Ab Montag wird in der Kreissporthalle geimpft

Auftakt mit 252 Personen: Alles Wichtige zum Start im Impfzentrum des Kreises Unna

In der Kreissporthalle wurde schon im Dezember das Impfzentrum errichtet.
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In der Kreissporthalle wurde schon im Dezember das Impfzentrum errichtet.

Nachdem bisher nur Bewohner von Pflegeeinrichtungen, die dortigen Mitarbeiter und medizinisches Fachpersonal eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten konnten, geht am Montag auch das Impfzentrum des Kreises Unna in Betrieb. Die wichtigsten Informationen vor dem Start.

Kreis Unna - Über 50 Tage hat es gedauert, bis das Impfzentrum auch tatsächlich in Betrieb geht. Dabei hatte die NRW-Regierung beim Aufbau zur Eile gemahnt, sodass am 15. Dezember alles fertiggestellt sein musste. Die Verzögerung sorgt zwar für Frust bei den Verantwortlichen, doch die Freude am Montag loslegen zu können, überwiegt. „Wir können jetzt endlich unseren Beitrag leisten“, sagt Theo Spanke, der Leiter des Impfzentrums im Kreis Unna.

Wo ist das Impfzentrum des Kreises?

Der Kreis hat das Impfzentrum in der neuen Kreissporthalle in Unna, Platanenallee 20 a, eingerichtet. Direkt daneben befindet sich auch das Testzentrum. Wegweiser sollen dafür sorgen, dass sich die Personengruppen nicht in die Quere kommen. Menschen, die mit Bus und Bahn anreisen, aber auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, empfiehlt VKU-Sprecherin Felicitas Buchmann die Haltestelle „Unna Kreishaus“ für einen bequemen Ein- und Ausstieg. Bei der Haltestelle „Märkische Berufsschule“ gebe es eine Stufe. Hier gibt es alle Infos zur Anreise für Bergkamener. Hier für Bönener.

Gibt es Zuschüsse, wenn ich keine Möglichkeit habe, zum Impfzentrum zu kommen, aber nicht den ÖPNV nutzen möchte?

Den Weg hin zur Kreissporthalle und wieder nach Hause müssen die Senioren selbst organisieren. Menschen, die nicht mobil sind, wird geraten, sich Hilfe in der Familie oder im Bekanntenkreis zu suchen. Auch Taxis sind eine Möglichkeit, kosten bis Unna aber einiges. Der Kreis hatte deshalb geprüft, ob ein Zuschuss möglich ist, hat diese Idee aber verworfen. Die rechtlichen Hürden seien zu hoch, erläutert Kreis-Sprecher Volker Meier.

Corona-Impfung auf fünf Straßen: So sieht das Impfzentrum des Kreises Unna aus

Impfzentrum des Kreises Unna in der Kreissporthalle an der Platanenallee
Impfzentrum des Kreises Unna in der Kreissporthalle an der Platanenallee
Impfzentrum des Kreises Unna in der Kreissporthalle an der Platanenallee
Impfzentrum des Kreises Unna in der Kreissporthalle an der Platanenallee
Corona-Impfung auf fünf Straßen: So sieht das Impfzentrum des Kreises Unna aus

Schwerbehinderte mit Pflegegrad drei oder entsprechendem Eintrag im Schwerbehindertenausweis können kostenlos ein Taxi benutzen. Wer gesundheitlich nicht in der Lage ist, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Impfzentrum zu gelangen, kann sich einen Transportschein von seinem Hausarzt ausstellen lassen. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenkasse. Der DRK-Kreisverband (Telefon 02303/25453-19) und die Awo-Tochter DasDies Service GmbH (02307/71991-26) bieten einen Service an. Hier gilt ebenfalls der Transportschein vom Arzt, ansonsten fallen 10 Euro an.

Wie viele Menschen werden geimpft?

