Einige Hürden

Desinfektionsmittel statt Weihwasser: Gottesdienste starten noch nicht wieder am 1. Mai

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So leer werden die Kirchen in Bönen – wie hier die Alte Kirche – nicht mehr lange sein: Ab Mai sind unter strengen Auflagen wieder Gottesdienste erlaubt.

Seit Montag werden Gerüste an der St. Bonifatius Kirche in Bönen errichtet, das Gebäude verschwindet für einige Monate ganz in der Baustelle, alles soll aufpoliert, erneuert, verbessert werden. Diese Kirche wird nicht im nächsten Monat wieder für Gottesdienste geöffnet sein – in allen anderen dürfen aber bald wieder religiöse Veranstaltungen stattfinden. Bis es allerdings wieder normal zur Messe läuten kann, gibt es einige Hürden zu überwinden.

Bönen - Seit Donnerstag ist bekannt, dass die Landesregierung ab dem 1. Mai wieder Gottesdienste und Versammlungen zur Religionsausübung erlaubt. Zuvor waren nur geöffnete Kirchen zum stillen Gebet erlaubt, wie es sie beispielsweise am Sonntag in der Christus-König-Kirche in Bönen und der Herz-Jesu-Kirche in Heeren von 10 bis 12 Uhr geben wird.

Die Zeit der rein digitalen Gottesdienste ist trotzdem bald vorbei, doch sowohl die evangelischen als auch katholischen Gemeinden pfeilen noch an den genauen Umsetzungen der Konzepte. Der evangelische Pfarrer Joachim Zierke und der katholische Pfarrer Benno Heimbrodt erklären, dass sie am ersten erlaubten Sonntag, den 3. Mai, nicht direkt werden einsteigen können. „Ich rechne damit, dass wir normale Gottesdienste eher um Pfingsten herum wieder werden feiern können“, sagte Zierke.

Das genaue Vorgehen in der evangelischen Kirche besprechen die Presbyter in zwei Wochen. Denn auch im Gottesdienst müssen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus’ bedacht werden. Die Öffnung zum Gottesdienst bedeutet aber nicht, dass Konfirmationen wieder stattfinden werden. „Diese werden wir definitiv nicht im Mai durchführen“, erklärt Zierke. „Wir konfirmieren immer 15 bis 20 Jugendliche. Wenn die Familien zum Gottesdienst kommen, sind die Kirchen rappelvoll. Dann können wir nicht dafür sorgen, dass ausreichend Abstand eingehalten wird.“ Denn Kirchbesuche in Coronazeiten bedeuten Desinfektionsmittelspender statt Weihwasserbecken, Abstandhalter auf den Kirchbänken und keine Friedensgrüße, keine Berührung.

Die Kommunionskinder schickten zu Ostern süße Grüße, bis zu ihrem Fest wird es noch dauern.

Pfarrer Benno Heimbrodt von der Pfarrei St. Barbara Bönen und Heeren erzählt, dass es bereits Informationen zu den Rahmenbedingungen vom Erzbistum in Paderborn gab. Noch sei aber nicht klar, wie es genau weitergehen soll, dazu bespreche man sich in der nächsten Woche. „Wir warten die Folgen der Lockerungen ab und hoffen, dass es keinen Rückschlag gibt“, sagt der Pfarrer. „Einen normalen Gottesdienst feiern zu können, das ist für uns noch Zukunftsmusik.“

Auch die heiligen Erstkommunionen werden nicht in nächster Zeit gefeiert werden. Heimbrodt rechnet damit, dass diese frühestens im Herbst nachgeholt werden können.

Ramadan in Pandemie-Zeiten

Der muslimische Fastenmonat Ramadan hat am Freitag, 24. April, begonnen. Die traditionellen Rituale sind ebenfalls von den Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie betroffen. In einem Brief an die Migrantenorganisationen und Integrationsräte im Kreis Unna schreibt Landrat Michael Makiolla: „Die Bedeutung der so wichtigen Hygienevorschriften und Kontaktbeschränkungen ist religionsübergreifend bei den Menschen angekommen.“ Er appelliert, weiterhin enge Kontakte und Zusammenkünfte außerhalb der Kernfamilie auch im Fastenmonat Ramadan auszulassen. Da die gemeinschaftlichen Gebete noch untersagt sind und bereits vor dem Fastenmonat nicht praktiziert wurden, wird auch auf das gemeinsame Fastenbrechen innerhalb des Fastenmonats verzichtet.

Die muslimischen Gemeinden setzen auf alternative Kommunikationswege über die Sozialen Medien, wie etwa Facebook, Instagram und YouTube. Auch für Gesprächskreise wie „Sohbet“ (Frauentreffpunkte zu religiösen Themen) werden digitale Lösungen gefunden. „Ich danke allen Moscheevereinen, Religions- und Glaubensgemeinschaften und allen Gläubigen ganz persönlich für ihre Mitwirkung in dieser schwierigen Zeit“, unterstreicht Landrat Makiolla. Unter den Beschränkungen leiden vor allem die Seniorinnen und Senioren, für die die Zusammenkünfte mehr waren als ein reines Gebet – sie dienten auch der Kontaktpflege, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen.

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