Hochwasserschäden

Berge von Sperrmüll türmen sich bei der GWA, bis sie verbrannt werden

André Marx vor Sperrmüll bei der GWA Bönen
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GWA-Mitarbeiter André Marx überwacht die Anlieferungen von Sperrmüll aus Hochwasserschäden an der Industriestraße.

Seit einer Woche wachsen die Müllberge auf dem Gelände der GWA Wertstoffaufbereitungsanlage an der Industriestraße in Bönen rasant an. Wo sonst Gewerbebetriebe ihren Müll entsorgen, stapeln sich jetzt Teppiche, Sofas, Regale und anderer Sperrmüll aus den überfluteten Kellern. Nicht nur aus Bönen, auch aus Berkamen wird der Sperrmüll tonnenweise angeliefert. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Bönen – Der Müllberg auf dem Gelände der GWA wird immer größer. Matratzen stapeln sich neben Plastiktüten mit durchweichten Papieren, Stühlen und Regalbrettern. Ein buntes Durcheinander – und ein Querschnitt dessen, was man so alles im Keller aufbewahrt. „Schon jetzt übersteigt die Menge das Volumen, das sonst im Jahr angeliefert wird“, bestätigt Martin Döbber, kaufmännischer Leiter der GWA, die Größenordnung der Schäden.

„Positiv überrascht vom hohen Maß an Fairness“

Mehr als 170 Anlieferungen haben betroffene Bönener bisher dort abgeladen. „Wir sind positiv überrascht über das hohe Maß an Fairness der Bürger. Die meisten Bönener haben tatsächlich Wasserschäden abgeliefert und nicht versucht, ihren normalen Sperrmüll kostenfrei loszuwerden“, betont Martin Döbber. „Es gibt auch viele Bürger, die mit ihrem Sperrmüll zum Wertstoffhof an der Fritz-Husemann-Straße kommen und die Gebühr zahlen wollen, weil es sich nicht um einen Wasserschaden handelt.“

Zu den privaten Anlieferungen an der Industriestraße kommen die Wagen des stadteigenen Entsorgungsbetriebs Bergkamen (EBB), der in Bergkamen in den Straßen kostenlos den Sperrmüll aus den überfluteten Kellern sammelt. Der wird normalerweise nach Lünen geliefert, dort waren aufgrund des Hochwassers die Kapazitäten aber bereits erschöpft. Normalerweise kommen bei regulären Sperrmüllabfuhren rund 20 Tonnen pro Woche zusammen. „Seit dem 16. Juli hat der EBB bereits 130 Tonnen aus Bergkamen in Bönen angeliefert“, berichtet Martin Döbber. Also fast das Sechsfache der üblichen Menge. Das macht die Dimension deutlich, mit der die Abfallwirtschaft aktuell zu tun hat – und das in einem Gebiet, in dem die Schäden vergleichsweise gering ausfielen.

EBB lädt tonnenweise Sperrmüll aus Bergkamen ab

In Bönen hatte die Gemeinde für den heutigen Samstag eine Sperrmüllabfuhr angeboten, die allerdings nicht kostenlos ist. „Bis Freitag hatten sich nur zwei Bürger bei der Gemeinde angemeldet“, bestätigt Fachbereichsleiter Robert Eisler. „Viele haben ihre Keller selbst leer geräumt und ihr beschädigtes Inventar weggebracht. Oft hat das mit Nachbarschaftshilfe oder Freunden, die mit angepackt haben, geklappt.“ Wo im Einzelfall jemand gar nicht weiß, wie er seinen Keller ohne Hilfe leer räumen und den Sperrmüll abtransportieren soll, der könne sich auch an die Verwaltung wenden. „Da werden wir auch eine Lösung finden“, so Eisler.

Was passiert nun weiter mit den Sperrmüllbergen an der Industriestraße? Normalerweise übernehmen die Kunden eine Vorsortierung, wenn sie Sperrmüll zum Wertstoffhof an der Fritz-Husemann-Straße bringen. Nach dem Hochwasser landet aber erst einmal alles auf einem großen Haufen, bestätigt Martin Döbber. Ist eine Sortierung da überhaupt noch möglich?

Nur eine oberflächliche Sortierung möglich

„In Lünen, wo normalerweise der Sperrmüll aus Bergkamen von der EBB angeliefert wird, findet eine Vorsortierung statt und Wertstoffe werden rausgezogen. Das funktioniert unter normalen Umständen ganz gut“, erläutert Döbber. „Bei den Mengen, die zurzeit in Bönen landen, ist das nicht mehr möglich, weil wir dafür weder Maschinen noch das Personal haben. Da können wir nur eine oberflächliche Sortierung vornehmen.“ Anschließend landet der Sperrmüll in der Müllverbrennungsanlage in Hamm. Dort arbeite man mit Hochdruck daran, dass der Müll in Bönen schnellstmöglich abgefahren werden kann.

Kosten sollen mit Mitteln aus dem Haushalt finanziert werden

Werden die Bönener Bürger die zusätzlichen Kosten am Ende auf ihrer Rechnung finden? „In diesem Sonderfall werden die entstehenden Kosten natürlich nicht auf die Allgemeinheit, also über die Abfallgebühr, umgelegt, sondern aus Mitteln des allgemeinen Haushaltes aufgebracht“, versichert Fachbereichsleiter Robert Eisler.

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