Vorfall auf der Bahnhofstraße

Betrunkener schlägt zu: Helfer wird in Bönen zum Opfer

Bahnübergang Bönen Bahnschranke Zug
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An der Schranke wartete der Helfer auf die Hilfe der Polizei und wurde erneut geschlagen.

Ein 44-jähriger Mann aus Bönen ist wegen Körperverletzung vom Amtsgericht Unna zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im vergangenen September hatte der Mann in betrunkenem Zustand einem 26-Jährigen gegen die Brust geschlagen. Dabei hatte der 26-Jährige dem Betrunkenen nur helfen wollen.

Unna/Bönen – Seine Hilfsbereitschaft dürfte ein 26-Jähriger im Herbst in Bönen schnell bereut haben. Er wollte einen alkoholisierten Mann nur davor bewahren, überfahren zu werden. Anstelle Dankbarkeit erntete er Boxhiebe. Der undankbare Angreifer sorgte nun auch im Gericht für Aufsehen – das kommt ihn teuer zu stehen.

Der Fremde, so schildert es der Geschädigte, lief am späten Nachmittag des 2. September gebückt über die Fahrbahn der Bahnhofstraße. Er wirkte, als würde er etwas suchen. Die fahrenden Autos um ihn herum nahm er offenbar gar nicht wahr. Auch hatte er über zwei Promille Alkohol im Blut, wie sich im weiteren Geschehen noch herausstellen sollte.

Bei dem Helfer regte sich Sorge. Er ging zu dem 44-jährigen Bönener und versuchte, ihn von der Straße zu holen. Zwar hatte er kurzfristig Erfolg, wurde da aber bereits eher rüde „zur Seite geschoben“ und kurz darauf stand der Betrunkene wieder mitten auf der Fahrbahn, sodass ein Autofahrer bereits ausweichen musste.

Angeklagter schlief vor dem Gericht seinen Rausch aus

Der Zeuge wusste sich nicht anders zu helfen, als die Polizei zu rufen. Während er auf das Eintreffen der Beamten an der Bahnschranke wartete, kassierte er noch zwei schmerzhafte Boxhiebe gegen die Brust. So wollte der Wankende der aggressiven Forderung Nachdruck verleihen, der junge Mann solle verschwinden.

Wegen Körperverletzung in zwei Fällen und versuchter Nötigung sollte sich der 44-Jährige aus Bönen nun vor dem Amtsgericht Unna verantworten und tat bei der Gelegenheit erneut Überraschendes:

Obwohl sein Termin erst mittags war, lag er bereits frühmorgens vor dem Gerichtsgebäude und schlief offenbar seinen Rausch aus. Die Justizwachtmeister waren daraufhin so freundlich, ihn reinzuholen. Als seine Sache dann Stunden später aufgerufen wurde, war er sich keiner Schuld bewusst. Vielmehr sah er sich als Opfer.

Keine Einsicht beim Angeklagten

Jemand, aber nicht der spätere Helfer, habe ihm seine letzten 50 Euro geklaut – das sei für ihn als Obdachloser eine Katastrophe. Den Helfer habe er nur aufgefordert, beiseite zu gehen. Und er habe ihm gesagt: „Ich helfe mir selber.“ Mehr nicht. Geschlagen habe er ihn nicht, nur beiseitegeschoben. Der Mann schwankte permanent zwischen Tränen und Wut, war manchmal leise und fast verständig, dann plötzlich laut und aggressiv.

Richtig wütend machte ihn die Aussage des Helfers. Den brüllte er immer wieder an, störte die Sitzung und schrammte haarscharf an einer neuen Anklage wegen Beleidigung und Bedrohung vorbei. „Bist Du mein Papa? Du bist ein Heiliger. So war das nicht. Du lügst.“ – Diese Sätze waren noch das Harmloseste, was er von sich gab.

Letztlich ging die Strafrichterin davon aus, dass er sich lediglich mit den Boxhieben strafbar gemacht hat: „Sie haben ihn gegen die Brust geboxt. Das war nicht so schön. Das nennt man Körperverletzung.“

Von den restlichen Vorwürfen wurde der Bönener freigesprochen, für die Hiebe erhielt er 800 Euro Geldstrafe. Die Richterin sprach mit Blick auf etliche Vorstrafen und die Alkoholproblematik eine deutliche Warnung aus: „Sie müssen Ihr Leben auf die Kette kriegen.“ Das sei die letzte Geldstrafe gewesen. Bei der nächsten Anklage droht das Gefängnis.

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