Da geht noch was

Lehrstellen: IHK, Handwerk und Unternehmen melden noch freie Stellen

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Die Schule ist zu Ende und die große Frage steht an, was nun? Viele Jugendliche haben im Ausbildungsjahr 2020 aktuell noch keinen Ausbildungsplatz. Aber da geht noch was, sagen Arbeitsagentur, IHK und Handwerk, denn viele Unternehmen sind durchaus flexibel, was den Eintrittstermin betrifft. Auch in der Gemeinde Bönen sind noch Ausbildungsstellen unbesetzt. Wer jetzt noch eine Lehrstelle für 2020 finden will, muss allerdings Gas geben.

Bönen – Viele junge Menschen haben in diesem Jahr noch die Chance auf eine Lehrstelle.

Wie viele Stellen sind noch unbesetzt?

Aktuell meldet die Handwerkskammer Dortmund in ihrem Kammerbezirk noch 917 unbesetzte Lehrstellen. Auch die Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, die die Kreise Unna und Soest sowie die Stadt Hamm betreut, meldet noch 111 unbesetzte Ausbildungsplätze.

Warum sind noch zahlreiche Schulabgänger unversorgt?

Die Gründe, warum jemand noch nicht „aus den Hufen gekommen“ ist, und jetzt ohne Ausbildungsstelle zu Hause sitzt, sind vielfältig, wissen die Berater der Arbeitsagentur Hamm. Die Spätzünder gebe es auch ohne Corona jedes Jahr, so die Erfahrung in der Arbeitsagentur. Oft klappe es nicht mit dem weiteren Schulbesuch oder eine Ausbildung ist dann doch eher angesagt als ein Studium oder die Fortsetzung der Schule, dann muss schnell noch ein Plan B her. Viele wissen auch einfach nicht, wo die Reise hingehen soll. Ich weiß nicht, was ich werden soll? Das ist oft die Grundfrage, trotz verschiedener Praktika, mit der sich die Schulabgänger an die Berater wenden. Die sprechen von „Muttivation“, weil Mutti für die nötige Motivation sorgt, sich jetzt endlich mal um die berufliche Zukunft zu kümmern. Immerhin gibt es über 5000 Berufe, die man ausüben könnte – wenn man wüsste, was man will. Da gilt es erst mal, in der Beratung, die die Arbeitsagentur anbietet, Stärken und Interessen herauszufinden.

Können Azubis auch später starten?

Als Termin für den Berufsstart gilt zwar der 1. August, aber „gerade in Corona-Zeiten ist es gut zu wissen, dass die Ausbildung nicht zwingend zum 1. August oder 1. September eines Jahres aufgenommen werden muss“, sagt Tobias Schmidt, Leiter der Ausbildungsberatung und Lehrstellenvermittlung der Handwerkskammer Dortmund. Vielmehr sei es möglich, auch erst am 1. Oktober oder sogar noch im November zu starten. „Auch wer erst später einsteigen will oder kann, findet im Handwerk immer noch eine passende Stelle“, wirbt Ausbildungs-Coach Dietmar Stemann von der Kreishandwerkerschaft um Nachwuchs. „Aktuell ist eigentlich für jeden noch das Richtige dabei: Vom Bäcker und Dachdecker über Elektroniker, Fleischer und Friseure bis zum Kfz-Mechatroniker, Maler, Metallbauer oder Tischler können wir noch Angebot und Nachfrage zusammenbringen.“

Dabei sei kaum bekannt, dass Azubis auch später noch unter bestimmten Vorraussetzungen mit einer Ausbildung starten können. „Denn auch die Entscheidung zu einem Handwerksberuf sollte nicht einfach aus dem Bauch heraus getroffen werden“, rät Stemann. Wichtig sei, sich gut beraten zu lassen, Kontakte zu möglichen Ausbildungsbetrieben über ein Praktikum zu knüpfen und eigene Eindrücke zu gewinnen. „Dann klappt es auch noch mit dem Einstieg ins Handwerk, denn am 1. August ist längst nicht alles gelaufen!“

Wie ist die Situation in Bönen?

