Bönens OV-Sprecher Friedhelm Lange über Baerbock/Habeck

„Es macht mich ein stückweit stolz, wie die Grünen das so hingekriegt haben“

Annalena Baerbock soll vorangehen, wenn die Grünen in den Bundestagswahlkampf ziehen, Robert Habeck lässt ihr den Vortritt Grünen-Vorstand macht Vorschlag für Kanzlerkandidatur
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Annalena Baerbock soll vorangehen, wenn die Grünen in den Bundestagswahlkampf ziehen, Robert Habeck lässt ihr den Vortritt.

Wie das dem Wähler gefällt, muss sich am 26. September erweisen. Die Basis aber jubiliert schon mal über die erste Kanzlerkandidatin der Grünen. Ein Anruf bei Friedhelm Lange:

Bönen – „Wenn man die Chance hat, mitregieren zu können, dann muss man zugreifen. Welchen Sinn hat es denn, der reinen Lehre wegen zu verzichten?“ Mit dem ihm eigenen Pragmatismus blickt Friedhelm Lange auf die Optionen seiner Partei im Bund. Da liegt es für den Ortsverbandschef auf der Hand, in der aktuellen Konstellation erstmals jemanden fürs Kanzleramt zu benennen, wie es mit der Nominierung von Annalena Baerbock für die Spitzenkandidatur auf dem Parteitag geschehen ist.

Welch ein Unterschied zu CDU/CSU

„Es macht mich ein stückweit stolz, wie die Grünen das so hingekriegt haben“, sagt Lange, der „als alter weißer Mann“ (Zitat) seit nicht ganz 25 Jahren Mitglied ist. „Vor allem wenn ich sehe, wie das bei der CDU/CSU läuft.“ Ohne gegenseitiges Beine wegtreten, wie es der zurücksteckende Co-Vorsitzende Robert Habeck ausdrückte. „Hier zeigt sich ein neuer Politikstil, der es erlaubt, dass man diese Dinge unter Gleichberechtigten ohne Konflikt aufteilt. „Weil es um die Sache geht“, was gleichfalls seine Partei von der Union unterscheide: „Die kann keine Sachpolitik machen, weil es da immer um die Person geht.“

„Für mich persönlich war es offen“

Das beschere den Grünen „den Luxus zweier geeigneter Spitzenkandidaten“, sagte der OV-Vorsitzende – wohl wissend, dass der Satz gleichlautend von den Unionsschwestern propagiert und bitter widerlegt wurde. „Für mich persönlich war die Entscheidung von Baerbock und Habeck eine offene Sache, die haben nicht nur so getan.“ Offen war auch Friedhelm Lange selbst: Die Eine wie der Andere waren ihm recht.

Die Krux mit der Geschlechterfrage

Dass die „Frage nach der Emanzipation eine Rolle spielte, hat Baerbock in der Pressekonferenz ja selbst angesprochen“, gab Lange zurück, als es um den strategischen Aspekt der Geschlechterbilder ging. Streng genommen dürfe das heutzutage allgemein und speziell in einer Partei wie den Grünen keine Rolle spielen. Aber irgendwie tut es das ja doch. Lange: „Nur darf es keinesfalls das alleinige Argument sein.“

Regieren hat seinen Preis

Und so sieht der Sprecher der Basis an der Spitze die nötige Kompetenz. Nicht nur an einer Stelle und für den Moment. Dass Habeck angekündigt hat, sich in Berlin weiter einzubringen, lässt Lange hoffen, auf ein weiterhin starkes Duo mit der Aussicht laut Umfragen, nicht nur Junior-Partner einer Koalition zu werden. Welche Zerreißprobe die Zwänge der Realpolitik der Partei schon beschert haben, weiß Lange wohl. „Man muss Kompromisse schließen. Wichtig ist, dass es dabei um die Sache und nicht um Machterhalt geht. Und es darf nie so aussehen, als wenn wir nur an die Fleischtöpfe wollten.“

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