Aus Bönen auf die Bühne: Melissa Niemann macht Ausbildung zur Musicaldarstellerin 

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Melissa Niemann findet überall ihre Bühne, auch in der Dunkelheit am Bönener Gemeindeteich. Eigentlich singt sie aber in Hamburg, wo sie an der Stage School eine Ausbildung absolviert.

Bönen – „Kämpfe um mich“, stimmt Melissa Niemann an. Beim Fotoshooting am Gemeindeteich in Bönen. Die 27-jährige Bönenerin macht gerade eine Ausbildung zur Bühnendarstellerin in Hamburg. Den Titel aus dem Musical „Heathers“ hat sie als einen ihrer momentanen Lieblinge erkoren. 

„Fight for me – so das Original, ist rockig und träumerisch. Einfach verrückt komponiert“, begründet sie die Wahl.

Musicals hätten sie immer schon begeistert. In Starlight Express war ich mindestens sechs Mal“, sagt Niemann, „Das ist nicht ein einfaches Runtersingen. Musicals erzählen mit Hilfe von Gesang, Schauspiel und Tanz eine Geschichte. 

Es ist eine Show mit Emotionen, sehr komplex.“ Seit August beschäftigt sie sich intensiv mit dem Aufbau der Stücke. Sie hat sich an der privaten Hamburger „Stage School“ eingeschrieben. Das Unterrichtsfach, das Niemann anspricht, heißt „Repertoire“. Das beinhalte den Gesang, dann das Schauspiel zum Stück. „Da begreift man erst richtig, wieviel Gedanken sich die Komponisten und Texter machen, warum diese Tonartwechsel, warum überhaupt diese Tonart“. Alles, um Gefühle auszudrücken.

Zukunftspläne schon als Kind

„Ich wollte das früher schon mal machen, habe Mama die Schule im Internet gezeigt. Sie war, wie auch Papa, nicht begeistert von der Idee.“ Mutter Monika Niemann wie auch ihren Vater Andreas hätte zum einen das Attribut „privat“ abgeschreckt. Zum anderen die Unsicherheit, die die Berufswahl „freie Kunst“ immer mit sich bringt. Beide haben als IT-Fachmann und Pharmareferentin bürgerliche Berufe. Tochter Melissa liebte hingegen immer die Freiheit. Sie hat einen sogenannten gebrochenen Lebenslauf, verließ in Klasse elf das Marie-Curie-Gymnasium, ging für ein Jahr als Aupair nach Spanien. Nach der Rückkehr versuchte sie in Hamm das Abi nachzumachen. 

„Dann bin ich in eine Art Postpubertät gerutscht, wusste nicht wirklich, welchen Weg ich einschlagen sollte“, gibt Niemann freimütig zu. „Ich hab viel ausprobiert, hab Praktika in der Krankenpflege, in der Chirurgie gemacht, dann selbstständig gearbeitet. Ich habe Ghostwriting gemacht und Virtual Assistent. Das konnte ich im Home Office.“ Niemann hat nämlich eine jetzt fünfjährige Tochter Helena. Die Tochter lebt momentan unter der Woche beim Vater, am Wochenende bei der Mutter und deren Freund Carlo Mansfeld in Meschede. „Er ist auch Berufsmusiker mit eigenem Studio.“ Gemeinsam treten die beiden am Wochenende auf. 

Ballett- und Gesangsunterricht

Im Advent auf zahlreichen Weihnachtsmärkten, im Frühjahr und Sommer zum Beispiel auf Hochzeiten. „Daraus, aus der Arbeit in Hamburger Musical-Theatern und über einen Studienkredit der Schule finanziere ich die Ausbildung“, erklärt Niemann. Eventuell wird sie demnächst auf der hauseigenen Bühne ihr Geld verdienen. Die Stage School hat ein eigenes Theater in einem ehemaligen Kino in Altona. „60 Weihnachtsshows laufen dort im Advent, besetzt mit Schülern“, sagt Niemann. In den so genannten Monday Nights können die das Jahr über vor Publikum zeigen, wie weit sie sind. „Interne Shows sind jeden Mittwoch. 

Da gucken die Dozenten schon, wer Talent für die Bühne hat.“ Die Bönenerin wohnt unter der Woche im Wohnheim. Oder besser: Sie schläft dort. Die Tage sind mitunter lang. Unterrichtsbeginn ist morgens zwischen 8.30 und 9.45 Uhr. Die zwei bis fünf Fächer am Tag sind direkt hintereinander. Es gibt Einzelgesangsunterricht, im hauseigenen Studio tanzt sie Ballett. Das erste Mal in ihrem Leben. 

Dort wie auch im Schauspiel sieht Niemann die größten Entwicklungspotentiale bei sich. Gesungen hat sie schließlich, so lange sie denken kann. „Ich hab als Kind bei diesen Animationen im Urlaub schon immer mitgesungen. Auch später mit Papa am Bass in einer Band. Ich glaube, von ihm hab ich meine künstlerische Ader.“ Begeistert ist Niemann von den Dozenten in der dreijährigen Ausbildung zur Bühnendarstellerin. „Die sind absolut kompetent. Alle kommen aus der Praxis.“ 

Karriere in der Oper oder auf dem Kreuzfahrtschiff

Im Gesangsunterricht, im ersten Jahr stehen einige Opernarien an, entdeckte Niemann „Resonanzräume, die ich noch nicht kannte. In den paar Monaten habe ich schon gemerkt, dass ich vielseitiger werde.“ Nach Abschluss der Ausbildung landen die Absolventen nicht unbedingt in einem der vielen Musicals. „Man geht auf die Bühne, das kann Theater oder die Oper sein, aber auch ein Kreuzfahrtschiff.“ Niemann selbst würde gerne auf der Musicalbühne stehen. 

„Ob witzig oder dramatisch ist egal. Ich entdecke jeden Monat ein neues Musical. Aber ich habe keine klassische Stimme, meine Stimmlage sehe ich eher im poppig, rockigen Bereich.“ Momentan ist unterrichtsfreie Zeit, in der Sport betrieben werden soll. Hausaufgabe ist Sprechtechnik und eine Choreografie zu entwickeln für ein Stück ihrer Wahl. Und dann kümmert sie sich um Tochter „Leni“. „Sie ist die einzige in der Familie, die gerne singt.“

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