Dienstjubiläum

Bei Wind und Wetter unterwegs: Der Bönener Jürgen Woyziechowski ist seit 50 Jahren Postbote

Postbote Briefträger Jürgen Woyziechowski
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Seit 50 Jahren ist Jürgen Woyziechowski im Dienst der Post unterwegs. Seinen Bönener Bezirk betreut er seit 17 Jahren. Da kennt er fast jeden.

Seit 50 Jahren trägt Jürgen Woyziechowski die Post aus. Am 1. September feiert er Dienstjubiläum, Ende des Monats ist dann Schluss für den gebürtigen Bönener.

Bönen – Seit Jürgen Woyziechowski zum ersten Mal seine lederne Posttasche am 1. September 1971 als Postbote umgehängt hat, sind 50 Jahre vergangen. Am Mittwoch wird er für ein Dienstjubiläum geehrt, das nur wenige erreichen. Fünf Jahrzehnte hat er bei Wind und Wetter zuverlässig die Post bei den Empfängern abgeliefert. In dieser Zeit hat sich auch bei der Post einiges verändert.

Auf die Idee, sich nach der Schule bei der Post zu bewerben, kam Jürgen Woyziechowski, nachdem ihm ein Freund im Fußballverein den Tipp gab, der ein Jahr früher mit seiner Ausbildung dort angefangen hatte. Weil es keine freien Stellen vor Ort gab, fing der gebürtige Bönener in Dortmund an und machte dort 33 Jahre seinen Dienst.

Als Jürgen Woyziechowski mit 15 Jahren seine Ausbildung anfing, da trug er noch die dunkelblaue Postuniform, denn die Deutsche Bundespost war eine Behörde, und Jürgen Woyziechowski wurde später Beamter. Heute ist er einer der letzten im Dienst, denn 1995 wurde die Post privatisiert zu einem börsennotierten Privatunternehmen.

Der Postbote wurde zum Postzusteller oder zur Fachkraft für Post-, Kurier- und Expresswesen, wie der Beruf heute heißt. Und die Mitarbeiter tragen längst Funktionskleidung in gelb-schwarz. „Das ist eine echte Erleichterung“, sagt Jürgen Woyziechowski. Schließlich ist er bei jedem Wetter unterwegs. „Früher, in der alten blauen Uniform, waren wir bei Regen manchmal vollkommen durchnässt.“ Krank war er dennoch nie in fünf Jahrzehnten. „Grippe und Erkältung kenne ich nicht“, sagt er, denn Postboten sind abgehärtet.

Blaue Uniform und Ledertasche

„Früher reichte eine Ledertasche, da haben wir maximal 100 Briefe am Tag zugestellt – und Langholz“, erinnert sich Jürgen Woyziechowski. Langholz sind in der Postlersprache Zeitungen und DinA4-Umschläge. Allerdings waren damals auch die Zustellbezirke noch kleiner – und die Postboten hatten noch ganz andere Aufgaben: „Wir haben ja noch Rundfunk- und Zeitungsgeld an der Haustür bar kassiert“, erinnert sich Jürgen Woyziechowski.

„An manchen Tagen hatte ich 20 000 Mark in der Tasche, um Renten auszuzahlen. Wenn das Geld nicht reichte, dann rief ich aus einer Telefonzelle die Zustellkasse an, und uns wurde Nachschub gebracht, um weitere Auszahlungen zu machen.“ Heute, wo alle Transaktionen bargeldlos laufen, unvorstellbar. Und obwohl er oft mit so viel Bargeld unterwegs war, überfallen wurde er glücklicherweise nie. „In der Regel gab es auch immer ein gutes Trinkgeld, wenn wir die Rente brachten“, erinnert er sich.

Nachschub: Mehr als 45 Kilogramm wiegt eine Zuladung.

„Vor 17 Jahren konnte ich dann nach Bönen wechseln“, erzählt er. Seitdem betreut er als Stammzusteller den Bezirk zwei rund um Friedhofstraße, Dürer- und Fritz-Winter-Straße. Sechs Tage in der Woche sortiert er Briefe, Päckchen und Werbung für seinen Bezirk im Zustellstützpunkt an der Bahnhofstraße 75, belädt sein gelbes Fahrrad und radelt durch „seinen“ Bezirk. Da kennt er fast jeden seiner Kunden, deren Kinder und Enkel mittlerweile auch.

Viel Zeit für ein Schwätzchen über den Zaun bleibt heute nicht mehr, denn im Schnitt 1400 Postsendungen lädt er pro Tag auf sein E-Bike. Die passen nicht alle auf einmal in seine Packtaschen, also muss er mehrmals Nachschub holen, bis er alles in seinem Bezirk zugestellt hat. Mehr als 45 Kilo wiegt eine volle Beladung. Da ist es schon eine Erleichterung, dass es seit einiger Zeit, mit Einführung der Pedelecs bei der Post, Unterstützung durch einen Elektromotor gibt.

Wenn sich die Kundenzahl verändert, neue Häuser gebaut werden oder eine Firma schließt, dann werden auch die Bezirke neu zugeschnitten, damit alle Zusteller etwa die gleiche Zustellzahl haben. So kommt mal eine Straße dazu, mal geht eine an einen Kollegen. Wenn dann die Post durch die Umstellung plötzlich später kommt als gewohnt, wird schon mal gemeckert. „Dann kriegt man schon mal ein paar dumme Sprüche zu hören“, erzählt Jürgen Woyziechowski. Aber ernsthaft angegangen von Kunden, die meinen, sie hätten ein Recht auf Zustellung zu einer bestimmten Uhrzeit, wurde er noch nie. Auch das soll aber vorkommen.

Während es mit seinen Postempfängern also gut läuft, ist das mit den vierbeinigen Familienmitgliedern so eine Sache. Hunde und Postboten haben bekanntlich ein besonderes Verhältnis. Und manche Vierbeiner haben die Postzusteller „zum Fressen gern“. Deutschlandweit werden pro Jahr etwa 1800 Postzusteller von Hunden gebissen, sagt die Poststatistik. Der Briefträger dringt schließlich in das Revier des Hundes ein. Deshalb bietet die Post ihren Mitarbeitern bei Bedarf auch ein Hundetraining an. Das hat Jürgen Woyziechowski aber nie gebraucht.

Auch im Ruhestand aufs Rad

„In den meisten Fällen kennen die Hunde mich und freuen sich, mich zu sehen“, zieht Jürgen Woyziechowski eine positive Bilanz nach fünf Jahrzehnten. Außerdem hat der erfahrene Postzusteller immer ein Hundeleckerchen in der Tasche. Das hilft. „Aber es gibt auch Hunde, da betrete ich das Grundstück nicht, wenn sie draußen sind. Viele Hundebesitzer bauen den Briefkasten draußen an den Gartenzaun, dann hat sich das Problem erledigt.“

Ende September ist nun Schluss mit der täglichen Runde durch die Ortsmitte. Seine Kunden müssen sich an ein neues Gesicht gewöhnen. Und was macht Jürgen Woyziechowski mit der vielen Freizeit, wenn er in Pension geht?

Die Antwort kommt prompt und klingt erst mal unglaublich: „Ich werde viel Rad fahren!“ Das musste er in seinem langen Berufsleben doch schon täglich. Und nun will er sich auch im Ruhestand regelmäßig mit Freunden aufs Rad schwingen und Radtouren in der Umgebung machen. „Das macht ja Spaß, denn ich kann ohne die schweren Posttaschen fahren.“

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