Bönen diskutiert über Ruhewald

Baumbestattungen im Mergelbergwald: Gemeinde soll prüfen

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Auch der nördliche Teil des Fliericher Friedhofs wurde für Baumbestattungen ins Gespräch gebracht.

Bönen – In Bönen wird über das Anlegen eines Ruhewaldes für Baumbestattungen diskutiert. Anlass ist ein Vorschlag des Regionalverbandes Ruhr, einen Teil des Mergelbergwaldes für solch ein Projekt zu nutzen. Die Idee wurde mit Mehrheit im Ausschuss begrüßt.

Ordentlich in der Reihe, mit Begonien und Buchs bepflanzt: So stellen sich immer weniger Menschen ihre letzte Ruhestätte vor. Neue Bestattungsformen werden beliebter, und so hofft der Regionalverband Ruhr (RVR), mit Bestattungswäldern in seinen Gebieten die Unterhaltung seiner Forstbestände zu finanzieren. In Bönen käme dafür der Teil des Mergelbergwaldes infrage, der im Besitz des Verbandes ist. Ob sich dort jedoch tatsächlich Ruhe finden lässt, darüber waren sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstagabend nicht einig.

Gemeinde könnte sich anschließen

Nur mit einer knappen Mehrheit und mit der Stimme des Bürgermeisters wurde der Vorschlag der Verwaltung, den RVR beim Anlegen eines Bestattungswaldes in der Gemeinde zu unterstützen, an den Rat weiterempfohlen. Generell über eine solchen „Naturfriedhof“ nachzudenken, war dabei gar nicht strittig, der potenzielle Ort dafür aber schon: „Keinesfalls im Mergelbergwald“, lehnte Ratsherr Thomas Köster (SPD) ein solches Vorhaben ab. Der sei schließlich die einzige frei zugängliche Waldfläche in der Gemeinde und werde ohnedies schon überstrapaziert. Jogger, Radfahrer, Reiter, Spaziergänger, Wanderer und Hundebesitzer – sie alle würden das überschaubare Waldgebiet rund um den Mergelbergteich ausgiebig nutzen. Und bereits jetzt würden dabei nicht alle auf den vorhandenen Wegen bleiben, sondern sich Pfade kreuz und quer durch den Forst bahnen. „Wo man in diesem Wald Frieden finden soll, ist mir fraglich“, sagte Köster.

Dabei denkt die Verwaltung sogar darüber nach, sich dem RVR anzuschließen und einen Teil der 15 Hektar umfassenden, gemeindeeigenen Fläche des Mergelbergwaldes zum Urnen-Friedhof zu machen. Damit wäre der Bestattungswald groß genug, um Beisetzungen über die gesamte Ruhezeit möglich zu machen.

Ist Fläche überhaupt geeignet?

Zudem könnte sich herausstellen, dass Teile des RVR-Grundes sich nicht für Bestattungen eignen. Im Boden könnten zum Beispiel Kampfmittel schlummern. Wie die zahlreichen Bombenkrater heute noch bezeugen, wurde das Areal im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten heftig unter Beschuss genommen.

Eine mögliche Schwermetallbelastung für den Boden durch Totenasche, wie sie zum Beispiel der Hamburger Friedhofsplaner Andreas Morgenroth befürchtet, sieht die Verwaltung dagegen nicht als Problem an. Sie verweist auf Studien und Handlungsempfehlungen von Forschern der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zu diesem Thema. Demnach spielen der pH-Wert des Bodens und der Grundwasserstand eine wichtige Rolle. Beides sei bei Urnenbestattungen zu beachten. Um außerdem zu vermeiden, dass Baumwurzeln durch die Beisetzungen geschädigt werden, müssten die infrage kommenden Bäume zuvor begutachtet und eine Obergrenze für die Anzahl an Urnen pro Baum festgelegt werden.

Schlössen sich die Gemeinde und der Regionalverband bei diesem Projekt zusammen, stünden etwa 40 Hektar Wald für den Zweck zur Verfügung. Die Beteiligung und Verantwortung müsste dann entsprechend der Fläche aufgeteilt werden – und das gilt sicher auch für die Einnahmen, die sich aus den Bestattungsgebühren ziehen ließen.

Konkurrenz zum bestehenden Bestattungsangebot

Damit hat allerdings die Evangelische Kirchengemeinde ihre Schwierigkeiten. Sie sieht einen Beerdigungswald als zusätzliche Konkurrenz zum bereits bestehenden Bestattungsangebot vor Ort und befürchtet dadurch finanzielle Ausfälle. Immerhin betreibt sie in der Gemeinde zwei Friedhöfe. Das Presbyterium weiß aber durchaus, wie notwendig es ist, sich den Wünschen der Menschen nach alternativen Bestattungsformen zu öffnen.

Eine Idee, der Kirchengemeinde entgegenzukommen und gleichzeitig einen solchen „Ruhewald“ vor Ort anzubieten, findet Jörg Grünewald auf dem Friedhof in Flierich. „Ideal wäre der östliche Teil, der ohnehin schon parkähnlich ist und wo seit Jahren keine Bestattungen mehr stattfinden“, merkte der Sozialdemokrat an.

Ein-Stimmen-Mehrheit für Prüfauftrag

Letztlich sprach sich die SPD-Fraktion mit sieben Stimmen geschlossen gegen den Vorschlag aus, den RVR bei seinem Vorhaben zu helfen und vonseiten der Gemeinde zu prüfen, inwieweit der Bönener Teil zum Bestattungswald werden und die Evangelische Kirchengemeinde mit eingebunden werden könnte. Die übrigen Ausschussmitglieder und Bürgermeister Stephan Rotering hielten mit acht Stimmen dagegen, Claudia Gebhard (CDU) enthielt sich. „Es ist erst mal ein Prüfauftrag. Das bedeutet nicht, dass der Mergelbergwald morgen schon für Bestattungen zur Verfügung steht“, begründete Rotering sein Votum. Ein Bestattungswald sei aber perspektivisch eine Chance für die Gemeinde, die Attraktivität zu steigern und die Gastronomie zu fördern.

Das Thema Bestattungswald steht am Donnerstag, 25. Juni, auch auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung. Sie beginnt um 18 Uhr in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums.

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