Ausschuss vertagt Entscheidung über Marktübernahme

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Immer weniger Kunden besuchen den Wochenmarkt in Bönen

Bönen – Die Lücken zwischen den Ständen werden größer, die Zahl der Besucher immer kleiner. Wirklich erfolgreich ist der Bönener Wochenmarkt nicht. Das beklagen auch die meisten Händler schon lange. Um den Markt wieder attraktiver zu machen, will nun die Deutsche Marktgilde mit ins Boot steigen.

Die Genossenschaft organisiert seit rund 30 Jahren Wochenmärkte an inzwischen rund 125 Standorten in ganz Deutschland. Stimmt der Gemeinderat zu, will sie den Markt zum 1. Juni übernehmen und neu organisieren. Die Mitglieder des Ausschusses für Familie, Sport und Kultur wollten am Donnerstagabend aber noch nicht über den Vertrag mit der Gilde abstimmen. Sie vertagten die Entscheidung auf die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstag, 19. März. 

Thomas Köster von der SPD fehlten in der Beschlussvorlage die Stimmen der Markthändler. „Sind sie mit der Übernahme einverstanden?“, fragte der Ratsherr im Namen seiner Fraktion. Wie Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte berichtete, seien die Anbieter vor zwei Wochen noch einmal über den Sachstand informiert worden, Rückmeldungen hätte es zwei gegeben, die durchaus kritisch gewesen seien. „Einer der Händler gab an, dass er sein Zugfahrzeug nicht vom Wagen abkoppeln könne, wie es die Marktgilde aber fordert. Der andere betreibt einen Imbissstand und möchte nicht bereits um 7 Uhr auf dem Markt stehen“, so der Fachbereichsleiter. Übernimmt die Gilde den Markt, müssen die Händler sich aber an die An- und Abfahrtzeiten halten und dürfen nicht während des Betriebes über den Markt fahren. „Aber dafür lässt sich sicher eine Lösung finden, etwa mit einem anderen Standplatz am Rand“, hofft Otte auf eine einvernehmliche Lösung. Er sieht in der Übernahme eine Chance für den Markt, denn, so machte er deutlich, viel schlechter werden könne es nicht. 

Ihr Konzept vorgestellt hatten Ingo Johnson und Martin Rosmiarek von der Deutschen Marktgilde den Ausschussmitglieder bereits im September vergangenen Jahres. Während sich die Kommunalpolitiker den Vorschlägen gegenüber offen zeigten, blieben die Markthändler, die die Sitzung speziell wegen dieses Tagesordnungspunktes besucht hatten, skeptisch. Sie befürchteten, dass mit der Übernahme die Standgebühren steigen würden. 

Niedrige Standgebühren halten Händler in Bönen

Derzeit liegt der Preis für einen Quadratmeter Wochenmarktstand laut Gemeindesatzung bei 2 Euro. Würde dieser Preis beibehalten, wäre der Betrieb durch die Genossenschaft für die Gemeinde kostenfrei. Bei einer Überprüfung der Standflächen im Oktober durch die Verwaltung wurde jedoch festgestellt, dass in einigen Fällen kleinere Flächen als die tatsächlich genutzten bei der Gebührenberechnung berücksichtigt wurden. Weil der Markt in den vergangenen Jahren für Besucher aber offenbar immer unattraktiver geworden und damit der Umsatz der Händler gesunken ist, wurde diese mit den geringeren Kosten zumindest teilweise entlastet. Viele Verkäufer sind deshalb auch in Bönen geblieben. 

Die Mitarbeiter der Marktgilde haben errechnet, dass die Standbetreiber durchschnittlich 71 Cent pro Quadratmeter zahlen. Dieser Betrag ist aus Sicht der Fachleute nicht auskömmlich, um den Wochenmarkt wirtschaftlich betreiben zu können. Dennoch schlagen sie einen Quadratmeterpreis von 63 Cent netto vor – vorausgesetzt, die Händler lassen sich auf einen Vertrag mit der Marktgilde ein. Je nach Laufzeit – sechs, neun und zwölf Monate sind möglich – bekommen sie ab dem 26. Quadratmeter einen Rabatt. Wer keinen Vertrag abschließen möchte, zahlt dann als Tageshändler 72 Cent. Nach einem Jahr sollen die Kosten auf 70 Cent für die Vertrags- und auf 80 Cent für die Tageshändler steigen. Damit soll unter anderem die zu erwartende Mindestlohnanpassung ausgeglichen werden. Das gilt aber nur für die Verkäufer, die bereits auf dem Bönener Markt stehen. Neu angeworbene Vertragshändler müssten 1,20 Euro je Quadratmeter Stand zahlen, Tageshändler 1,35 Euro. 

Gemeinde soll Markt bezuschussen

Um die Kosten trotz der geringeren Standgebühren zu decken, müsste die Gemeinde bei diesem Modell 650 Euro netto monatlich beisteuern. Auf ein Jahr gerechnet wären das 9282 Euro inklusive Umsatzsteuer. Diesem Betrag stehen in der Gebührenkalkulation der Gemeinde allerdings 15 471 Euro jährlich an Personalkosten für den Wochenmarkt – sprich für die Marktmeisterin – gegenüber. Außerdem veranschlagt die Verwaltung noch 10 025 Euro pro Jahr für die Reinigung nach den Markttagen. Diese Kosten würden entfallen, wenn die Marktgilde den Wochenmarkt organisiert. Sie verpflichtet die Händler nämlich dazu, ihre Standfläche am Ende des Markttages selbst zu reinigen, zum Beispiel die Fläche zu fegen. Sollte das nicht funktionieren, wird ein Unternehmen damit beauftragt, die Kosten werden dann allerdings auf die Händler umgelegt. 

Die Vertragslaufzeit zwischen der Gemeinde und der Gilde soll erst einmal zwei Jahre betragen. Nach rund einem Jahr soll dann geprüft werden, ob der Markt tatsächlich attraktiver geworden ist und alle Beteiligten von dem neuen Konzept profitieren. Danach ist zu entscheiden, ob der Vertrag verlängert oder gekündigt wird, die Gemeinde weiterhin einen Zuschuss zahlt und den Händlern der reduzierte Standpreis berechnet werden soll. Können sie aufgrund von steigendem Umsatz den regulären Preis stemmen, soll dieser auf voraussichtlich 1,75 Euro pro Quadratmeter angepasst werden. Eine endgültige Entscheidung muss der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am 26. März fällen.

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