Besuch in der "Notgruppe": Neuer Kita-Bau wird dringend benötigt

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Daniel Frieling und Sabine Zeising von der Awo zeigten Michael Ruhe, Thomas Semmelmann und Dirk Lampersbach, wo die Notgruppe derzeit untergebracht ist.

Bönen – Eigentlich sollte die neue Awo-Kita in Bönen im kommenden Jahr eröffnen. Aber der Neubau wird noch länger auf sich warten lassen und das angedachte Provisorium ist ungeeignet für eine Kindergartengruppe. Stattdessen gibt es eine "Notgruppe" in der Kita Schatzkästchen.

Ordentlich hängen die Matschhosen an den vorgesehenen Haken, in Plastikkisten ist darüber Platz für Mütze, Schal und Handschuhe. „Endlich haben wir eine Garderobe“, freute sich Sabine Zeising. „Vorher haben wir die Jacken feinsäuberlich auf dem Boden sortiert.“ Die Erzieherin leitet die „Notgruppe“ Kleine Forscher im Awo-Familienzentrum Schatzkästchen, ein gut organisiertes Provisorium. Später soll Zeising dann die neue Kita in der Borgholz-Siedlung übernehmen.

„Eigentlich sollte es die Gruppe nur vier bis acht Wochen lang geben“, sagte Daniel Frieling. Der Leiter der Abteilung Kindertageseinrichtungen beim Awo-Unterbezirk Unna führte am Donnerstagnachmittag den SPD-Fraktionsvorsitzenden Dirk Lampersbach, den Gemeindeverbandsvorsitzenden Michael Ruhe und den SPD-Bürgermeisterkandidaten Thomas Semmelmann in den umgebauten Mehrzweckraum der Kindertageseinrichtung. 

Rathaus-Container ist ungeeignet

Die Genossen hatten um den Termin gebeten, um sich über den aktuellen Stand in Sachen neue Kita zu informieren. Im November vergangenen Jahres hatte die Arbeiterwohlfahrt (Awo) vom Jugendhilfeausschuss des Kreises Unna den Zuschlag bekommen, eine zehnte Kita als Träger in der Gemeinde zu betreiben. Gebaut werden soll diese im Auftrag des Kreises an der Carl-von-Ossietzky- beziehungsweise Geschwister-Scholl-Straße von der Unnaer Kreis-, Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS). 

Geplant war zunächst, dass die Awo-Kita im Sommer kommenden Jahres an den Start geht. Bis dahin sollten die Kinder vorübergehend in einer Not-Kita im ehemaligen Container-Rathaus an der Poststraße untergebracht werden. 

Bislang gibt es allerdings lediglich die Notgruppe im Schatzkästchen. Sie hat 20 Mädchen und Jungen aufgenommen, die ganz dringend einen Betreuungsplatz benötigt haben. Inzwischen hat sich nämlich herausgestellt, dass der Containerbau völlig ungeeignet ist, um darin eine Kita unterzubringen – und sei es auch nur vorübergehend. 

UKBS baut in drei Kommunen

Und für den eigentlichen Neubau liegt momentan noch nicht einmal ein Bauantrag vor. „Wir waren nicht mehr bereit, diese Verzögerungen hinzunehmen“, erklärte Dirk Lampersbach, warum er um das Gespräch mit den Awo-Mitarbeitern gebeten hatte. Die Schuld daran sieht der Fraktionsvorsitzende in erster Linie weder bei dem Bauherren, dem Kreis Unna, noch bei der UKBS, dem Investor, oder gar bei der Awo als Betreiber. 

„Die Gemeindeverwaltung hätte alles tun müssen, um die Dinge voranzutreiben. Schließlich braucht nicht der Kreis eine Kita, sondern wir hier in Bönen“, so Lampersbach. Der Kreis begründet die Verzögerung allerdings damit, dass bei der UKBS derzeit viele Kapazitäten gebunden seien. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft baut unter anderem zurzeit gleich drei neue Kitas in Holzwickede, Unna und Kamen. Sowohl die Architekten, als auch die Handwerker hätten übervolle Auftragsbücher. 

„Es war klar, dass wir erst mal mit einer Übergangskita starten müssen. Doch niemand konnte ahnen, dass diese so große Ressourcen binden würde“, erklärte Daniel Frieling. Zunächst hätten sich drei Architekten nacheinander das Gebäude angesehen, dann ein Statiker. Dabei hätte sich herausgestellt, dass der Containerbau nicht den notwendigen Voraussetzungen für eine solche Einrichtung entspricht. 

„Es ist schon ein Unterschied, ob drei Leute in einem Büro an Schreibtischen sitzen, oder ob da 25 Kinder durch den Raum toben“, machte er deutlich. Um den tatsächlichen Aufwand für einen Umbau zu ermitteln, wäre es zunächst notwendig gewesen, das komplette Gebäude freizulegen und Proben von den Baustoffen zu entnehmen. Doch allein die bisherigen Untersuchungen haben schon ein halbes Jahr in Anspruch genommen. 

Neues Gebäude soll Platz für Elternparkplätze bieten

Die Kosten, die durch eine Sanierung entstehen würden, wären unverhältnismäßig hoch. Inzwischen hat sich der Kreis deshalb entschlossen, neue Containermodule anzuschaffen, in denen vier Kita-Gruppen untergebracht werden können. Aufgebaut werden soll die Übergangskita nach wie vor an der Poststraße. Ganz vorsichtig visiere die Awo einen Einzug im Frühling an, gab der Abteilungsleiter an. Er hofft zudem weiter darauf, dass der Neubau zumindest im kommenden Jahr begonnen werde. 

Anders als erste Pläne es vorgesehen haben, soll das Gebäude auf dem vorgesehenen Grundstück ein Stück weit nach hinten verschoben werden, damit davor eine Privatstraße in der Art einer Einbahnstraße angelegt werden kann. Das soll vor allem den Eltern die Möglichkeit geben, vor der Kita zu parken, ohne die Nachbarn in der Holtfeldsiedlung zusätzlich zu belasten und nicht für weitere Parkplatzengpässe zu sorgen. „Darüber müssen sich die Gemeinde und die UKBS nun einigen“, berichtete Daniel Frieling. Dann stünden einem baldigen Bauantrag nichts mehr im Weg.

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