Luca-Schlüsselanhänger sollen helfen

Ausbleibende Gäste und fehlendes Personal: Bönener Gastronome noch weit weg von Normalität

Gastronomie Personalnot Mitarbeitermangel Servicekräfte
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Die Personalnot in der Gastrobranche ist derzeit groß. Auch Bönener Betriebe suchen Servicekräfte, um ihren Betrieb aufrechterhalten zu können.

Das Geschäft der Bönener Gastronomen läuft nach zögerlichem Start wieder. Dafür tauchen neue Probleme auf und angesichts steigender Infektionszahlen blicken die Wirte mit Sorge auf die kommenden Monate.

Bönen – Lange Zeit mussten die Bönener Gastronomiebetriebe coronabedingt schließen. Gäste durften sie in ihren Räumen aufgrund hoher Inzidenzwerte nicht empfangen. Über sieben Monate hielten sich die Betriebe deshalb mit Außer-Haus-Verkauf über Wasser. Inzwischen sind die Türen wieder für Gäste offen. Nutzen die Menschen das und kehrt ein Stück Normalität zurück in eine Branche, die besonders hart von der Pandemie betroffen ist? Und wie wollen die Wirte verfahren, wenn die Infektionszahlen weiter steigen?

„Ohne die Solidarität unserer Gäste, die uns über all die Monate unterstützt haben mit regelmäßigen Essensbestellungen, hätten wir die Zeit nicht überstanden“, sagt Kirsten Metzrath, Wirtin der Gaststätte Denninghaus. „Da können wir nur Danke sagen.“ Das betonen auch ihre Kollegen in anderen Bönener Gastronomiebetrieben.

Zögerlicher Start

Als es nach dem Lockdown losging, wollten viele zurück in die Restaurants kommen und endlich mal wieder zum Essen ausgehen. Soweit die Absichtserklärung. Dennoch lief das Geschäft erst mal zögerlich an, bestätigen die Bönener Wirte.

„Viele Vereine reagierten verhalten, wollten noch ein bisschen abwarten, bis man sich wieder zum Kegeln oder Kaffeetrinken trifft, bis alle geimpft sind“, berichtet Kirsten Metzrath.

Was vor allem fehlt, sind Buchungen für größere Feiern oder Hochzeiten. „Bis zu 20 Gäste bei einem gemeinsamen Abendessen – das geht noch. Aber größere Feste plant kaum jemand zurzeit“, bestätigt Torsten Nüsken vom Gasthaus Dörnemann in Nordbögge. Denn das müsse frühzeitig geplant werden, und niemand wisse, wie die Auflagen bis zum Termin dann aussehen.

Katja Lohmann ist froh, dass ihr Biergarten in der Gaststätte Böinghoff wieder gut besucht ist.

„Wir sind froh, dass wir einen Biergarten haben“, sagt Katja Lohmann, Chefin im Haus Böinghoff in Flierich. „Der ist die ganze Zeit gut besucht, trotz des wechselhaften Wetters. Wir können uns nicht beklagen.“ Der Service läuft, weil sie durch das Außer-Haus-Geschäft zumindest die meisten Mitarbeiter halten konnte.

Deshalb sind auch die Öffnungszeiten durchgehend wie vor Corona. „Wir nehmen jetzt alles mit, was geht, und gucken dann, wie sich die Dinge weiterentwickeln“, sagt die Wirtin.

Sollten die Inzidenzen wieder hochschnellen, befürchtet Katja Lohmann, dass die Gäste wieder ausbleiben werden, selbst wenn die Gastronomie nicht schließen muss. „Aber dann geht niemand essen“, sorgt sich die Gastronomin.

Personalnot

Auch ihre Kollegin Christiane Damm, die das Fischlokal in Bönen betreibt, ist im Augenblick zufrieden mit den Gästezahlen. „In den ersten Wochen ist es schleppend angelaufen. Viele Gäste waren auch verunsichert, ob sie nun einen Test machen müssen oder nicht. Im Moment, ohne Testpflicht, läuft es gut. Aber wenn die Inzidenz-Zahlen wieder steigen, wird es vermutlich wieder weniger werden.“ Da hilft nur impfen lassen, denn Geimpfte und Genesene brauchen natürlich keinen Test. Schwierig, sagt Damm, sei es aber mit dem Personal nach der langen coronabedingten Schließung. „Wir suchen dringend Mitarbeiter, weil einige Kräfte abgewandert sind.“ Wegen Personalmangels bleibt das Restaurant deshalb montags und dienstags geschlossen.

Luca-App

Die Freiheit ohne Maske und ohne Nachverfolgung bröckelt bereits wieder mit stetig steigenden Inzidenzzahlen. Was das konkret für die Gastronomie bedeutet, können die Wirte noch nicht einschätzen. „Ich glaube aber nicht, dass wir bei höheren Inzidenzwerten wieder schließen müssen“, sagt Torsten Nüsken. Alle warten nun ab, ob die neue Coronaschutzverordnung des Landes NRW, die noch vorgestellt werden soll, Klarheit bringt, wie es für die Branche weitergeht.

Torsten Nüsken wünscht sich den Luca-Schlüsselanhänger auch für Bönen.

Wenn die Inzidenzwerte steigen und eine Rückverfolgung notwendig wird, dann ist die Registrierung mit der Luca-App schnell und unkompliziert. „Sehr viele Gäste haben tatsächlich schon die Luca-App auf ihrem Handy, das klappt sehr gut bei uns“, bestätigt Katja Lohmann. Wer kein Smartphone besitzt, für den wäre die Einführung eines Luca-Schlüsselanhängers (siehe Infokasten) für die Registrierung eine echte Erleichterung – für die Gastronomie und auch für die Gäste, findet Torsten Nüsken.

„Gerade für ältere Menschen ist das eine Alternative dazu, jedes Mal den Registrierbogen ausfüllen zu müssen. Ich fände es gut, wenn die Gemeinde den Anhänger auch in Bönen einführen würde.“ Bisher könnten nach seinen Informationen aber nur Kommunen den Schlüsselanhänger mit QR-Code anfordern. Auch Nüskens „Kolleginnen“ in Bönen würden die Einführung des Schlüsselanhängers mit QR-Code begrüßen.

2G oder 3G?

Die zurzeit viel diskutierte 2G-Regelung in der Gastronomie, nach der nur Geimpfte und Genesene in Restaurants und Cafés Zutritt haben würden, beschäftigt auch die Bönener Wirte. „Es ist dabei überhaupt nicht geklärt, was mit Kindern ist und mit denen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können“, gibt Torsten Nüsken zu bedenken. „Müssen die künftig draußen bleiben?“ Auch Kirsten Metzrath ist skeptisch: „Ich möchte mit einer solchen Regelung keine Zweiklassengesellschaft schaffen.“

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