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Kitas vor dem Kollaps: Schlimmstenfalls drohen bald Schließungen

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Von: Kira Presch

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Schild Kita Traumland Rünthe
Die Awo ist größter Kita-Träger in Bergkamen, betreibt unter anderem das „Traumland“ in Rünthe. © Robert Szkudlarek/Digitalbild

Die Omikron-Welle trifft die Kitas hart: Die Zahl der infizierten Mitarbeiter und Kinder steigt massiv. Die Awo Ruhr-Lippe-Ems betreibt 55 Kitas und schlägt jetzt Alarm: Die Lage vor Ort sei kritisch. Von rund 850 Mitarbeitern seien aktuell 105 positiv getestet oder als Kontaktperson in Quarantäne. Eltern müssen sich absehbar darauf einstellen, dass die Betreuung ihrer Kinder nur noch eingeschränkt stattfinden kann.

Bönen/Bergkamen/Kreis Unna – In Bergkamen betreibt die Awo als größter Träger vor Ort insgesamt zehn Kitas, darunter das „Traumland“ und die Sonnenblume“ in Rünthe. „Aktuell sind acht Bergkamener Kitas betroffen, in denen insgesamt 37 Mitarbeiter und 21 Kinder fehlen, die entweder positiv getestet sind und sich in Isolierung befinden oder als Kontaktperson in Quarantäne sind“, berichtet Awo-Sprecherin Svenja Enkelmann.

In der Gemeinde Bönen betreibt die Awo zwei Kitas: das Familienzentrum „Schatzkästchen“ an der Dürerstraße und die Kita „Kleine Forscher“, die derzeit noch in einem der beiden Container an der Poststraße untergebracht ist und im Sommer in den Neubau an der Geschwister-Scholl-Straße ziehen wird. „Aktuell fehlen in der Kita Schatzkästchen drei Mitarbeiter, in der Kita „Kleine Forscher“ eine Mitarbeiterin, die sich in Quarantäne oder Isolierung befinden “, bestätigt Awo-Sprecherin Svenja Enkelmann. „Unter den Kindern gibt es derzeit keine Fälle.“ 

Mehr Mitarbeiter als Kinder betroffen

Dass zurzeit mehr Mitarbeiter als Kinder betroffen sind, habe den Hintergrund, dass es in Kitas keine Testpflicht gebe. „Wie hoch die Dunkelziffer ist und wie viele Kinder möglicherweise positiv sind, weiß niemand“, so Enkelmann. „Wir müssen darauf vertrauen, dass die Eltern ihre Kinder zu Hause testen.“

Wenn die Zahl der Mitarbeiter, die durch Omikron ausfallen, weiter steigt, werde es schwierig, den Betrieb aufrecht zu erhalten. „Dann müssten wir Notgruppen mit weniger Kindern bilden oder die Betreuungsstunden reduzieren und schlimmstenfalls eine Einrichtung schließen“, so Enkelmann. Für berufstätige Eltern eine Herausforderung.

„Wir haben es unseren engagierten Mitarbeitern zu verdanken, dass Schließungen im großen Umfang bis jetzt verhindert werden konnten. Dennoch ist unser Personal völlig überlastet, weil es die vielen Ausfälle auffangen muss“, sagt Rainer Goepfert, Geschäftsführer des Awo-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems. „Neben der Angst, sich anzustecken, ist es vor allem die ständige Ungewissheit, die Mitarbeitende zunehmend unter Druck setzt“, so Goepfert.

Kinder in der Kita
Wenn weitere Mitarbeiter ausfallen, fürchtet die Awo, können nicht mehr alle Kinder betreut werden. © Julian Stratenschulte

„Der elementar wichtigste Bereich der Bildung findet leider wieder unzureichende Beachtung in der Landespolitik NRWs. Fehlende landeseinheitliche Regelungen im Umgang mit Teststrategien und Schließungen schaden letzten Endes den Kindern, wenn eine Durchseuchung zu zahlreichen Schließungen der Kitas führt. Da kann der schwarze Peter auch nicht auf die örtlichen Gesundheitsämter abgeschoben werden, die mittlerweile ebenfalls am Limit sind.“ Die Awo fordere eine durch das Land geregelte effiziente und praxisnahe Teststrategie und klare landesweite Kriterien zur Schließung von Gruppen und Einrichtungen. „Die Kitas dürfen nicht sich selbst überlassen werden.“

Ohne Teststrategien droht die Durchseuchung der Kitas

Das Testproblem zu lösen, sei schwierig, räumt Awo-Sprecherin Svenja Enkelmann ein. „Schon jetzt gibt es die Vorgabe vom Land, dass Eltern zu Hause dreimal in der Woche selbst testen müssen, wenn ein positiver Fall in der Kita vorliegt. Um verlässliche Tests zu haben, müsste vor Ort getestet werden. Das können die Kinder aber nicht alleine.“ Mit Blick auf das sich zuspitzende Infektionsgeschehen brauche es nun endlich eine landesweite Teststrategie plus flankierender Erweiterung der Laborkapazitäten. Falls das nicht realisierbar ist, seien auch verpflichtende, regelmäßige Lolli-Schnelltests in den Einrichtungen denkbar, um das Infektionsgeschehen besser regulieren zu können.

„Wenn jetzt nicht gehandelt wird, dann ist mit einer ,Durchseuchung’ ganzer Einrichtungen zu rechnen. Schließungen können dann nicht mehr ausgeschlossen werden“, betont Goepfert. „Unsere Mitarbeiter sind einer besonderen Gefährdungslage ausgesetzt, ihre Arbeit gehört ebenso wie in den Gesundheitsberufen wertgeschätzt. Deshalb fordern wir eine besondere Corona-Prämie für Kräfte in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege.“

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