Harley-Händler in Kamen-Heeren

Aus Liebe zur Harley: Tom Pfeiffer aus Bönen will Marke in neuem Licht präsentieren

Harley Davidson Motorrad Tom und Norbert Pfeiffer
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Ein Familiengeschäft: Vater Norbert (rechts) baute das Unternehmen auf. Inzwischen hat Tom Pfeiffer die Geschäftsführung der Harley-Filiale in Kamen-Heeren übernommen.

Die Familie des Lenningser Tom Pfeiffer lebt für Motorräder der Marke Harley Davidson. In den 70ern gründete sein Vater Norbert eine Harley-Dependance in Kamen-Heeren. Inzwischen hat Tom das Geschäft übernommen und steht vor der Aufgabe, für die mit vielen Klischees behaftete Traditionsmarke aus den USA neue Kundschaft zu gewinnen. 

Bönen – „Born to be Wild“, „Easy Rider“ oder auch die „Fat Boy“ in „Terminator“. All das verbindet man mit dem amerikanischen Motorradunternehmen Harley Davidson. Schwere Maschinen, großvolumige V-Motoren im konservativen Outfit. Trendvehikel für die Ausfahrt einer betuchten, männlichen Klientel der Generation 50plus. Eine Harley mit E-Antrieb oder gar ein E-Bike aus Milwaukee ist eigentlich unvorstellbar im Zusammenhang mit diesem Traum vieler Biker.

Harley war der erste Großserienhersteller, der ein elektrisches Modell auf den Markt gebracht hat“, klärt hingegen Tom Pfeiffer aus Bönen-Lenningsen auf, der in Heeren einen Harley-Laden betreibt. „Die wollten zeigen, wir haben das Knowhow und können auch modern.“

Aus Liebe zur Harley: Tom Pfeiffer aus Bönen will Marke in neuem Licht präsentieren

Der typische Harley-Fahrer sterbe ohnehin aus, meint der Experte. Es gelte, einen neuen Kundenstamm zu gewinnen. Jünger, grün angehaucht, vielleicht abenteuerlustiger – eben anders als die cruisende Babyboomer-Generation, die im weichen Sattel eines „Choppers“ über Landstraßen zuckeln.

Tradition und Zukunft? Im Showroom in Heeren sind sowohl alte Harley-Modelle...

Das Livewire-E-Motorrad steht in Heeren im Laden, ein erstes Enduro-Modell namens Pan America ist ab Frühjahr zu testen. „Die E-Fahrräder, oder auch das Adventure Bike sind teil der Strategie, den alten Namen in neuen Köpfen zu verankern“, sagt Tom Pfeiffer. „Ich hoffe, damit ist die Zukunft gesichert.“

Der 39-jährige Lenningser ist der Sohn von Norbert Pfeiffer, der 1979 die Harley-Werkstatt am Kreisel in Kamen-Heeren aufbaute. Der Betriebswirt stieg 2002 in das Familiengeschäft ein. „Ich war mit meinen Eltern früher oft in Holland und da fuhren diese alten Weltkriegs-Harleys“, erzählt Norbert Pfeiffer, warum es ausgerechnet Harleys sein müssen. Erscheinung, der Sound des V-Motors begeisterten ihn. Der Seniorchef hatte alsbald eine WLA 750, Baujahr 1945, die sich immer noch in seinem Besitz befindet. „Ich war damals im Harley-Club Deutschland. Alle wollten Ersatzteile.“

Harley-Werkstatt im Kreis Unna: Bezug mit Blattgold auf Kundenwunsch

Der Mann vom Fach nahm Verbindung mit dem Werk in Milwaukee auf, ließ sich Ersatzteile schicken und machte einen Versandhandel auf. „Dann hab ich irgendwann bei Harley angerufen. Da hieß es dann: Na klar können sie eine Vertretung kriegen. So lief das dann an.“ In den 70ern hätte es in Frankfurt, Hamburg und dann eben in Kamen-Heeren eine Werksvertretung gegeben. „Da bist du quasi über Nacht Harley-Händler geworden, heute wäre das gar nicht mehr möglich“, sagt Tom Pfeiffer. „Damals haben dich alle für bekloppt gehalten. Harley Davidson hier in Kamen-Heeren?“

Die Werkstatt abseits der Metropolen wandelte sich mit der Zeit zum großen Showroom, inklusive Merchandising-Shop und kleinem Museum. Norbert Pfeiffer fährt weiterhin seine erste Maschine, hat ein Modell K von 1923 und eines der letzten „Trikes“ der Firma aus den 70er Jahren auf der Empore stehen.

...als auch das neue E-Motorrad zu sehen, mit dem sich die Marke neu erfinden will.

Daneben finden sich unter den „30, 40 Maschinen plus zehn zum Vorführen“ im Showroom einige Einzelstücke. „Eigentlich wird ja jede Harley individuell ausgestattet, wir haben schon einmal eine mit Blattgold belegen lassen auf Kundenwunsch. Die dort ist aus Einzelteilen zusammengebaut“, deutet Norbert Pfeiffer auf das Schaufenstermodell, „um mal zu zeigen, was man machen kann.“ Eine Idee von Tom Pfeiffer, der Rennumbau einer „Sportster“, kam beim Publikum so gut an, dass sie ins Finale des Designpreises „Battle of the King“ in Mailand gewählt wurde. Der zweite Platz sprang dabei für den Juniorchef heraus.