Für den Kreis Unna liegen keine detaillierten Zahlen vor, aber die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe teilte (KVWL) Mitte dieser Woche mit, dass im Februar und März im Grunde alle zur Verfügung stehenden Zeiten ausgebucht sind. Laut Theo Spanke, dem Leiter des Impfzentrums, wurden für die erste Woche Termine an 252 Personen pro Tag vergeben. Gearbeitet wird deshalb nur in einer von zwei geplanten Schichten und nicht in allen fünf Impfstraßen, in Unna in der Spätschicht von 14 bis 20 Uhr. Der Mittwoch ist freigehalten worden, um Polizei- und Rettungskräfte, ambulante Pflegekräfte, Angestellte und ehrenamtliche Mitarbeiter in Hospizen zu impfen. Bei Vollbetrieb könnte im Impfzentrum rund 1200 Personen pro Tag eine Spritze erhalten.

Bei der Anmeldung werden die Daten der Impflinge erfasst.

Was ist mitzubringen?

Personalausweis, Mund-Nase-Schutz, Krankenkassenkarte bei gesetzlich versicherten und wenn vorhanden auch das Berechtigungsschreiben für den Impftermin. Hilfreich sind zudem der Impfpass und medizinische Unterlagen (zum Beispiel: Herzpass, Diabetiker- und Allergieausweis oder Medikamentenliste). Menschen, die keinen Termin haben, werden direkt abgewiesen. Begleitpersonen, die die Impfberechtigten unterstützen, sind dagegen ausdrücklich zugelassen.

Verfällt mein Termin, wenn ich krank bin oder mich verspäte?

Spanke rät allen, nur anzureisen, wenn sie sich wohlfühlen. Verspätungen sollten dagegen niemanden davon abhalten, zum Impfzentrum kommen. Wer aus welchen Gründen auch immer nicht kann, bleibt ohne Absage fern und macht möglichst innerhalb einer Woche einen neuen Termin aus. Mindestens 30 Minuten sollten laut Spanke eingeplant werden: „Man soll sich nicht unter Stress setzen, das schafft nur ungute Gefühle.

Wie läuft das Impfen ab?

Alles verläuft im Einbahnstraßensystem. Vor dem Eingang ist ein Zelt aufgebaut, in dem die Impfberechtigung überprüft wird. Drinnen erfolgt dann die Erfassung in der EDV. Hier wird auch die Temperatur an der Stirn gemessen. Draußen, wie ursprünglich geplant, sei es dafür kalt, so Spanke. Die Impfwilligen füllen ihren Einwilligungs- und Aufklärungsbogen aus und betreten dann eine der fünf Impfstraßen, wo sie zunächst zu einem Aufklärungsgespräch mit einem Arzt gebeten werden. „Alle Fragen wollen wir in Ruhe klären“, betont Spanke. Weiter geht es zum nächsten Arzt, der die Spritze setzt. Eine der Impfstraßen ist so angelegt worden, dass sie breit genug für Rollstuhlfahrer ist. Nach der Spritze werden die Impflinge im Wartebereich mindestens für 15 Minuten hinsichtlich Nebenwirkungen beobachtet. Rettungssanitäter sind für den Notfall vor Ort. Zum Schluss soll beim Auschecken alles überprüft werden.

ag21d05996.jpgUm mögliche Nachwirkungen zu bemerken, sitzen die Impflinge mindestens eine gute Viertelstunde im Wartebereich. Sich etwas zum Lesen mitzubringen, schadet also nicht.

Wie bekomme ich die notwendigen zweite Impfung?

Fast alle Menschen haben nach Angaben von Spanke bereits bei der Terminvergabe ihren Zweittermin erhalten. Nur bei ein paar Prozent der Fälle sei dies nicht geschehen. Am Ende der Impfung wird deshalb bei allen der Termin zur Zweitimpfung kontrolliert beziehungsweise einer vergeben.

Welcher Stoff wird verimpft?

Momentan steht den Impfzentren nur der Biontech-Impfstoff zur Verfügung. Der wird täglich angeliefert und vor Ort aufbereitet. Nach Angaben der KVWL wird es nicht mehr lange dauern, bis auch Dosen Astrazeneca ankommen. Dieser Wirkstoff ist allerdings nur für Unter-65-Jährige zugelassen.

Bekomme jeder auch auf jeden Fall die Impfung, oder kann der Impfstoff ausgehen? Und ist die Zweitimpfung gesichert?

