Statt Eigentümer Mieter im Lidl-Neubau

Bönen bekommt ein Rathaus vom Discounter

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Auf dem jetzigen Rathaus-Parkplatz will Lidl einen Lebensmittelmarkt und ein dreigeschossiges Verwaltungsgebäude errichten. Dort soll die Gemeindeverwaltung als Mieter einziehen

BÖNEN - Lidl macht’s möglich: Bönen soll ein neues Rathaus ungefähr am jetzigen Standort bekommen – allerdings nicht als Eigentümer, sondern als Mieter. Der Plan: Das bisherige Domizil der Gemeindeverwaltung soll samt Grundstück an den Lebensmitteldiscounter verkauft werden.

Der reißt dann die alten Gebäude auf dem Gelände zwischen Bahnhof und Marmelinghöfener Weg ab und errichtet dort einen großen Verbrauchermarkt mitsamt Verwaltungsgebäude. Die Räume dort mietet die Gemeinde wiederum für die Verwaltung an.

Diese Idee ist nicht neu, wie Fachbereichsleiter Robert Eisler erläutert. Sie stammt schon aus dem städtebaulichen Wettbewerb, in dem vor mehr als einem Jahrzehnt Pläne für die Umgestaltung des Bahnhofumfeldes einschließlich einer Unterführung auf der Südseite des Bahnhofes entwickelt wurden.

Markt platzt aus allen Nähten

Nun will die Verwaltung zumindest die ersten Teile dieses Konzeptes in die Tat umsetzen. Sie geht mit dem konkreten Vorhaben bereits in die politische Beratung. Der Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt soll in der kommenden Wochen die ersten Weichen für dieses Projekt stellen.

Dass der Discounter Lidl nach der Ansiedlung seines Logistikzentrums im Inlogparc massives Interesse am Neubau eines großen Lebensmittelmarkts in der Gemeindemitte hat, ist bekannt. Schließlich platzt der bisherige Markt an der Bachstraße aus allen Nähten und genügt nicht mehr den Anforderungen.

Dort gibt es aber keine Expansionsmöglichkeiten für die große Lösung. Alle Versuche von Lidl durch den Aufkauf von Gebäuden an der Bahnhofstraße zum Zuge zu kommen sind letztlich gescheitert. „Deshalb kamen wir in den Gesprächen mit Lidl wieder auf die nun geplante Lösung“, erläutert Robert Eisler.

Verkaufsfläche von 1400 Quadratmetern geplant

Errichtet werden soll der neue verbundene Gebäudekomplex laut Verwaltungsmitteilung im Bereich des jetzigen Rathaus-Parkplatzes und des Nebengebäudes, in dem das Jobcenter untergebracht war. Der Verbrauchermarkt soll mit einer Verkaufsfläche von 1400 Quadratmetern nahe der Straße „Am Bahnhof“ entstehen.

Er soll im hinteren Bereich in das dreigeschossige Verwaltungsgebäude übergehen. Dort soll neben dem Eingangsbereich im Erdgeschoss nur eine Telefonzentrale mit Empfang eingerichtet werden.

Verwaltung zieht in die beiden Obergeschosse

Die Büros der nur noch 65 Mitarbeiter in der Verwaltung sollen in den beiden Obergeschossen mit rund 2100 Quadratmetern Nutzfläche weitgehend den Bedürfnissen der Gemeinde angepasst werden, wie Robert Eisler bestätigte. Das bisherige Rathaus inklusive aller Nebengebäude wie die Garagen und die ehemaligen Oevermann-Hallen soll komplett abgebrochen werden.

 Neben dem Neubau sind mindestens 160 Parkplätze für die Markt-Kunden sowie die Verwaltungsmitarbeiter und Besucher geplant. Für den Lidl-Neubau gibt es laut Fachbereichsleiter bereits konkrete Entwürfe. „An denen feilen wir zur Zeit aber noch mit den Architekten“, sagt er.

Beschleunigtes Bauleitplanverfahren einleiten

Zunächst gehe es darum, die Bebauungspläne zu ändern und ein beschleunigtes Bauleitplanverfahren einschließlich Bürgeranhörung einzuleiten. In diesem Zuge müssten auch Lärmschutz- und Verkehrsgutachten erstellt werden, erläuterte Eisler. Wenn alles klappe, könne das gesamte Verfahren im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werden. Lidl könnte dann im nächsten Jahr den Bau errichten.

Während der Bauphase müsse die Verwaltung dann in Container umziehen. Eisler räumte ein, dass noch eine genaue Kosten-Nutzen-Rechnung aus Sicht der Gemeinde erarbeitet werden muss. „Ich erwarte natürlich, dass der Verkaufserlös die Nachfolgekosten wie Miete ausgleichen kann“, erklärt er. Lidl habe bereits alle für das Vorhaben erforderlichen Grundstücke im Umfeld des Rathauses erworben.

Erster Schritt zur Umgestaltung der Gemeindemitte

Das Projekt, so betonte Eisler, werde die langfristig geplanten Veränderungen im Bahnhofsumfeld nicht stören, sondern sei der erste Schritt zur Umgestaltung der Gemeindemitte. Die Bahnunterführung und die Straßenverbindung zwischen „Am Bahnhof/Poststraße und Marmelinghöfener Weg soll weiterhin möglich sein.

Positiv bewertet Klaus Herbst, der Vorsitzende des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt, das Vorhaben. „Die gesamte SPD-Fraktion steht dahinter. Und ich habe erfahren“ dass es in den anderen Parteien auch gut ankommt“, erklärte er. Friedhelm Lange von den Grünen sprach sogar von einer „Punktlandung“. - li

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