Seniorenzentrum: Strenge Auflagen für Besucher

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Ralf Degenhardt-Ruhoff und sein Team haben alles für die Besuche im Seniorenzentrum vorbereitet.

Bönen – Über allem steht die Gesundheit: Laut Entscheidung der NRW-Landesregierung dürfen am Sonntag wieder Besucher unter strengen Auflagen in die Alten- und Pflegeheime. „Die Bewohner freuen sich sehr“, sagt Ralf Degenhardt-Ruhoff. Der Leiter des Awo-Seniorenzentrums Bönen betont aber zugleich: „Wir haben bisher keine Corona-Fälle im Haus, und wir wollen auch keine.“ Um diesen Balanceakt zwischen Vorfreude und Vorsicht zu bewerkstelligen, werde derzeit alles getan.

In der für das Seniorenzentrum ohnehin schon schwierigen Zeit seit Beginn der Pandemie hat der Erlass der Landesregierung am Mittwoch die Verantwortlichen zusätzlich unter Strom gesetzt. Innerhalb kurzer Zeit mussten sie ein tragfähiges Konzept ausarbeiten, das Besuche ermöglicht, aber Ansteckungen in diesem sensiblen Bereich ausschließt. Schon am frühen Mittwochabend gingen an der Eichholzstraße in Bönen die ersten Anrufe von Angehörigen ein, die ihre Mütter und Väter endlich wiedersehen wollten. Degenhardt-Ruhoff musste die Anrufer zunächst vertrösten, da die Durchführung der Besuche genau geplant sein will. „Wir müssen alles beachten, was eine Gefährdung sein kann“, so der Einrichtungsleiter. Für ihn und seine Mitarbeiter eine Herkulesaufgabe.

In diesem Pagodenzelt sollen die Treffen stattfinden.

Keiner kommt in die Einrichtung

Doch Degenhardt-Ruhoff ist sich sicher, dass die getroffenen Maßnahmen allen Auflagen zu den Hygiene- und Abstandsregelungen gerecht werden. Wichtigstes Kriterium war für das Zentrum dabei, einen Körperkontakt zwischen Bewohner und Besuchern zu verhindern. „Es kommt keiner in die Einrichtung“, sagt Degenhardt-Ruhoff. Deshalb haben seine Mitarbeiter auf der Terrasse ein Pagodenzelt aufgebaut. Die Bewohner kommen von der einen Seite durch das Café dorthin, die Besucher – erlaubt ist immer nur einer – von der anderen Seite und müssen nicht in die Räumlichkeiten. Eine durchsichtige Trennfolie sorgt für Abstand. Dazu ist stets eine Betreuungskraft dabei, die sich im Hintergrund hält, aber ein Auge darauf hat, dass die Vorgaben eingehalten werden. Im emotionalen Moment des Wiedersehens nach so langer Zeit vergisst vielleicht jemand unbeabsichtigt die Einhaltung der Corona-Regeln.

Termine heiß begehrt

Die Besuche können die Angehörigen in der Verwaltung unter der Telefonnummer 680 von 8 bis 16.30 Uhr ausmachen. Degenhardt-Ruhoff bittet darum, sich schon vorher Gedanken über einen möglichen Wunschtermin zu machen, der wenn möglich umgesetzt wird. Allerdings schränken die Vorgaben die Zahl der Besuche natürlich ein. „Wir können nicht alle an Muttertag stemmen“, bedauert der Einrichtungsleiter. Auch in der kommenden Woche seien schon viele Termine vergeben. Ein einmal ausgemachtes Datum könne nicht mehr getauscht werden, da zu viel organisatorischer Aufwand daranhinge.

84 Bewohner freuen sich auf ihre Angehörigen

Eine halbe Stunde beträgt die Begegnungszeit. Am Sonntag sind Besuche von 10 bis 17 Uhr erlaubt, in der Woche wird eine Mittagsruhe von 12 bis 14 Uhr eingehalten. Die Angehörigen sollen erst kurz vor ihrem Termin erscheinen, denn Ansammlungen vor dem Seniorenzentrum sollen vermieden werden. Auf der Terrasse an der Eichholzstraße stehen zwei Plätze zur Verfügung. Während auf einem Leute sitzen, wird der andere desinfiziert. Das Seniorenzentrum hat die Verwandten angeschrieben, bittet aber um Verständnis darum, dass jeweils nur eine Person einen Brief erhält. Degenhardt-Ruhoff hofft auf die Mithilfe, dass die Verwandten untereinander klären, wie sie ihr Besuchsrecht aufteilen. Um allen 84 Bewohnern gerecht zu werden, sollen die Besuche möglichst verteilt werden. So erhält jemand, der am Sonntag vor Ort war, nicht direkt für Montag oder Dienstag einen Termin, damit auch andere an die Reihe kommen. „Wir haben uns richtig Gedanken gemacht“, betont Degenhardt-Ruhoff. Auch für nicht-mobile Menschen habe das Zentrum Lösungen gefunden.

Trotz des großen Aufwands und der Vorsichtsmaßnahmen bezüglich der Gesundheit begrüßt das Seniorenzentrum die von der Landesregierung geschaffenen Besuchsgelegenheiten. „Wir als Awo stehen voll dahinter“, sagt Degenhardt-Ruhoff, der auch auf die bisherigen Kontaktmöglichkeiten per Skype und Telefon verweist.

Seniorenheime, in denen es Corona-Fälle gegeben hat wie in Hamm stehen vor noch ganz anderen Herausforderungen und dürfen teilweise noch nicht öffnen.

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