Aufforstung am Hagenweg

Bönen bekommt zehn Hektar neuen Wald

Aus diesen kleinen Trieben soll in einigen Jahren ein stattliches Waldstück werden. Eigentümer Matthias Overbeck (von links), Sebastian Heide-Nahierski (Untere Naturschutzbehörde Kreis Unna) und Förster Matthias Müller haben das Aufforstungsprojekt jetzt gestartet.
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Aus diesen kleinen Trieben soll in einigen Jahren ein stattliches Waldstück werden. Eigentümer Matthias Overbeck (von links), Sebastian Heide-Nahierski (Untere Naturschutzbehörde Kreis Unna) und Förster Matthias Müller haben das Aufforstungsprojekt jetzt gestartet.

Alle vier Tage rollt über die Rhyneraner Straße ein LKW. Das ist soweit nicht ungewöhnlich, doch der Lastwagen fährt knapp am Industriegebiet vorbei, hält am Hagenweg an und hat eine besondere Fracht geladen. Junge Triebe, die vor Ort eingepflanzt werden und in einigen Jahren einen schönen Wald ergeben sollen. 72 150 Stück werden so bis Mitte Dezember auf dem etwa 9,8 Hektar großen Grundstück, dass Matthias Overbeck gehört, zusammenkommen.

Bönen – „Das ist bemerkenswert“, findet Matthias Müller, zuständig für den Forstbetrieb Unna. So eine große, bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche, auf der neuer Wald entsteht, gebe es sonst selten. „In der Größenordnung ist das eine Ausnahme“, sagt Sebastian Heide-Napierski von der unteren Naturschutzbehörde des Kreises. Zudem grenzt das Grundstück an zwei weitere Flure, die Overbeck ebenfalls für eine Bewaldung zur Verfügung gestellt hat. Vor 20 Jahren wurde auf 1,6 Hektar Richtung Weetfelder Straße angepflanzt. Fast vor Jahresfrist wurde mit Unterstützung des Katharinen-Hospitals ein 2,7 Hektar großes Stück aufgeforstet, das nun den Namen Katharinenwäldchen trägt.

„Ich denke, dass wir umdenken müssen“, sagt Overbeck, Lehrer am Marie-Curie-Gymnasium, mit Blick auf den Klimawandel und die CO2-Emissionen. „Waldpflanzung ist da ein Mittel.“ Pro Hektar binden die Bäume und anderen Pflanzen je nach Zusammensetzung zwischen neun und 13 Tonnen Kohlendioxid im Jahr und überdecken damit den jährlichen Fußabdruck eines Deutschen, der laut der Datenplattform statista.de pro Kopf bei etwa acht Tonnen liegt (andere Quellen sprechen von höheren Zahlen). „Man sieht, wie dramatisch der Klimawandel ist. Wir hatten jetzt den dritten Dürresommer in Folge“, sagt Overbeck.

In Absprache mit seiner Familie habe er sich deshalb entschlossen, „einen Teil der Ackerfläche bewusst für Wald zur Verfügung zu stellen und aus der extensiven Landwirtschaft herauszunehmen“. Für Heide-Nagierski eine willkommene Gelegenheit, denn es werde relativ selten aufgeforstet und der Kreis Unna hinke mit zwölf Prozent Waldfläche deutlich dem NRW-Schnitt von 23 Prozent hinterher. „Und Bönen ist noch dadrunter.“

Mischwald soll dem Klimawandel standhalten

So wachsen, wo in diesem Jahr noch Weizen angebaut und geerntet wurde, bald vor allem Stieleichen (rund 40 000 Stück), aber auch Winterlinde, Vogelkirsche, Flatterulme (je 6475), Hainbuche und Feldahorn (je 1625). Eine solche Mischpflanzung war auch schon auf dem Nachbargrundstück vorgenommen worden. Mit der Flatterulme und der Esskastanie (1950) werden zudem „klimaharte“ Bäume eingesetzt, erklärt Müller. Die kämen mit der Niederschlagsverschiebung, weniger Regen und zu anderen Zeitpunkten, besser zurecht. Am Waldrand sollen außerdem demnächst Schwarz- und Weißdorn, Hasel, Hundsrose, Pfaffenhütchen und andere Gewächse (zusammen 6300) blühen.

Zur Rhyneraner Straße hin bleibt ein etwa acht Meter breiter Streifen frei. Jäger hätten dem Förster mitgeteilt, dass es hier häufiger zu Wildunfällen kommt. Deshalb wird durch einen Krautsaum eine Sichtschneise für Autofahrer geschaffen. Der momentan auch noch auf dem Nachbargrundstück stehende Zaun gegen Wildverbiss verschwindet irgendwann.

Finanzierung durch Ausgleichmaßnahmen

Die Mittel für die Aktion kommen vom Kreis Unna. Gelder kommen unter anderem durch die sogenannten Ausgleichsmaßnahmen, die Firmen leisten müssen, wenn sie irgendwo neu bauen. Die Pflanzen und deren Lieferung kosten 46 000 Euro, die Pflanzung durch die Firma Ronkartz aus Mönchengladbach 57 000 Euro. Der Zaun und die Julen, Ansitzvorrichtungen für Vögel, um den Mäusebestand zu verringern, weitere 12 000 Euro. Über die Höhe der Pacht machte Heide-Napierski keine Angaben. Sie sei vergleichbar damit, „wenn wir die Fläche gekauft hätten“, sagt er. Der Vertrag wurde „sehr langfristig“ geschlossen. Overbeck erklärte, dass er weniger Pacht bekomme, als für er für eine landwirtschaftliche Nutzung erhalten hätte.

Auf dem Papier sind die jungen Triebe übrigens mit dem Ende der Pflanzaktion Wald. Bis sie allerdings auch von den Bönenern so bezeichnet werden dürften, wird noch einige Zeit vergehen. Wer einen Blick in die Zukunft tätigen möchte, muss allerdings nur den Kopf zur Seite drehen. Ein paar hundert Meter weiter Richtung Weetfelder Straße erhebt sich der vor 20 Jahren angelegte Wald prächtig über die Neulinge, auf der anderen Seite der Rhyneraner Straße ist vor rund 15 Jahren aufgeforstet worden.

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