Zu wenige Lebensmittel, zu viele Kleidungsstände: Umfrage belegt Probleme des Bönener Wochenmarktes

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Mittlerweile bietet der Samstagsmarkt in Bönen nicht mal mehr einen Obststand an. Dabei wünschen sich die Kunden vor allem mehr Auswahl beim Angebot von Lebensmitteln.

Bönen – Alle klagen seit Jahren über den Wochenmarkt in Bönen – Besucher und Händler. Immer wieder werden neue Konzepte gefordert, um den Markt zu beleben. Wo die Probleme liegen, darüber soll eine Umfrage der BgB Auskunft geben.

Wo hakt es konkret beim Bönener Wochenmarkt? Das wollten die Mitglieder der Bürgergemeinschaft Bönen genauer wissen und führten an zwei Samstagen im vergangenen Jahr eine Umfrage durch, die es bisher so noch nicht gab. Die Ergebnisse sind mittlerweile ausgewertet und wurden jetzt dem zuständigen Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte übergeben. 

Es war eine Menge Arbeit, die Antworten der Händler und Kunden auszuwerten“, zieht Thomas Cieszynsky Bilanz. „Denn es gab auf die jeweils sechs Fragen an Besucher und Markthändler keine genormten Antworten zum Ankreuzen.“ 

Sämtliche Marktbeschicker und insgesamt 64 Besucher waren am 6. Juli und am 7. September von BgB-Mitgliedern auf dem Markt befragt worden. „Alle reden über den Markt und sind unzufrieden, aber eine Umfrage gab es bisher nicht“, so Cieszynski. „Niemand wusste zum Beispiel genau, was sich die Kunden wünschen.“ 

Zwar sei ihre Umfrage nicht repräsentativ, aber sie zeige doch auf, wo das Angebot ungenügend ist und was für Erwartungen Verkäufer und Marktbesucher haben, warum sie den Markt besuchen beziehungsweise beschicken, was sie gut, was sie schlecht finden, was ihnen fehlt.

Thomas Cieszynski (Mitte) und Christa Kunze von der BgB übergaben Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte die Umfrageergebnisse zum Wochenmarkt.

„Die Antworten auf diese Fragen sollten helfen, herauszufinden, ob ein Wochenmarkt in Bönen überhaupt noch eine Zukunft hat und ob es sich überhaupt lohnt, dass sich die Gemeinde damit beschäftigt, den Wochenmarkt zu optimieren und neu aufzustellen.“ 

Ob der Wochenmarkt in Bönen langfristig noch zu retten ist, bleibt abzuwarten. „Wir glauben, dass sich ein Engagement lohnt, denn herausgekommen sind neben den offensichtlichen und negativen Tatsachen auch jede Menge Vorschläge und Anregungen“, sagt der Vorsitzende der BgB-Ratsfraktion. 

Zusammenfassung an Verwaltung übergeben

Er übergab jetzt eine elfseitige Zusammenfassung der Fragebögen an den für den Wochenmarkt zuständigen Fachbereichsleiter, Jörg-Andreas Otte. Der ist bereits im Gespräch mit der Deutschen Marktgilde, einer Genossenschaft, die bundesweit über 200 Märkte betreut. Neu oder gar überraschend seien die Ergebnisse der Umfrage nicht, sagt Otte, aber sie bestätigten das allgemeine Stimmungsbild und die Gespräche, die er mit Händlern auf dem Bönener Markt geführt habe. 

Die Modalitäten einer möglichen Zusammenarbeit mit der Marktgilde wird er im nächsten Fachausschuss für Familie, Sport, und Kultur am 5. März vorstellen. Die Politik muss dann entscheiden, wie es weitergehen soll. 

Als besonders alarmierend bezeichnet Thomas Cieszynski das Ergebnis zur Frage der Entwicklung des Marktes. Über 86 Prozent der befragten Marktbesucher und 66 Prozent der Händler bezeichnen die Entwicklung der beiden Wochenmärkte am Mittwoch und am Samstag in der Ortsmitte als negativ. Dennoch geben 66 Prozent der Kunden an, den Markt regelmäßig zu besuchen. 

Vor allem für junge Menschen unattraktiv

Allerdings misst die Hälfte der Marktbeschicker den Bönener Wochenmärkten insgesamt nur wenig Bedeutung zu. Dennoch bietet die Hälfte der Händler ihre Produkte bereits seit mehr als 20 Jahren auf dem Markt an. Sie sind gemeinsam mit ihren Kunden „alt“ geworden, denn etwa 49 Prozent der befragten Marktbesucher sind älter als 65 Jahre, insgesamt 82 Prozent sind älter als 50 Jahre. 

„Hier offenbart sich ein weiteres Problem“, sagt Cieszynski. „Derzeit ist der Markt für jüngere Menschen unattraktiv, gerade einmal ein Zehntel der Befragten war jünger als 29 Jahre.“ Insgesamt waren nur 17 Prozent der befragten Marktbesucher unter 59 Jahre alt. 

Was wünschen sich die Kunden? 62,5 Prozent stufen das Lebensmittelangebot (Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch) als wichtig ein. Viele wünschen sich frische, hochwertige Lebensmittel aus der Region, die sie nicht im Supermarkt bekommen. Bekleidung und Schuhe fanden lediglich 17 Prozent der Befragten wichtig. 

Mehr gastronomische Angebote

„Hier wird deutlich, dass das Warenangebot konträr zu den Kundenwünschen ist“, fasst der BgB-Ratsherr zusammen. Denn die Hälfte der Stände biete Textilien, Kurzwaren und Modeaccessoires an. Nur 41 Prozent der Angebote seien Lebensmittel. Das spiegele sich auch in den Kundenwünschen wider: 91,5 Prozent wünschten sich mehr Auswahl im Bereich Lebensmittel, aber nur 8,5 Prozent der Befragten ein größeres Angebot an Textilien. 

Auch die soziale Funktion des Wochenmarktes als Treffpunkt unterstrichen viele Besucher. 17,5 Prozent vermissen deshalb gastronomische Angebote mit Sitzgelegenheiten rundherum.

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