Ausschuss Familie, Sport und Kultur

Antrag von Zuflucht.Bönen auf weitere Integrationsmittel abgelehnt

Flüchtlinge mit Zuflucht.Bönen am Tisch
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Ein Treffpunkt der Kulturen konnte seit Ausbruch der Pandemie nicht mehr stattfinden. Der Verein Zuflucht.Bönen hofft aber, in Zukunft im neuen Begegnungszentrum die Menschen wieder zusammenbringen zu können.

Bönen - Die Mitglieder von Zuflucht.Bönen kümmern sich auch während der Pandemie um Flüchtlinge, die in Bönen leben. Dafür brauchen sie Geld, begründeten sie im Fachausschuss ihren Antrag auf weitere Integrationsmittel für dieses Jahr . Das lehnte die Mehrheit der Ausschussmitglieder ab.

175 Flüchtlinge leben derzeit in der Gemeinde Bönen. Die neuesten Zahlen stellte der Integrationsbeauftragte der Gemeinde, Khaled Abdulaal, jetzt im Ausschuss für Familie, Sport und Kultur vor (Infokasten). Diese Menschen brauchen auch während der Pandemie Unterstützung und Hilfen. Viele Aufgaben übernehmen die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins Zuflucht.Bönen. Der Verein hatte den Antrag gestellt, weitere Mittel zur Verfügung gestellt zu bekommen, da der Zeitraum für die Verwendungsfrist der Integrationsmittel, die vom Land kommen, um ein Jahr verlängert wurde. Der Ausschuss lehnte den Antrag mehrheitlich ab.

Sprachkurse laufen weiter

„Auch in der Pandemie endet unsere Arbeit ja nicht“ machte Bärbel Förster, die stellvertretende Vorsitzende von Zuflucht.Bönen, deutlich, als sie den Antrag im Fachausschuss begründete.

Natürlich schränke Corona die Arbeit stark ein und mache die Betreuung schwieriger, dennoch könne man die Menschen gerade in dieser Zeit nicht allein lassen, betonte Bärbel Förster. Der Treffpunkt könne zurzeit nicht stattfinden, Sprechstunden finden teilweise telefonisch statt, aber die für die Integration so wichtigen Sprachkurse liefen weiter. Fünf Deutschkurse bietet Zuflucht.Bönen an für verschiedene Personengruppen auf unterschiedlichem Niveau – drei davon im Go in mit Kinderbetreuung, die seit dem Lockdown nicht mehr möglich ist.

Aktuelle Flüchtlingszahlen und Unterbringung in der Gemeinde

175 geflüchtete Menschen leben derzeit in Bönen. Darunter 109, die nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz von der Gemeinde untergebracht werden müssen, hierfür erhält die Gemeinde Landesmittel. Das sind 94,17 Prozent der möglichen Personen, die die Gemeinde nach dem Verteilungsschlüssel aufnehmen müsste. 66 Personen leben als geduldete Flüchtlinge mit einer Wohnsitzauflage in der Gemeinde. Hier beträgt die Erfüllungsquote 92,31 Prozent.

Gemeinschaftsunterkünfte: 90 Menschen leben in Gemeinschaftsunterkünften der Gemeinde. Sie verteilen sich wie folgt auf die Einrichtungen:

Am Nordkamp 54: 0 (Renovierungsarbeiten) – möglich ist eine Belegung mit 19 Personen

Am Nordkamp 55: 14 – möglich ist eine Belegung mit 17 Personen

Am Nordkamp 56: 18 – möglich ist eine Belegung mit 34 Personen

Billy-Montigny-Platz 1: 16 – möglich ist eine Belegung mit 25 Personen

Billy-Montigny-Platz 1a: 18 – möglich ist eine Belegung mit 25 Personen

Nordbögger Straße 20: 24 – möglich ist eine Belegung mit 37 Personen

Die ehemalige Kleinschwimmhalle am Schulzentrum wird nicht genutzt.

Angemietete Wohnungen: 85 Personen sind aktuell in 26 angemieteten Wohnungen in der Gemeinde untergebracht.

„Bis heute findet unsere Mathe-Click-Lernförderung für Hauptschüler statt“, berichtete Förster, „allerdings eingeschränkt. Sonst haben sich fünf bis sechs Lehrer um 15 bis 18 Schüler gekümmert. Jetzt mussten wir das reduzieren auf sechs Schüler, die von vier Lehrern einzeln oder mit Geschwistern unterrichtet werden, damit sie den schulischen Anschluss schaffen.“

Neu initiiert hat der Verein eine Lernbegleitung für vier Schüler der Hellweggrundschule. Der Präsenzunterricht findet in der Unterkunft an der Nordbögger Straße im ehemaligen Haus Höing statt. „Da geht unser Dank an die Gemeinde, die uns dort einen Raum zur Verfügung stellt.“ Nach wie vor gibt es die Fahrradwerkstatt, und auch in der Pandemie führt der Verein Möbeltransporte durch, um die Flüchtlinge vor allem in den angemieteten Wohnungen mit dem Nötigsten zu versorgen.

