Juckreiz und Atembeschwerden

Immer mehr Bönener kommen in Kontakt mit giftigen Raupenhaaren

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Salben können in manchen Fällen den Juckreiz schon lindern.

Sie sorgen für einen unangenehmen Juckreiz, können sogar zu Atemnot und allergischen Schocks führen: die Eichenprozessionsspinner, oder besser gesagt: ihre Härchen, die sich mit dem Wind verbreiten. Auch in Bönen machen die lästigen Haare die Runde. Immer mehr Bönener haben mit Beschwerden zu kämpfen, denn die Tiere verstecken sich überall in der Gemeinde.

Bönen – Apotheker Stefan Oyen hatte zwar noch nicht allzu viele Fälle, doch vereinzelt gebe es immer mal Kunden, die mit Brennen, Rötungen oder Entzündungen Hilfe in der Apotheke suchen. Häufig sei es so, dass die Reaktionen erst einen Tag später auftreten. „Die Beschwerden können dann auch durchaus eine Woche anhalten“, sagt Oyen. Helfen sollen cortisonhaltige Salben oder Antihistaminika. Mit den Beschwerden sei jedoch nicht zu spaßen. Im Extremfall können die Haare beispielsweise sogar zu schwersten Atemwegsreaktionen führen, wenn sie eingeatmet wurden. Daher empfiehlt der Apotheker, bei schwerwiegenden Fällen wie zum Beispiel Atemnot oder tränenden Augen einen Arzt aufzusuchen.

Schwierig, eine Diagnose zu stellen

Der Bönener Arzt Dr. Eugen Sander erzählt, dass er bisher nicht viele Patienten mit Beschwerden hatte, die auf die Eichenprozessionsspinner zurückzuführen sind. „Ich hatte zum Beispiel einen Fall, da ist eine Frau vorher durch einen Eichenwald gegangen. Aber hier war nicht ganz klar, ob das überhaupt durch die Tiere hervorgerufen wurde“, erzählt Sander. Es komme auf die Ausprägung an, was der Arzt den Patienten empfiehlt. Abhilfe verschaffen zum Beispiel Fenistil Gel oder eine Cortisonsalbe. Ist beispielsweise der ganze Körper betroffen, kann auch eine Cortisontablette zum Einsatz kommen.

Bisher mehr Patienten, denen der Schmetterlingsnachwuchs zu schaffen machten, hatte in diesem Jahr der Bönener Kinderarzt Jürgen Krüger. Im vergangenen Jahr seien zwar deutlich mehr Betroffene in seiner Praxis gewesen, das kann sich aber laut Krüger noch ändern. An einen Fall aus dem vergangenen Jahr erinnert sich der Kinderarzt besonders. „Bei einem Kind waren die kompletten Hände geschwollen, wie bei einem Wespenstich oder als sei es in einen Mückenschwarm geraten“, beschreibt Krüger den Anblick der Hände.

Auch seien bei einem Kind die Augen angeschwollen, nachdem die Härchen der Eichenprozessionsspinner in die Nähe der Augen gelangt waren.

Nach ein paar Tagen seien Beschwerden wie Jucken oder Ausschläge meistens weg. Oft sei es jedoch schwierig, erst einmal zu erkennen, ob die Symptome überhaupt mit den fiesen Härchen der unscheinbaren Tiere zusammenhängen. Ist dies jedoch der Fall, kommen dann zum Beispiel Fenistil Gel, Cortisonsalbe oder Cetericin zum Einsatz.

Die Anzahl der betroffenen Kinder, die die Praxis von Dr. Jürgen Krüger besuchen, hänge vor allem damit zusammen, wie sehr die durch die Raupen des Eichenprozessionsspinners hervorgerufene Gefahr eingedämmt wird.

Um diese Gefahr möglichst gering zu halten, wendet die Gemeinde mehrere Methoden an. Eine Möglichkeit ist beispielsweise, die Nester, in denen die Raupen zusammenkommen, abzusaugen. „Ein Baumkontrolleur guckt sich die Nester an und dann wird entschieden, ob die Nester abgesaugt oder der Bereich drumherum abgesperrt wird“, erklärt Maximilian Drexler, Umweltschutzbeauftragter der Gemeinde Bönen. Entfernt werden Nester vor allem dort, wo Menschen öfter in Kontakt mit den Nachtfaltern kommen könnten, sei es an Kindertagesstätten, Schulen oder Bushaltestellen.

Wie viele Nester die Gemeinde in diesem Jahr bereits entfernt hat, kann er nicht genau sagen, denn es seien zu viele. „An einem Baum kann ein Nest, aber auch mal zehn Nester hängen. Das kann man nicht so genau sagen, wie viele wir schon entfernt haben“, sagt Drexler. Abgeschlossen sind die Arbeiten rund um die kleinen Tierchen in der Gemeinde nicht.

„Noch kann man keine Entwarnung geben. Das wird sich im Laufe der nächsten Wochen ändern, denn der natürliche Lebenszyklus der Tiere sieht vor, dass sie sich zu einem Schmetterling entwickeln und dann sind sie erst im nächsten Jahr wieder Gefahrenpotenzial“, sagt Drexler. Bis dahin wird es aber noch die eine oder andere Stelle geben, an denen die Gemeinde sich um die Nester der Eichenprozessionsspinner kümmern muss.

Fadenwürmer sollen helfen

Neben dem Absaugen wendet die Gemeinde zudem EPS-Fallen an. „An einigen Standorten sind die Beutel gefüllt, an einigen nicht“, stellt Drexler fest. Wie zielführend die Fallen letztlich sind, könne man wohl erst im Herbst sagen.

Auch mit sogenannten Nematoden hat die Gemeinde schon gearbeitet. Dabei handelt es sich um kleine Fadenwürmer. Diese befinden sich in einer klebrigen Flüssigkeit, die auf die betroffenen Bäume gesprüht werden. Die Würmer setzen sich auf die Insekten und infizieren sie mit einem tödlichen Gift.

Auf die Frage, ob man spezielle Stellen aufgrund der Raupen besonders meiden sollte, antwortet Drexler: „Generell sollte man überall aufpassen. Die Härchen fliegen mitunter sehr weit“, erklärt Drexler.

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