Enkeltrick und Falscher Polizist

Bargeldbetrug: Polizei und Banken im Kreis Unna wollen Senioren schützen

Vor dem Kreishaus stellten Klaus Moßmeier (Sparkasse Unna-Kamen, links), Landrat und Behördenleiter Mario Löhr und Lars Kessebrock (Volksbank Schwerte, rechts) die Kooperation vor.	Foto: Kreis Unna
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Vor dem Kreishaus stellten Klaus Moßmeier (Sparkasse Unna-Kamen, links), Landrat und Behördenleiter Mario Löhr und Lars Kessebrock (Volksbank Schwerte, rechts) die Kooperation vor.

Besorgniserregend ist die Entwicklung bei Betrugsdelikten, von denen vor allem die ältere Bevölkerung betroffen ist. Polizei und Banken im Kreis Unna wollen mit einem neuen Konzept den Betrügern das Handwerk legen.

Kreis Unna - Die alarmierenden Zahlen nannte Peter Schwab schon bei der Vorstellung der Kriminalstatistik in der vergangenen Woche: „Von 2016 mit 166 stiegen die Betrugsfälle im Jahr 2020 auf 1248 an“, so der leitende Polizeidirektor des Kreises Unna. Der Schaden würde eine knappe Million Euro betragen. „Wir werden neue Möglichkeiten der Prävention ergreifen“, erklärte Schwab. „Wir haben auch die Behördenstrategie dahingehend geändert, dass sich alle Direktionen übergreifend um das Problem kümmern werden.“

Zentraler Punkt ist ein sogenannter Geldübergabeumschlag. Wenn ein Senior einen höheren Betrag bei seinem Geldinstitut abheben wolle, müsste er sich auf diesem per Kreuzchen zu entsprechenden Fragen erklären. Gefragt wird etwa, ob der Geldbetrag abgehoben wird, weil der Senior zuvor angerufen wurde oder das Geld an eine unbekannte Person übergeben werden soll. Wenn nur zwei Kreuzchen gesetzt wären, handele es sich um Betrug. „Das löst ihn hoffentlich aus dieser kognitiven Schleife“, erläuterte Andreas Kaltenberg, bei der Kreispolizei zuständig für Prävention und Opferschutz, die Idee dahinter

Bankangestellte haben schon einige Betrugsversuche vereitelt

Der Hintergrund: Den ausgefeilten, hoch intelligenten Abzockmethoden, bei denen den Geschädigten am Telefon suggeriert wird, dass ihr Erspartes in Sicherheit gebracht werden müsse, könnte ein älterer Mensch wenig entgegensetzen. „Da arbeiten ganze Banden, die meist aus dem Ausland anrufen, in perfektem Zusammenspiel.“ Der Senior würde die „Ratschläge“ der vermeintlichen Polizeibeamten befolgen, ihnen sein Erspartes anvertrauen.

Doppelt schlimm: Er wäre nicht nur seine finanzielle Lebensleistung los, sondern würde sich ob seiner vermeintlichen Leichtgläubigkeit schämen, stellte Schwab klar. Wenn jemand in Zukunft die meist hohen Beträge bei seiner Bank abheben wolle, solle der Bankkaufmann ihm gegenüber aufhorchen, ihn anschließend den Übergabeumschlag ausfüllen lassen. „Das weckt ihn auf“, hofft Kaltenberg. „Wir konnten ja in der Vergangenheit schon einige Taten durch die Wachsamkeit der Bankangestellten verhindern“, lobte er die Mitarbeiter von Volksbank und Sparkassen.

Mit diesem Briefumschlag sollen Senioren davon abgehalten, ihr Erspartes Betrügern zu übergeben.

Von den Bankenvertretern, die der Vorstellung des Umschlags bei einer Pressekonferenz am Mittwoch im Kreishaus oder online beiwohnten, kam prompte Zustimmung zur neuen Art der Prävention. Mit einer kleinen Einschränkung: Volksbankvertreter Peter Zahmel wünschte sich ein anderes Logo als das dominante der Polizei NRW. Er wurde aber negativ beschieden, da die Initiative eine der Landespolizei sei, das Emblem fest mit der Idee verbunden. „Okay. Wir können das so umsetzen“, gaben sich die Banker einsichtig.

Die Behörde stellt den Banken die Druckvorlage zur Verfügung. Hohe Kosten würden nicht entstehen. „Es müssen nicht Zehntausende Exemplare gedruckt werden“, so Kaltenberg. „Wir werden den Umschlag herausgeben, wenn bei hohen Summen unser Bauchgefühl anschlägt“, versprach Zahmel. Gastgeber Mario Löhr verwies auf eine zusätzliche Broschüre des Kreises, die die aktuellen Betrugsmaschen darstelle. Die werde im Impfzentrum Unna verteilt, so der Landrat.

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