Bio-Security kürt Gewinner des Gründerwettbewerbs in Bönen 

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Bönen – Es ist kein Wandel, es ist eine Klimakatastrophe. Das stellten nicht nur die Bewerber und Gewinner des Bio-Gründer-Wettbewerbs im Kompetenzzentrum Bio-Security am Mittwochnachmittag fest. „In diesem Jahr steht bei sehr vielen Konzepten insbesondere die bessere Nutzung der uns auf der Welt zur Verfügung stehenden Ressourcen im Fokus. Wir alle müssen uns auf den Weg machen, um besser und nachhaltiger zu werden. Wir freuen uns, dass unsere Gründer dazu beitragen möchten“, sagte Dr. Oliver Bonkamp, Prokurist der den Wettbewerb veranstaltenden Bio-Security Management GmbH.

Und die haben tatsächlich sehr gute Ideen, die eine Menge bewirken können, so Dr. Kirsten Bender aus dem NRW-Wirtschaftsministerium. Sie hielt bei der Preisvergabe die Laudatio für den diesjährigen Sieger und gratulierte damit dem Team von Green Release zum ersten Preis. Dr. Felix Jakob, Dr. Caspar Langenbach, Alexander Töpel und Dr. Michael Wustmans versprechen mit ihrer Entwicklung, den Pflanzenschutz zu revolutionieren. Sie haben allerdings keinen neuen Schädlings- oder Unkrautvernichter erfunden, sondern ein Verfahren, mit dem Pflanzenschutzmittel mit speziellen Ankerpeptiden auf der Blattoberfläche gehalten werden. So wirken sie dort, wo sie wirken sollen und werden nicht so schnell vom Regen abgewaschen. Dadurch müssen die Landwirte und Gärtner deutlich weniger chemische Substanzen aufbringen. 

Das Gründungsteam entstammt dem Bioeconomy Science Center, einem Konsortium von drei NRW-Hochschulen und dem Forschungszentrum Jülich. Auch die Entwicklung der Zweitplatzierten kann dem Klima eines Tages einen großen Dienst erweisen. Lignopure von der Technischen Universität Hamburg möchte nämlich den Plastikmarkt mit Lignin verändern, einem nicht essbaren Hauptbestandteil von Pflanzen. „Lignin ist das zweithäufigste Biopolymer – ein chemischer Stoff, der sich aus vielen kleinen Teilchen zusammensetzt – auf der Welt, nachhaltig und vielseitig einsetzbar. Es kommt zum Beispiel in Holz und Stroh vor“, erfuhren die rund 70 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, die zur Preisverleihung ins Bönener Industriegebiet gekommen waren. 

Umweltfreundliche Alternative zum Kunststoff

Ziel sei es, erdölbasierte Bestandteile in Konsumgüterprodukten durch Lignin zu ersetzen, führte Wienke Reynolds (Lignopure) bei der Präsentation aus. Mit Lignin könnten zum Beispiel biologische, abbaubare Mikroplastikpartikel für Kosmetikprodukt hergestellt werden. Neben Reynolds arbeiten noch Gilda Joana Gil Chavez, Daniela Arango Ospina und Stefan Boersting von der technischen Universität Hamburg-Harburg an den Produktentwicklungen mit Lignin für verschiedene Kunden. 

Dass Geschlechtertrennung große wirtschaftliche Vorteile bringt und dabei auch noch den CO2-Ausstoß um rund 1,5 Millionen Tonnen senken kann, will Eseidon, ein internationales Team aus NRW und Malaysia, beweisen. Sie haben eine Technik entwickelt, die in der Aquakultur, also in der kontrollierten Zucht von Fischen und Schalentieren, eingesetzt werden kann. Erprobt wurde der Prototyp bei Garnelen. Normalerweise werden die männlichen und weiblichen Krebstiere gemeinsam in den Teichen aufgezogen. „Dann allerdings stecken sie ihre ganze Energie in die Fortpflanzung“, erklärte Chiara Schmitz vom Gründungsteam. Auf der Strecke bleibe dabei das Wachstum.

Sieben innovative Idee vorgestellt

Eseidon hat deshalb Süßwassergarnelen nach Geschlechtern sortiert: Die Tiere schwimmen durch eine mit intelligenten Unterwasserkameras besetzte Röhre, werden automatisch separiert. Nach der Geschlechtertrennung wachsen sie schneller, es kommt zu weniger Kannibalismus und die Fütterung kann angepasst werden. Das erhöht den Umsatz der Aqualkulturbetriebe und spart CO2, weil die Zucht effektiver ist. Die Jury in Bönen belohnte den vielversprechenden Ansatz von Dr. Rasina Rasid, Chiara Schmitz und Jan Josef Bernholz mit Bronze. 

Außer der drei Preisträger stellten vier weitere Teams ihre innovativen Entwicklungen aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft vor. Nach der Verleihung feierten die Nominierten, die Preisträger, Veranstalter und Gäste noch ein zünftiges Oktoberfest im Foyer des Gründerzentrums, bei dem vor allem der Austausch im Mittelpunkt stand.

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