Rezepte gefälscht und Hormone verkauft?

Illegaler Handel mit „Wundermittel“: Bodybuilder aus dem Kreis Unna vor Gericht

Allein auf das Krafttraining wollen sich viele Bodybuilder nicht verlassen. Sie nutzen Wachstumshormone und Testosteron-Präparate.
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Die Bönener sollen mit Wachstumshormonen und Testosteron-Präparaten gehandelt haben.

Ein Bodybuilder aus Bönen soll sich mit gefälschten Rezepten teure Wachstumshormone verschafft und diese dann illegal in der Szene weiterverkauft haben. Zusammen mit einem Freund muss er sich seit Donnerstag vor dem Dortmunder Landgericht verantworten.

Bönen/Dortmund – Die beiden 26-jährigen Männer wollen dem Kraftsport schon vor Jahren abgeschworen haben. Doch ihre Vergangenheit ist den sportlichen Körpern bis heute deutlich anzusehen. Auf dem Höhepunkt ihrer Bodybuilder-Laufbahn sollen die Beschuldigten aber nicht nur ganz legal im Studio Hanteln gestemmt haben. Für den Muskelaufbau waren damals offenbar auch chemische Helfer verantwortlich.

Spätestens im Mai 2016 sollen die beiden Freunde dann damit begonnen haben, die Hormonpräparate nicht mehr nur in ihre eigenen Körper zu spritzen, sondern sie auch an Gleichgesinnte zu verkaufen. Laut Anklage fälschten sie dazu am Computer Arztrezepte, krakelten darauf eine unleserliche Unterschrift und meldeten sich dann in einer von unzähligen Apotheken in Nordrhein-Westfalen: „Würden Sie bitte Norditropin bestellen? Ich komme dann später, um es abzuholen.“

Das Medikament enthält den Wirkstoff Somatropin und wird seit vielen Jahren erfolgreich bei der Behandlung von Kleinwuchs eingesetzt. Fünf Fertigspritzen kosten in der Apotheke bis zu 5000 Euro. Nicht nur in der Medizin, auch in Bodybuilderkreisen ist das Wachstumshormon bekannt und beliebt. Dort gilt es als „Wundermittel“ zur Förderung des Muskelaufbaus.

Haftstrafe und finanzieller Ruin drohen

Die beiden Männer sollen mit ihrer Betrugsmasche überaus erfolgreich gewesen sein. In Wuppertal, Solingen, Dortmund, Lünen, Herne, Bochum und Witten sollen sie mit den gefälschten Rezepten ohne Probleme Norditropin bekommen haben. Die Ampullen später weiterzuverkaufen, war laut Anklage ebenfalls ein Leichtes.

Erst die Durchsuchung der Wohnung in Bönen soll dem illegalen Treiben im März 2017 ein Ende gesetzt haben. Damals fanden die Ermittler in einem Kühlschrank außerdem größere Mengen von Testosteron-Präparaten. „Das hat mir die Augen geöffnet“, sagte der Angeklagte den Richtern. „Seitdem gehe ich nur noch ganz normal ins Studio.“ Aber den richtig großen sportlichen Ehrgeiz von früher habe er nicht mehr. Dafür aber ein handfestes Problem: Sollten ihm und seinem mitangeklagten Freund sämtliche Taten aus der Anklageschrift nachgewiesen werden, droht dem 26-Jährige nicht nur eine empfindliche Haftstrafe. In diesem Fall würde er sich außerdem in ziemlichen finanziellen Schwierigkeiten befinden. Alle illegal erzielten Gewinne will ihm die Staatsanwaltschaft nämlich in Rechnung stellen – bis zu 40 000 Euro.

Zu den Details der Anklageschrift haben sich die beiden Freunde daher erst einmal noch nicht geäußert. Das soll an einem der kommenden Verhandlungstage nachgeholt werden.

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