Harley Davidson: Lange Geschichte mit Auf und Ab

Das Unternehmen Harley Davidson erlebte in der langen Geschichte seit 1903 ein stetes Auf und Ab. Der Kult ist in Europa mit Hollywoodfilmen verknüpft. Die Maschinen der „Easy Rider“ seien aber technisch für die maximal 55 Meilen (ca. 90 km/h) der Pisten in den USA ausgelegt und sehr unzuverlässig bei den hohen Geschwindigkeiten der europäischen Autobahnen gewesen. „Es hieß, wer eine Harley fährt, sollte einen Werkzeugkoffer dabei haben.“ Inzwischen seien die Maschinen tatsächlich auf der Höhe der Zeit.

„In den 80ern war es für mich schwer, wegen Ölkrise und Golfkrieg“, blickt Norbert Pfeiffer zurück. „In der Zeit habe ich auch wieder Mofas und Fahrräder repariert, weil der Umsatz nicht stimmte. Ich musste eine Familie ernähren.“ In den 90ern ging es wieder bergauf. „Da kam die erste Fatboy. Mit Arnold Schwarzenegger als Terminator. Das war ein absoluter Hype. Da hatte man Wartezeiten von bis zu zwei Jahren auf so ein Motorrad.“

Harley Davidson: Vom Rocker bis zum Zahnarzt

Tom Pfeiffer durfte übrigens nicht sofort einsteigen. „Das macht man doch nicht“, sagt der Vater. Er vermittelte den ausgebildeten Kaufmann für ein Praktikum an einen Harley-Händler in Milwaukee. „Erst da hat es mich gepackt“, erzählt Tom Pfeiffer. „Hier bin ich ja reingeboren worden, war ich jeden Tag im Laden – das hatte nichts Besonderes für mich. Aber, wenn man das in Amerika mitkriegt, dieses ganze Lebensgefühl“, schwärmt er. „Jeden Mittwochabend kommen da 1000 Leute am Harley-Museum vorgefahren. Würstchen- und Bierstand und eine Riesenparty.“

Das Mutterland der Marke fasziniert die beiden weiterhin. Zweimal im Jahr „müssen“ sie zu Motorradmessen und zum Einkaufen hin. Die beiden verbinden die Reisen auch mit Ausfahrten.

Ein Problem sind die beiden Harley-Enthusiasten inzwischen los. „Trump ist ja kein Freund von Harley“, sagt Norbert Pfeiffer über die Wirtschaftssanktionen im Handelsstreit mit der EU. Er ist froh über die Wahl von Joe Biden. „Harley hat die Strafzölle ja erst aus eigener Tasche gezahlt, parallel dazu ein Werk in Thailand gebaut, wo die Endmontage läuft. Also Made in Thailand. Auch teuer, da die Einzelteile erst um die halbe Welt geschifft werden müssen.“

Verschiedene V-Motoren sind ebenfalls ausgestellt.

Apropos Preis für den Kult: „Wir haben vom Rocker, der auf dem Motorrad lebt bis zum Klischee Zahnarzt alle Berufsgruppen als Kunden. Die meisten sind normale Bürger wie sie und ich, haben Spaß am Motorradfahren. Die Harley ist ja in Relation zu den anderen sogar billiger geworden. Alle anderen sind teurer geworden.“ Mit den Hells Angels hätten sie nichts zu tun, berichtigt Tom Pfeiffer ein weiteres Klischee. „Hier ist Banditosland“, sagt er im Scherz.

„Im Winter reparieren wir alles, was unsere Kunden im Sommer kaputt gefahren haben“, beschreibt Norbert Pfeiffer das Leben jetzt nach Saisonende. „Im Winter sehen wir dann auch die Frauen, während wir im Rest des Jahres nur die Männer sehen. Die kaufen hier Accessoires als Weihnachtsgeschenk“, erklärt Tom Pfeiffer.

Bei den Modeartikeln kommt dann auch Mutter Susanne ins Spiel, die ebenfalls von Anfang an dabei war. „Sie kommt aus der Modebranche, hat sich um die Kunden gekümmert, während Papa der Schrauber war und bis 12 Uhr nachts in der Werkstatt gestanden hat.“

Boom auch im Corona-Sommer

Corona hätte die Firma übrigens sehr gut überstanden bisher. „Was wir im Frühjahr verloren haben, haben wir nach dem ersten Lockdown gut wieder hereingeholt“, erzählt vom Boom im Sommer. Aktuell ist der Showroom wegen des erneuten Lockdowns allerdings geschlossen. Reparaturen und Bestellungen sind aber möglich.

Das E-Motorrad steht weiter im Laden. Es errege zwar Interesse und sei wirklich klasse zu fahren, sagt Tom Pfeiffer. „Denen, die es Probe gefahren haben, steht ein Grinsen im Gesicht.“ Allerdings fehle der aktuellen Kundschaft der Benzinduft und das Wummern des Auspuffs. Außerdem ist das nicht staatlich geförderte Motorrad mit über 30 000 Euro kein Schnäppchen.

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