Birger Falcke beendet seine Vikariatszeit in der Bönener Kirchengemeinde

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Bönen – Das Vikariat soll in der evangelischen Kirche angehende Pastoren auf ihren Beruf vorbereiten. Birger Falcke hatte nun zweieinhalb Jahre Zeit, die Kirchengemeinde und überhaupt die Gemeinde Bönen, ihre Bewohner, ihre Eigenheiten und ihr Umfeld kennenzulernen. Am Sonntag verabschiedet sich der Vikar mit einem Gottesdienst im Fritz-von-Bodelschwingh-Haus. Mit WA-Redakteurin Sabine Pinger sprach er über seinen Vorbereitungsdienst in Bönen.

Herr Falcke, Ihre Vikariatszeit endet. Wie geht es für Sie nun weiter?

Ich gehe am 1. Oktober zurück an die Uni und will am Institut für Evangelische Theologie in Paderborn meine Doktorarbeit schreiben. Dafür plane ich etwa drei Jahre ein. Mein Plan ist aber schon, danach oder vielleicht auch währenddessen in eine Gemeinde zu gehen. Privat werde ich zumindest das kommende halbe Jahr noch in Bönen bleiben. Meine Frau macht gerade ihr Vikariat in Heeren-Werve und wir wissen noch nicht genau, wie es für sie dann weitergeht.

Welches Thema haben Sie sich für Ihre Doktorarbeit ausgesucht?

Es geht um die evangelische Kirchenentwicklung, also wie geht es mit der Kirche weiter? Wie verhält es sich mit der klassischen Gemeinde – wie etwa Bönen eine ist – und wie mit Alternativen, wie zum Beispiel der Jugendkirche in Hamm?

Können Sie sich vorstellen, nach Abschluss nach Bönen zurückzukehren? Schließlich wird in den kommenden Jahren eine Pfarrstelle neu zu besetzen sein.

Zunächst schließt sich an die Ausbildung zwei Jahre Probedienst an. Und es wird auf keinen Fall so sein, dass ich den in Bönen machen kann. Das ist ausgeschlossen. Danach könnte ich mich hier bewerben, wenn dann eine Stelle frei ist. Aber so sehr meine Frau und ich auch merken, dass uns das Kleinstädtische mit der Nähe zu den Menschen und zur Gemeinde gefällt, würden wir uns auf Dauer doch lieber in einer größeren Stadt ansiedeln wollen.

Haben Sie dazu bereits eine Stadt ins Auge gefasst?

Nein, konkret noch nicht. Ich komme aus Lüdenscheid, meine Frau aus Frechen bei Köln, irgendetwas dazwischen wäre gut. Eine der Ruhrgebietsstädte vielleicht.

Sie sagen, das Kleinstädtische habe Ihnen gefallen. Was haben Sie bei Ihrer Ankunft in Bönen vorgefunden?

Erst mal habe ich einen Pfarrer gefunden, Thomas Melloh, der mein Mentor geworden ist. Er hat sich unheimlich viel Zeit für mich genommen, was sehr wertvoll war. Zugleich hat er mir den Blick gegeben, zu erkennen, was gut für mich und meine Ausbildung ist und die Offenheit, mich Dinge ausprobieren zu lassen. Das war total schön. Und dann habe ich eine Kirchengemeinde vorgefunden, die in vielem noch sehr klassisch ist und wo vieles noch funktioniert, was in größeren Städten nicht mehr so gut funktioniert. Das ist zum Beispiel der klassische Sonntagsgottesdienst, zu dem 50 bis 70 Personen ins Bodelschwingh-Haus kommen. Oder dass es noch Geburtstagsbesuche durch die Pfarrer und den Besuchsdienstkreis gibt. Ich habe außerdem den Eindruck, dass die Kirchengemeinde gut verwurzelt ist vor Ort und gute Verbindungen hat. Und das Presbyterium war sehr offen für meine Idee, Gedanken und Erfahrungen.

Hat Ihnen denn auch etwas gefehlt?

Ja, ich wünsche mir hier mehr Mut zum Experimentieren, zum Ausprobieren. Es gibt zwar schon fünf unterschiedliche Gottesdienstformen in der Gemeinde, aber da geht sicher noch mehr. Deshalb hätte ich auch gerne den Klostertag gemacht, der aber coronabedingt ausgefallen ist. Das Presbyterium hat sich aber schon auf den Weg gemacht, zum Beispiel mit der Umfrage unter den Gemeindegliedern, um neue Schritte zu gehen. Als jemand, der von Außen kommt, hatte ich einen anderen Blick. Mehr Experimentierfreude würde mir hier gut gefallen.

Und was hat Ihnen gefallen?

Ich habe den Eindruck, dass es hier viele Ideen gibt, wie wir den Glauben wieder mehr an die Leute bringen können. Und von Thomas Melloh habe ich gelernt, das Klassische, das in der Gemeinde vorhanden ist, zu wertschätzen. Es gibt alleine zwölf Seniorenkreise in Bönen. Die sind total wichtig für die Menschen. Ebenso wie die Geburtstagsbesuche. Ich weiß von vielen Gemeinden, dass es die dort gar nicht mehr gibt. Hier funktioniert es aber noch. Die Besuche haben für die Besuchten eine große Bedeutung, sie schaffen Verbindung.

Sie haben sich zudem in der Jugendarbeit engagiert. Ist Ihnen das auch wichtig?

Auf jeden Fall. Eine Gemeinde ohne Jugendarbeit ist arm. Ich durfte den Konfikurs, der jetzt gerade konfirmiert wurde, komplett machen. Das war toll. Es ist mir ein Anliegen, den Konfirmanden Glaubensinhalte und Kirche näher zu bringen. Es ist wichtig, ihnen spirituelle Erfahrungen, Glaubenserfahrungen, zu ermöglichen. Auch gemeinsam etwas zu schaffen ist wichtig, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Wir haben zum Beispiel gemeinsam Bänke aus Paletten gebaut.

W erden Sie etwas vermissen, wenn Sie die Gemeinde verlassen?

Ich habe gemerkt, dass ich nicht nur zweieinhalb Jahr hier gearbeitet habe, sondern mich inzwischen sehr mit der Gemeinde identifiziere. Ich schätze die gute Substanz hier und die persönlichen Beziehungen. Die werde ich vermissen. Aber ich bin ja noch mindestens ein halbes Jahr in Bönen und gehöre so noch als normales Gemeindeglied dazu.

Abschiedsgottesdienst

Birger Falcke verabschiedet sich am Sonntag, 20. September, in einem Gottesdienst im – bei schönem Wetter am – Bodelschwingh-Haus von den Gemeindemitgliedern. Dieser beginnt um 9.30 Uhr. Wer dabei sein möchte, kann sich im Gemeindebüro unter der Rufnummer 16 10 oder per E-Mail an ham-kg-boenen@kirchenkreis-hamm.de dafür anmelden.

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