In Zeiten des Corona-Virus

Abschied im kleinsten Kreis: Maximal zehn Personen bei Bestattungen

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Abstand halten beim Gespräch mit Trauernden ist im Augenblick eine der wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen, die Martin Schulte zum Schutz seiner Kunden, aber auch der eigenen Mitarbeiter, einhält.

Bönen – Das Coronavirus bringt massive Einschränkungen in allen Lebensbereichen mit sich. Inzwischen hat die Viruserkrankung auch die Form, in der wir unsere Verstorbenen bestatten, spürbar verändert. Wo früher die Gruppe aller Trauernden gemeinsam von dem Verstorbenen in einer würdigen Trauerfeier Abschied nahmen, muss die Beisetzung nun im ganz kleinen Kreis unter freiem Himmel am Grab stattfinden. Das ist der Ansteckungsgefahr durch Covid-19 geschuldet.

Es ist die letzte Möglichkeit, einem geliebten Menschen Lebwohl zu sagen. Das wollen die meisten Menschen entsprechend persönlich gestalten und laden Verwandte, Freunde und Kollegen, Nachbarn und Vereinskameraden ein, um gemeinsam Abschied zu nehmen. Das ist nicht mehr möglich. Auch in Bönen gilt derzeit die Regelung, dass gerade einmal zehn Personen an der Beisetzung teilnehmen dürfen.

„Die Trauerhalle ist geschlossen“, so der Bönener Bestattungsunternehmer Martin Schulte, der die Halle von der Gemeinde übernommen hat. „Wir haben die Halle leer geräumt und einen großen Tisch und drei Stühle hineingestellt, sodass wir hier mit ausreichend Abstand Gespräche führen können. Die Umluftanlage sorgt für Frischluft.“ Können Angehörige das Haus nicht verlassen, weil sie unter Quarantäne stehen, sei es aber auch möglich, telefonisch oder per Mail alles zu regeln. „Aber es geht ja auch um das persönliche Gespräch und das Mitgefühl für die Angehörigen über das Organisatorische hinaus“, betont Schulte.

Maximal zehn Personen erlaubt

Weil das Coronavirus hochansteckend ist, dürfen bis auf Weiteres keine Trauerfeiern mehr in Trauerhallen, keine Messen und Gottesdienste in den Kirchen stattfinden. „Die Angehörigen treffen sich draußen am Sarg unter freiem Himmel“, sagt Schulte. Die Zeremonie soll würdig, aber kurz sein nach den neuen Vorgaben, etwa zehn bis 15 Minuten dauern. Nach der Aussegnung erhält bei einer Erdbestattung nur der Pastor etwas Erde. Eine Schaufel, mit der jeder etwas Erde auf den Sarg werfen kann, gibt es wegen der hohen Ansteckungsgefahr nicht. Auch ein Kondolenzbuch liegt deshalb nicht mehr aus. Ein Abschied einzeln oder zu zweit am Sarg in einem separaten Raum sei derzeit noch möglich.

Maximal zehn Personen dürfen an der Bestattung teilnehmen allerdings inklusive Geistlichen und Sargträgern. Das gilt in Bönen vorerst auch nach der Verschärfung der Regeln durch die Kontaktsperre, die ansonsten nur noch zwei Personen erlaubt, gemeinsam in der Öffentlichkeit zusammen unterwegs zu sein, heißt es aus dem Rathaus. Das könne sich aber auch täglich ändern und weiter eingeschränkt werden.

Die Regeln bedeuten aber auch, dass oft nicht einmal die engste Familie daran teilnehmen kann, sondern abgesprochen werden muss, wer den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten darf. „Damit alle Abschied nehmen können, lassen wir, wenn es gewünscht wird, eine Kamera laufen, damit anschließend alle Familienmitglieder oder Freunde zumindest virtuell dabei sein können. Wir stellen das dann im geschützten Bereich unserer Homepage ein. Wir müssen da jetzt umdenken und neue Wege gehen.“

Möglich seien nach wie vor sowohl Feuer- als auch Erdbestattungen, denn das Coronavirus verseuche nach Informationen des Robert-Koch-Instituts nicht den Boden.

Schutzmaßnahmen in Bönener Bestattungshaus

Derzeit steigt die Zahl der Corona-Erkrankten rapide, und damit wird auch die Zahl der Corona-Toten steigen. „Bei Todesfällen sind wir nicht die ersten, die mit dem Toten in Berührung kommen. Zuvor wird ein Arzt die Todesursache feststellen und im Zweifelsfall die Gesundheitsbehörde informieren. Wir arbeiten nach den Maßgaben des Infektionsschutzgesetzes, das ja bereits für andere bekannte Infektionskrankheiten genaue Abläufe und Schutzmaßnahmen vorschreibt. Außerdem informieren wir uns täglich beim Robert-Koch-Institut.“

Aber auch Bestatter sind sterblich, und natürlich hat auch Martin Schulte Ängste, sich mit dem Virus zu infizieren. Deshalb dienen alle Vorsichtsmaßnahmen nicht nur seinen Kunden, sondern auch dem Schutz seiner Mitarbeiter und seiner Familie. In seinem Bönener Bestattungshaus hat Schulte drei Büros auf drei Ebenen eingerichtet, um die Ansteckungsgefahr für seine Mitarbeiter zu verringern.

Zudem würden die Hygienevorschriften wie häufiges gründliches Händewaschen, Desinfizierung von Türklinken und Flächen penibel eingehalten. „Du musst mit einer gesunden Portion Angst daran gehen, um nicht leichtsinnig zu werden“, sagt Schulte. „Dabei ist unser Berufsstand systemrelevant“, so Schulte. „Aber man hat bisher vergessen, uns dazu zu zählen.“ Man sollte keine Panik verbreiten, aber die Situation auch nicht auf die leichte Schulter nehmen, betont Martin Schulte. „Es gibt eine natürliche Sterberate, aber die müssen wir nicht in die Höhe treiben, indem wir sinnlose Opfer bringen, obwohl wir das verhindern könnten, indem wir uns an die Regeln halten, Hygiene-Vorschriften beachten und zu Hause bleiben.“

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