menschen mit Herz- und Lungenerkrankungen oder Diabetes seien besonders gefährdet, so Dr. Eugen Sander. Allerdings sei die Gefährdung durch den Corona-Virus zunächst einmal nicht größer als durch das Grippevirus, das jedes Jahr um diese Zeit umgeht. Da mache sich aber niemand Gedanken, obwohl es jedes Jahr Todesfälle gebe. „Nicht jeder, der sich mit dem Corona-Virus ansteckt, stirbt daran“, macht Sander klar. 

„Beim Corona-Virus gehen wir derzeit davon aus, dass 98 Prozent der Erkrankten das Virus überleben.“ Gefährlich werde die Ansteckung vor allem für gesundheitlich angeschlagene Menschen. Bisher gab es weltweit rund 80.000 Infizierte und 2600 Tote. Zum Vergleich: Auch in einer normalen Grippewelle sterben zum Teil mehr als 20.000 Menschen – allein in Deutschland. 

Wie sehen die Symptome einer Corona-Erkrankung aus? 

Viele Menschen, die sich angesteckt haben, haben nur leichte Erkältungssymptome wie Frösteln und Halsschmerzen – manchmal treten auch gar keine auffälligen Symptome auf. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich. 

Wie kann ich erkennen, ob es sich um eine Grippe oder das Corona-Virus handelt? 

Als Laie ist das praktisch nicht zu unterscheiden, da die Symptome ähnlich sind. „Einen Schnelltest in der Apotheke gibt es leider nicht“, sagt Anke Döpke. „Das kann nur der Arzt feststellen.“ „Letztlich kann nur eine Laboruntersuchung Klarheit bringen“, sagt Dr. Eugen Sander. „Im Verdachtsfall muss ein Abstrich gemacht werden, der an das Referenzlabor nach Berlin eingeschickt und dort untersucht wird.“ 

Wer sollte besonders aufmerksam seinen Gesundheitszustand beobachten? 

„Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder Kontakt mit einer am Coronavirus erkrankten Person hatten und innerhalb von 14 Tagen Krankheitszeichen wie Fieber oder Atemwegsprobleme entwickeln, sollten ihren Arzt aufsuchen“, rät Dr. Eugen Sander. Was tue ich, wenn ich den Verdacht habe, es könnte mich erwischt haben? Sofort Kontakt mit dem Arzt aufnehmen. 

Wichtig dabei: Vorher anrufen! Bei Verdacht auf eine Infizierung mit dem Corona-Virus sollte der Besuch in einer Praxis oder einem Krankenhaus unbedingt vorher angekündigt werden. Dabei können zugleich Hinweise auf Kontakte und Krankheitszeichen gegeben werden. „Auf keinen Fall einfach ins Wartezimmer setzen, weil dadurch im Falle eines Falles die Krankheit weiter verbreitet werden könnte“, warnt Sander. Wenn sich der Verdacht erhärtet, muss das Gesundheitsamt umgehend informiert werden. 

Wie lange dauert es zwischen einer Ansteckung und dem Auftreten von Symptomen? 

Das ist sehr unterschiedlich. Nach bisherigen Erkenntnissen kann es zwischen zwei und 14 Tagen dauern. Gibt es eine Therapie gegen das Corona-Virus? Eine spezielle Therapie gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln etwa und in schweren Fällen mit künstlicher Beatmung. 

Kann ich mich gegen das Corona-Virus wie gegen die Grippe impfen lassen? 

Nein, bisher gibt es keinen Impfstoff. Warum müssen Kontaktpersonen 14 Tage in Quarantäne? Eine weitere Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus soll so weit wie möglich verhindert oder zumindest verlangsamt werden. Für Kontaktpersonen legt das Gesundheitsamt im Einzelfall das konkrete Vorgehen fest. 

Wie wahrscheinlich ist es dass sich das Corona-Virus auch in Bönen ausbreitet? 

„Ich bin sicher, dass wir das nicht aufhalten können“, sagt Dr. Eugen Sander. „Früher oder später wird das Corona-Virus auch Bönen erreichen. Bei den Fällen in Heinsberg ist von vielen Kontaktpersonen auszugehen, die noch nicht bekannt sind. Die geben den Virus jetzt weiter. Das potenziert sich. Da würde es mich wundern, wenn wir nicht auch irgendwann betroffen sind.

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