Blutspenden dringend benötigt: In Bönen sind wieder Termine

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Beim Spenden im DRK-Heim werden die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten.

Bönen – Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist in Alarmstimmung. Immerhin ist der Blutspendedienst West des DRK dafür zuständig, 75 Prozent aller Kliniken in Nordrhein-Westfalen, in Rheinland-Pfalz und im Saarland mit Blutkonserven zu versorgen. Doch jetzt ist diese lebensnotwendige Versorgung in Gefahr, die Konserven werden knapp. In Bönen gibt es in der kommenden Woche aber die Gelegenheit, die Lücken zumindest ein bisschen zu füllen.

Laut Stephan David Küpper vom Zentrum für Transfusionsmedizin in Ratingen-Breitscheid benötigt das DRK rund 800 000 Konserven jährlich, um alle Krankenhäuser im Bereich des Blutspendedienstes West ausreichend zu versorgen. Um dies sicherzustellen bietet die Organisation in der Regel etwa 11 500 Spendentermine in den drei Bundesländern an. „Und das war auch der Plan für 2020. Doch dann kam Corona“, so der Pressesprecher.

Die Pandemie hat die Terminstruktur des Blutspendedienstes komplett zerstört. Die stützt sich auf drei Säulen: Die erste bilden die großen, öffentlichen Blutspendetermine in den Städten, Gemeinden und Dörfern. Die zweite Säule besteht aus Spendeterminen in Unternehmen, an Universitäten, Hochschulen und ähnlichen Einrichtungen. „Die können wir größtenteils nicht mehr anbieten. Diese Spender sind für uns jetzt unerreichbar. Das bedeutet, dass über 100 Termine wegfallen“, erklärt Stephan David Küpper.

Und auch die dritte Säule, der Einsatz von Spendemobilen, die etwa auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen um Spenden bitten, ist weggebrochen. In den Trucks könnten die gebotenen Hygiene- und Abstandsregeln nicht eingehalten werden, weiß der Unternehmenssprecher. Deshalb verzichtet das DRK zurzeit völlig auf deren Einsatz. Sicherheit geht vor. Aber: „Dahinter stehen Zehntausende Konserven, die uns im System fehlen.“

Ehrenamtliche unterstützen nach Kräften

Das DRK musste sich neu organisieren und mithilfe der vielen ehrenamtlichen Helfer in den Ortsvereinen andere Konzepte entwickeln, die das Spenden für die Menschen sicher möglich macht. „Das Ehrenamt spielt dabei eine ganz wichtige Rolle“, hebt Küpper hervor. Mit vereinten Kräften sei es aber gelungen, die öffentlichen Blutspendetermine in den einzelnen Orten zu stemmen. So konnte das DRK bis Ende Juni die Grundversorgung aufrecht erhalten. Dann kamen die Sommerferien. „Ab der zweiten Ferienwoche sind die Zahlen richtig in den Keller gegangen“, berichtet Küpper. „Die Affenhitze im August kam noch oben drauf. Bei 38 Grad Celsius spenden nur noch die Härtesten“, stellt er fest.

Waren anfangs vor allem Konserven mit der Blutgruppe Null gefragt, zieht sich der Mangel inzwischen durch alle Gruppen. Deshalb hoffen die DRK-Mitarbeiter und ebenso die Kliniken natürlich dringend auf weitere Spender. „Wir leben von einer kleinen Gruppe von Menschen, die sich verantwortlich fühlen, zu spenden.“ In Notzeiten wie diesen werde das besonders deutlich. „Wir brauchen grundlegend mehr Menschen, die bereit sind zu spenden, um die Basis zu vergrößern.“

Ein Mehr an Blutkonserven dürfe aber nie auf Kosten von Sicherheit gehen, betont Stephan David Küpper. Selbst wenn jeder Tropfen hilft, drücken die Blutspendedienst-Mitarbeiter in den Punkten Spender- und Patientensicherheit kein Auge zu. Trotz aller Knappheit hielten sie sich sehr sklavisch an die Regeln. Passen zum Beispiel das Mindestgewicht oder der Eisenwert im Blut nicht, ist der Blutdruck zu niedrig oder hatte ein potenzieller Spender vor Kurzem einen Infekt, wird auf das Blut verzichtet. „Wir schicken etwa 13 Prozent der Spendewilligen ohne Spende nach Hause“, berichtet der Fachmann.

Leben retten ohne Risiko

Diese „Spielregeln“ machen das Spenden in der Corona-Zeit allerdings noch sicherer. Das Temperaturmessen, das obligatorisch ist, wird nun bereits am Eingang vorgenommen. Gleichfalls werden die Spendenwilligen sofort gefragt, ob und wo sie in den vergangenen Wochen im Ausland waren. Rückkehrer aus Risikogebieten werden nicht zugelassen. „Wer gerade erst aus dem Spanien-Urlaub kommt, kann nicht spenden“, macht der Sprecher deutlich. „Wir können schon sagen, dass das Blutspenden sicher ist.“ Anders als beim Einkaufen im Supermarkt kämen schließlich im Allgemeinen nur Menschen zu den Terminen, die sich gesund und fit fühlen.“

An einen etwas geänderten Ablauf bei der Spende haben sich die Lebensretter inzwischen gewöhnt. So wird in der kommenden und in der übernächsten Woche das DRK-Heim am Königsholz wieder zur „Einbahnstraße“, um zu verhindern, dass sich die Wege der Spender kreuzen.

Die erste Station, an der Fieber gemessen und der Fragebogen ausgefüllt wird, soll in der Garage auf dem Hof eingerichtet werden. Die Spendeliegen werden auf Abstand gezogen, und anschließend bekommen die Spender ein fertiges Lunchpaket zum Mitnehmen. Kinder und andere Begleiter können nicht mit ins DRK-Heim genommen werden.

Der DRK-Blutspendedienst West bietet folgende Termine im DRK-Heim am Königsholz in Bönen an: . Mittwoch, 26. August, 10 bis 19.30 Uhr . Donnerstag, 27. August, 15 bis 19.30 Uhr . Dienstag, 1. September, 15 bis 19.30 Uhr. Die Spender müssen einen amtlichen Lichtbildausweis mitbringen, mindestens 18 Jahre alt und gesund sein.

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