Neben diesen kostenintensiven Angeboten ist der Verein aber auch in der zeitintensiven Familienbetreuung aktiv. „Wir betreuen zurzeit rund 50 Familien unterschiedlich intensiv“, gab Bärbel Förster Einblick in die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder. „Da leisten wir Präventionsarbeit, helfen mit Übersetzungen, die sehr wichtig sind bei Schreiben von Ämtern, begleiten Menschen zum Arzt und zum Jobcenter oder zur Ausländerbehörde, helfen bei Bewerbungsschreiben und betreuen aktuell fünf Auszubildende.“ Außerdem, das verschweigt Förster auch nicht, seien die Helfer von Zuflucht.Bönen auch Ansprechpartner für Frauen in Not, die misshandelt werden und aus ihrer Familie raus müssen und einen Platz in einem Frauenhaus brauchen.

Zuflucht.Bönen betreut in der Pandemie mehr als 50 Familien

„Wir könnten noch mehr machen, wenn die Begegnungsstätte an der Bahnhofstraße endlich zur Verfügung stünde“, betonte Förster vor den Ausschussmitgliedern. „So konnten wir bisher keinen muttersprachlichen Unterricht anbieten, weil wir permanent auf der Suche nach Räumen sind und müssen auf Sportvereine und Siedlungsvereine zurückgreifen. Das ist ein großes Problem, Räume zu finden, wo die Kurse stattfinden können unter den nötigen Hygienebedingungen – Lehrer haben wir, die bereit sind zu unterrichten. Wir gehen davon aus, dass wir bald auch wieder verstärkt mit Jugendlichen arbeiten können. Dafür brauchen wir aber Geld.“

Integrationsmittel

Für die Integrationsarbeit stehen Mittel in Höhe von insgesamt rund 451000 Euro zur Verfügung, die die Gemeinde vom Land erhalten hat. Der Rat hatte in seiner Sitzung am 24. Juni 2020 Integrationsmittel in Höhe von 35 000 Euro für die Arbeit von Zuflucht.Bönen beschlossen. Werden sie nicht abgerufen, dann müssen sie zurückgezahlt werden. Der Stichtag ist wegen der Pandemie um ein Jahr verschoben worden auf den 30. November 2021.

Bisher hatte der Verein allerdings nur 6000 Euro abgerufen. Nach Auflistung aller Aktivitäten bis jetzt aber bereits insgesamt 15000 Euro ausgegeben, ist also zunächst mit 9000 Euro in Vorlage gegangen.

Wenn der Verein bald wieder verstärkt mit Jugendlichen arbeiten wird und Sprachkurse anbieten will im neuen Begegnungszentrum, dann seien die Mittel aus dem Fördertopf spätestens im Sommer aufgebraucht, argumentiert Zuflucht.Bönen. Zur Absicherung seien dann weitere Integrationsmittel aus dem Fördertopf nötig, um Kurse zu planen, deren Finanzierung dann auch im Herbst gesichert sein müssen.

Begegnungsstätte an der Bahnhofstraße

Die Gemeinde Bönen wird bekanntlich die zweite Etage der Immobilie Bahnhofstraße 136, eine ehemalige Arztpraxis, dem Verein Zuflucht.Bönen zur Verfügung stellen als Begegnungs- und Schulungsort. Die Frage ist, wann? Ein Nutzungsänderungsantrag bremst das Projekt seit Monaten aus.

„Der Architekt hat den Nutzungsänderungsantrag jetzt soweit vorbereitet, dass der Antrag zum Kreis kann“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter bei der Gemeinde, Robert Eisler. „Für die Nutzung, die konzeptionell vorgesehen ist – nämlich neben Büro und Schulung, auch gemeinsames Kochen, Treffen und Veranstaltungen –, mussten die vorhandenen sanitären Einrichtungen und die Küchenplanung noch einmal überprüft werden, inwieweit sie den aktuellen Vorschriften entsprechen. Denn die Anforderungen sind bei einer öffentlichen Nutzung höher als bei einer privaten Nutzung.“ Die Gemeinde hat das Architekturbüro Grams und Schaeffer beauftragt, das auch die geplante Senioreneinrichtung im Erdgeschoss betreut. „Da geht es jetzt vor allem um die Einhaltung von Brandschutzvorschriften, Rettungswege, Barrierefreiheit und die sanitären Einrichtungen. Es kann sein, dass wir da baulich noch was machen müssen. Der Architekt ist in enger Abstimmung mit dem Kreis, damit wir nicht noch mehrmals nachbessern müssen.“

Eisler geht davon aus, dass der Antrag jetzt zeitnah eingereicht wird. Dann dauert es allerdings noch einige Wochen, bis der Kreis den Antrag bewilligt. Der Einzug des Vereins hängt dann davon ab, wie zügig die Verwaltung die Ausstattung der Räume in Angriff nimmt.

Das lehnt die Verwaltung jedoch ab mit Hinweis, es stünden dem Verein nach dem bisherigen Beschluss noch 29000 Euro zur Verfügung. Aufgrund der andauernden Pandemie könne für die Planung und Durchführung von Integrationsprojekten derzeit keine verlässliche Vorhersage getroffen werden.

„Gute Arbeit verdient Unterstützung“

Während Detlev Pilz für die CDU ankündigte, man werde dem Vorschlag der Verwaltung folgen, und vorschlug, einen neuen Antrag zu stellen, wenn bestimmte Veranstaltungen wieder stattfinden, fragte Cornelia Hawickenbrauck (SPD): „Warum verknappen wir die Mittel, wenn der Verein so gute Arbeit leistet? Da verdient Zuflucht.Bönen Unterstützung von allen Seiten.“

Der Ausschuss lehnte schließlich mit elf Stimmen von CDU, Grünen BG und FDP gegen sieben Stimmen der SPD-Fraktion den Antrag ab.

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