Ein Blick in die Lehrstellenbörse von HWK und IHK (siehe Kasten links) zeigt, dass es sogar direkt vor Ort noch freie Ausbildungsstellen gibt. Ob Speditionskaufmann, Verfahrensmechaniker oder Medientechnologe, auch „last minute“ bieten Bönener Arbeitgeber noch Ausbildungsplätze an.

Bei Rewe Karwoth sind aktuell bereits drei Auszubildende beschäftigt. „Wir hatten bereits einen vierten Azubi, der den Beruf des Verkäufers bei uns erlernen wollte mit der Option, nach zwei Jahren den Einzelhandelskaufmann noch dranzuhängen“, berichtet Adam Karwoth. „Leider ist er kurzfristig abgesprungen. Die Stelle ist also wieder zu besetzen.“ Interessenten können ihre Bewerbung persönlich oder schriftlich an den Rewe-Geschäftsführer richten.

Bei der Volksbank Bönen ist die Bewerbungsfrist für dieses Jahr bereits verstrichen. Am 3. August starten zwei Männer und eine Frau ihre Ausbildung zum Bankkaufmann beziehungsweise zur Bankkauffrau. Das Bönener Geldinstitut plant bereits das Ausbildungsjahr 2021. „Die Bewerbungsfrist endet im Oktober/November“, sagt Benedikt Kemmann. „Interessenten können sich jetzt schon bewerben.“ Dabei sei ein Abitur nicht Voraussetzung. „Bewerben können sich Schüler mit einem Realschulabschluss, aber auch Hauptschüler. Grundsätzlich hat jeder eine Chance. Entscheidend ist letztlich der persönliche Eindruck, den ein Bewerber im Gespräch oder im Einstellungstest hinterlässt.“

Der größte Arbeitgeber in der Gemeinde, der Textildiscounter Kik wird nach Auskunft eines Sprechers trotz Einfluss der Coronakrise auf den Einzelhandel seine Einstellungszahlen von 2019 noch übertreffen.

Insgesamt starten rund 700 Azubis in elf verschiedenen Ausbildungsberufen in ganz Deutschland – gut 50 mehr als im Vorjahr.

23 Azubis beginnen ihre Ausbildung in sieben verschiedenen Ausbildungsberufen in der Europazentrale in Bönen, darunter als Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement, Kaufmann für Büromanagement und als Kaufmann für Marketingkommunikation. „Für das Ausbildungsjahr 2020 können sich alle, die an einer Karriere im Einzelhandel interessiert sind, noch bis Ende September für Ausbildungsstellen im Vertrieb oder in der Europazentrale bewerben“, so ein Kik-Sprecher. „In der Europazentrale Bönen gibt es noch freie Ausbildungsstellen als Personaldienstleitungskaufmann, als Kaufmann für Digitalisierungsmanagement oder als Immobilienkaufmann.“

Informationen zu Azubistellen in der Region

Noch bis Ende September können sich Interessierte für offene Ausbildungsstellen beim Textildiscounter Kik bewerben. In der Europazentrale Bönen gibt es noch freie Ausbildungsstellen als Personaldienstleitungskaufmann, als Kaufmann für Digitalisierungsmanagement oder als Immobilienkaufmann. Informationen dazu finden sich auf der Webseite: https://www.kik.de/unternehmen/karriere/schueler-ausbildungsinteressierte/ Noch nicht besetzte Ausbildungsplätze in Bönen und im Kreis Unna (auch in Hamm und Dortmund) in Industrie und Handel finden sich über die IHK-Lehrstellenbörse: https://www.ihk-lehrstellenboerse.de/ Wer beim Finden des Wunschberufes oder bei der Bewerbung um eine Lehrstelle im Handwerk Hilfe benötigt, kann sich an die Lehrstellenvermittler der Handwerkskammer Dortmund wenden unter Telefon 02 31/5 49 33 33, per E-Mail an ausbildungsberatung@hwk-do.de oder im Internet: www.hwk-do.de/ausbildung. Die Lehrstellenbörse der HWK findet sich unter: https://bz.hwk-do.de/de/ausbildung/wissenswertes-fuer-schueler/lehrstellenboerse Die Berufsberatung der Arbeitsagentur Hamm ist telefonisch unter 02303 / 2807 111 für Jugendliche im Kreis Unna wochentags von 8 bis 15.30 Uhr, freitags von 8 bis 14 Uhr erreichbar.

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