Laut Kassenärztlichen Vereinigung erhält jedes Bundesland keine genaue Zahl der Impfstoffe, die geliefert werden, sondern eine Größenordnung „von bis“, so Sprecherin Heike Achtermann. Geplant werde dann zunächst mit der Mindestmenge – und nur für die werden auch Termine zur Verfügung gestellt. Erst wenn diese überschritten wird, werden weitere Termine freigeschaltet. Gleichzeitig wird beim Biontech-Impfstoff sofort die zweite Dosis zurückgelegt, damit die Verfügbarkeit für die zweite Runde mit dem gleichen Wirkstoff gesichert ist. Bei Astrazeneca könnte das aufgrund anderer Voraussetzungen anders laufen.

Wie bekomme ich noch einen Termin?

Derzeit sind die Termine ausgebucht. Wer aus der ersten Prioritätengruppe jetzt sein Glück versucht, wird voraussichtlich erst im April einen Termin erhalten. Da sich die Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffes noch erhöhen kann, könnte sich auch die Zahl der zu Impfende vergrößern. „Wir bekommen täglich neue Termine, die wir vergeben können, wenn auch nicht so viele“, sagt Achtermann von der KVWL. All denjenigen, die sich impfen lassen wollen und noch keinen Termin haben, rät die Sprecherin, dies im Internet auf www.impfterminservice.de oder per Telefon bei der kostenfreien Hotline die Hotline 0800/116117-02 zu tun.

Die KVWL geht davon aus, dass die Systeme nun stabiler, die Wartezeiten kürzer sind. Anfangs seien die Server bei 700 Zugriffen pro Sekunde überlastet gewesen, sagt Achtermann. Mittlerweile sei nachgerüstet worden. Derzeit gebe es nur vereinzelt noch Fehler, so Achtermann. So würden online Termine vorgeschlagen, die schon vergeben gewesen seien. Außerdem hat ein Großteil der derzeit Impfberechtigten und vermutlich -willigen im KVWL-Zuständigkeitsbereich bereits einen Termin.

Nach etwa einer halben Stunde „checken“ die Impflinge aus. Der Zweittermin wird dabei noch einmal überprüft oder falls noch nicht vorhanden vergeben.

Wie geht es weiter mit anderen Personengruppen?

Auf Anweisungen dazu, wann die Menschen der zweiten Prioritätengruppe an die Reihe kommen, wie es dann vonstattengeht oder wie der Astrazeneca-Impfstoff eingesetzt wird, wartet die KVWL noch. Das würde durch die NRW-Regierung entschieden, so Achtermann.

Falls die Menge der zur Verfügung stehenden Impfdosen wie erhofft steigt, könnte es passieren, dass Menschen, die über 80 Jahre und älter sind und für April eingetragen wurden, später drankommen als Jüngere, obwohl sie besonders vom Coronavirus gefährdet sind. Es gebe allerdings noch keine Information darüber, ob der Termin dann vorgezogen werden könne, so Achtermann.

Was kostet die Verzögerung beim Start des lange fertigen Impfzentrums?

Sieben Wochen Leerstand sind eine lange Zeit – und Zeit ist Geld. Zwar hat der Kreis mit der Kreissporthalle bewusst ein Gebäude ausgewählt, dass im eigenen Besitz ist, um die Miete einzusparen. Doch neben den Fixkosten, die bei 95 000 Euro für den Aufbau des Impfzentrums angefallen sind, summieren sich andere Ausgaben. So hat der Kreis nach Angaben von Pressesprecher Volker Meier einen Großteil der benötigten Stellwände für die Impfstraßen gemietet, was derzeit mit 70 000 Euro pro Monat zu Buche schlägt. Die zusätzlichen Personalkosten seit der Fertigstellung betragen 75 000 Euro. So war beispielsweise ein privater Ordnungsdienst beauftragt worden, den reibungslosen Ablauf der Impfung zu gewährleisten. „Wir konnten die Leute anders verwenden“, sagt Volker Meier.

Insgesamt hat der Kreis knapp 2 Millionen Euro für Vorhaltung und Betrieb des Impfzentrums eingeplant, die noch in den Haushalt 2021 nachgetragen werden müssen. Davon übernehmen Bund und Länder die Hälfte. Die Kosten verteilten sich auf Personal (1,1 Million Euro), Wach-und Sanitätsdienst (760 000), Reinigungsdienst (128 000).

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